02.09.2014, 15:40 Uhr

"Ich bin stets ein Getriebener"

In seinem Atelier in Faak am See: Richard Kaplenig malt derzeit an seinem neuesten Werk

Richard Kaplenig stellt ab 4. September in der Lukas Feichtner Galerie in Wien aus.
Von Iris Zirknitzer

KÖTSCHACH-MAUTHEN, FAAK AM SEE, WIEN. Der Maler Richard Kaplenig, gebürtiger Kötschach-Mauthener, spricht über seine Rastlosigkeit, warum man als Künstler nie zufrieden mit sich sein soll, was die Blockaden der Kreativität sind, und welche Pläne er im Visier hat.
WOCHE: War es für Sie schon immer klar, dass Sie mit dem Malen Ihre Brötchen verdienen wollen? Haben Sie sich jemals Gedanken gemacht, dass Sie davon leben können?
KAPLENIG: Ich habe zwar einen handwerklichen Beruf erlernt, wollte aber nie was anderes als Maler werden. Ich war immer überzeugt von meiner Arbeit. Wenn man eine Sekunde darüber nachdenkt, ob man vom Malen leben kann, ist man schon falsch.
In Ihren aktuellen Arbeiten ist das Gegenständliche bestimmend. Was war der Auslöser, die Kunstrichtung der Gestaltmalerei einzuschlagen?
Das ist eigentlich aus einer Not heraus entstanden. Als ich von meinem Aufenthalt in Buenos Aires 2010 zurück nach Wien kam, bin ich in meinem Atelier gesessen und habe nicht gewusst, was ich malen soll. Vor mir auf dem Tisch lagen meine schwarzen Kopfhörer-Ohrstöpsel. Ich nahm einen Stift und zeichnete diese nach. So hat alles angefangen – ich wechselte von der Abstraktion zum Gegenständlichen. Das war der Beginn der Serie, die ich seit drei Jahren mache.
Was ist das Faszinierende daran, Alltagsgegenstände zu malen?
Es geht mir in erster Linie um Irritationen und um Sehgewohnheiten – ich will mit meinen Werken festgefahrene Sehgewohnheiten aus ihrer Ordnung bringen, das Publikum zum Hinschauen und zum Nachdenken verführen. Es geht mir auch um das genaue Hinsehen – dass sich beim Betrachter auf den zweiten Blick etwas auftut. Wichtig ist mir, dass ein Bild beim Publikum Emotionen auslöst.
Wodurch haben Sie sich weiterentwickelt?
Reisen, das Neue, Unbekannte, simpel gesagt die Welt da draußen. Ich wollte schon als junger Bursche, als ich das Malen für mich entdeckte, in die Welt hinaus. Bereits als Jugendlicher waren für mich der Bahnhof in Kötschach-Mauthen und der Campingplatz die Verbindung, das Tor nach draußen. Ich bin auch heute noch ein Getriebener. Mit jedem Ortswechsel habe ich mich auch gewissermaßen verändert. Besonders geprägt und inspiriert haben mich Venedig und Buenos Aires – in Venedig begann ich mit Ende 20 Kunst zu studieren. Das war ein wichtiger Schritt für mich, als Künstler größer und international zu denken.
Was blockiert einen Künstler?
Gefährlich ist es, wenn man anfängt, sich zu langweilen. Bei einem kreativen Beruf musst du aufpassen, dass es immer spannend ist. Man muss sich immer selbst herausfordern und neu erfinden. Man darf sich nie mit sich ganz zufrieden geben. Bei jedem Bild, das ich male, will ich eine Steigerung erreichen. Den Druck macht man sich auch selbst, aber das ist wichtig, sonst ist man nicht gut. Und es ist wichtig, dass man sich selbst einschätzen kann.
Welche Ausstellung war bisher für Sie die bedeutendste?
Als ich 2013 im Künstlerhaus in Wien bei dem Kunstprojekt Serendipity ausgestellt habe. Dort habe ich 80 Arbeiten in neun Meter hohen Hallen präsentieren dürfen – das war beeindruckend.
Was sind Ihre nächsten größeren Pläne?
Die Präsentation meiner Arbeit im Rahmen einer Mitbeteiligung der Ausstellung Contemporary Art-Fair Pulse in Miami, Anfang Dezember.
Was wäre für Sie als Künstler das schlimmste Szenario?
Eine Farballergie.

Zur Person:
Name: Richard Kaplenig

Geb.: 1963 in Kötschach-Mauthen
Familienstand: ledig, lebt in Lebensgemeinschaft

Kaplenig lebt und arbeitet in Wien und in Faak am See

1986-1989:
Ausbildung zum Holz- und Steinbildhauer
1993-1998: Studium an der Accademia di belle arti in Venedig bei Professor Patelli und Professor Di Raco

Kaplenig hatte schon zahlreiche Ausstellungen im In- und Ausland

Zur Sache
Nach Jahren der Abstraktion hat Richard Kaplenig den Gegenstand für sich entdeckt.

Alltagsgegenstände, die aus seinem persönlichen Umfeld stammen, wie Trichter, Lusterhaken, Inbusschlüssel, Glühbirnen oder Glasfläschchen, werden zum Hauptdarsteller, erhalten als extrem plastisch gestaltete Einzelobjekte in ganz traditioneller Öl-auf Leinwand-Technik die volle Aufmerksamkeit in der Zentralperspektive und durch die enorme Vergrößerung geradezu Kultstatus.

Dabei gewinnt der Raum seine Bestimmung in einer zusätzlichen Ebene: Durch übermalte Collagen aus Stadtplänen, Landkarten, Seiten aus Telefonbüchern, mit geometrischen Mustern, Symbolen und Buchstaben – oder auch als reine Malerei mit gewaltiger Tiefenwirkung.
Quelle: www.projekt-serendipity.at

AUSSTELLUNG
Von 4. September bis 5. Oktober 2014 stellt Richard Kaplenig seine Werke in der Galerie Lukas Feichtner in Wien aus. Die Ausstellung läuft unter dem Namen "fernbezug".

Die
Eröffnung findet am 4. September 2014, um 19 Uhr statt.
Nähere Infos unter www.feichtnergallery.com

Kaplenig malt hauptsächlich in Öl auf Leinwand. Die Materialität der Objekte – Glas, Metall, Wasser – spielt in seinen Werken ebenso eine Rolle wie die reduzierte Farbwahl, die sich in allen Grauschattierungen zwischen Weiß und Schwarz bewegt, wozu als Kontrapunkt ein Spannungselement in den Grundfarben kommen kann.

Näheres zur Biografie des Künstlers sowie den bisherigen Ausstellungen unter http://www.kaplenig.com
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