25.08.2016, 12:00 Uhr

Auf Schritt und Tritt sicher

Auf diese Bergretter ist Verlass: Karl-Peter Martin, Klaus Steiner, Reinhold Ressi, Doris Matha, Martin Berger (von links)

Wie beugt man beim Wandern Unfällen vor? Der Experte gibt Tipps.

GAILTAL. 55-jährige Frau stürzt beim Wandern auf dem Karnischen Höhenweg von der Steinkarspitze im Lesachtal vor den Augen ihres Mannes und ihrer Kinder rund 300 Meter ab und kommt ums Leben, war jüngst in den Medien zu lesen.

Heuer mehr Einsätze
Schreckliche Ereignisse wie diese tragen sich leider immer wieder zu. Unfälle in den Bergen sind keine Seltenheit, das wissen auch die Einsatzkräfte der Bergrettung Ortsstelle Hermagor.
„Pro Jahr rücken wir in dem uns zuständigen Gebiet zu rund 150 Einsätzen aus“, sagt Ortstellenleiter Reinhold Ressi. „Im Vergleich zum Vorjahr haben sich die Einsätze bisher verdoppelt bis verdreifacht“, weiß Ressi zu berichten.
Dabei wurden die Bergretter mit diversen Situationen konfrontiert: Brüche, Verstauchungen, andere leichtere Verletzungen, Forstunfälle oder verirrte Wanderer, die aus ihrer misslichen Lage befreit wurden, etwa.
Im Interview informiert der Chef der Hermagorer Bergrettung, darüber, wie jeder von uns für die eigene Sicherheit beim Wandern oder Bergsteigen beitragen kann.
WOCHE: Herr Ressi, welche Grundvoraussetzungen muss man als Wanderer bzw. Bergsteiger mitbringen?
REINHOLD RESSI: Körperlich sollte man fit sein. Mit dem Kreislauf darf man keine Probleme haben, und bei Wanderungen auf Gipfel sollte man unbedingt schwindelfrei sein.
Stichwort Tourenplanung: Was muss man beachten?
Die Länge und den Schwierigkeitsgrad der Tour. Generell gilt: Die Tour soll der körperlichen Kondition und Leistungsfähigkeit sowie den technischen Kenntnissen angepasst sein. Die entsprechende Ausrüstung ist unerlässlich. Wichtig: den Regenschutz nicht vergessen: In den Bergen kann das Wetter schnell umschlagen. Daran denkt man oft nicht. Und: Vor der Tour unbedingt ein Auge auf den Wetterbericht haben.
Wie verhält man sich, wenn man plötzlich von einem Gewitter überrascht wird?
Gewitter zählen zu den gefährlichsten Situationen auf einer Bergtour. Bei drohendem Wettersturz rechtzeitig umkehren, ist am sichersten. Wird man im Freien von einem Gewitter überrascht, sollte man exponierte Stellen (Gipfel, Grate) verlassen. Wasserführende Rinnen und Stahlseilsicherungen sofort verlassen – sie können Blitze anziehen. Einzelne, freistehende Bäume meiden. Ratsam ist: eine hockende, zusammengekauerte Haltung einnehmen.
Sucheinsätze sind bei der Bergrettung an der „Tagesordnung“. Was tut man, wenn man sich beim Wandern verlaufen hat?
Grundsätzlich git: auf dem Weg bleiben. Ist man von diesem aber bereits abgekommen, sollte man auf keinen Fall noch weitergehen. Stattdessen umdrehen, und die Strecke wieder zurückgehen, bis man zu dem Punkt kommt, an dem man sich verirrt hat. Es ist ratsam, dass man Angehörigen oder Freunden Angaben über das Ziel und die Route der Tour hinterlässt – vor allem wenn man alleine unterwegs ist.
Das Malheur ist passiert: Man selbst oder eine Begleitperson ist in einen Alpinnotfall verwickelt, bzw. verletzt. Was jetzt?
Sofort den Alpinnotruf 140 wählen. Inzwischen die erforderliche Erste Hilfe leisten. Jede Hilfe ist besser als gar keine.
Apropos Erste Hilfe: Ein Notfallpaket (Verbandszeug, Taschenlampe, Rettungsfolie und eventuell Biwaksack) schadet nicht. Es sollte immer mit dabei sein.
Der gröbste Fehler, den man bei einer Tour begehen kann?
Wenn man sich selbst überschätzt. Darum: Lieber eine Tour abbrechen, wenn man an den Punkt kommt und spürt, dass man die eigenen Kräfte und die Leistungsfähigkeit übersteigt.
Das Interview führte Iris Zirknitzer


So wird man Bergretter

34 Bergrettungsmitglieder gehören aktuell der Hermagorer Bergrettung an. Vier sind derzeit auf Probe. Folgende Kurse sind die technische Grundlage eines jeden Bergretters und zählen zur Basisausbildung. Jeder aktive Bergretter hat sie absolviert: Erste Hilfe, Winterkurs, Felskurs 1, Felskurs 2, Eisklettern (Wasserfall), Eiskurs am Gletscher.
Der Abschluss eines "großen" Erste-Hilfe-Kurses (mindestens 16 Stunden) ist eine Voraussetzung, um überhaupt in das weitere Ausbildungsprogramm einzusteigen. Die Ausbildung erstreckt sich über mehrere Jahre und endet jedoch nicht mit dem Abschluss obiger Basisausbildung: sowohl in den einzelnen Ortsstellen als auch über Fortbildungskurse der Landesleitung lernt ein Bergretter sprichwörtlich ein Leben lang. Nicht nur, dass Rettungstechniken ständig überprüft und natürlich verfeinert werden, weswegen sich die offizielle Lehrmeinung immer wieder ändert, auch ist es notwendig dafür zu sorgen, dass jeder einzelne Bergretter ständig bereit ist, die Rettungstechniken einzusetzen, auch viele Jahre nach dem Kurs.
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