07.11.2017, 01:24 Uhr

Der Mühlbach in Hermagor - kulturhistorisches Denkmal und Naturjuwel

Hermagor: Schützenpark |

Die Bestrebungen, das natürliche Element Wasser zu privatisieren, statt seine Verwendung als Menschenrecht für selbstverständlich zu erachten, sind wohl symptomatisch für unsere Zeit. Der pathologische Umgang mit den Ressourcen, die uns unser Planet bietet, droht zur Normalität zu werden. Auch Hermagor ist offenbar nicht gegen solche Tendenzen gefeit, und wie es aussieht, ist es dabei für ein Naturjuwel fünf vor zwölf. Aber nur wenige bemerken es.

Berechtigte Sorge um den Mühlbach

Seit Jahrhunderten dient der Mühlbach in Hermagor den EinwohnerInnen als wertvolles Biotop und Energiequelle. Er wird im Gösseringgraben vom Gösseringfluss abgeleitet und im Unteren Markt an verborgener Stelle wieder dem Fluss zugeführt.
In letzter Zeit sorgte die Beobachtung für Aufregung, dass immer weniger Wasser rann. Vom einst mächtigen Bach ist nur noch ein stilles Rinnsal übrig. Die Ursache war bald gefunden. Nach mehreren recht schonend gestalteten Kleinkraftwerksbauten macht sich nun erneut ein Betreiber daran, ein Kleinkraftwerk an der Gössering zu errichten. Doch diesmal ist es einer, der keine Rücksicht auf die Bevölkerung zu nehmen scheint und – zumindest sieht es nach den bisherigen Ermittlungen danach aus - großen Druck auf die Behörden ausübt. Beschwichtigenden Zusagen in den Medien zum Trotz wurde die Wasserzufuhr am Wehr beim Wasserfall hinter dem ehemaligen Viehplatz schon vor längerer Zeit kräftig gedrosselt. Eine Bürgerinitiative hat sich in letzter Zeit für den Mühlbach stark gemacht, doch ist seit einer Unterschriftenaktion im Frühjahr keine weitere offizielle schriftliche Äußerung der Bürgerinitiative erfolgt.

Weitblick und Lokalaugenschein gefragt

Es ist zu hoffen, dass es genügend Weitblick in der Stadtgemeinde gibt, jedenfalls bei den Verantwortungstragenden, damit dem Ort ein Stück Kulturerbe und gleichzeitig Naturjuwel erhalten bleibt, auf das andere Orte stolz wären.
Bei einer mächtigen Schiregion und vielen bekannten Naturschönheiten rings umher, in einer Region mit zahlreichen großen und kleinen Gewässern, wird einem Bach kaum Aufmerksamkeit zuteil, es sei denn im Zusammenhang mit Katastrophenschutz. Darum bleibt die derzeitige untragbare Sotuation leider weitgehend unbeachtet.
Zudem: Wer in Neudorf, Möderndorf oder sonstigen Teilen von Hermagor wohnt, hat vielleicht noch gar nie dieses Naherholungsgebiet im Gitschtaler Bereich Hermagors gesehen. Doch dürften auch die Gemeindeverantwortlichen nicht oder jedenfalls nicht bewusst am Mühlbach entlang spaziert sein, sonst würde ihnen wohl auffallen, wo etwas zu tun wäre. Mit wenig Aufwand und verhältnismäßg äußerst geringen Mitteln wäre viel möglich, doch es muss zunächst einmal wahrgenommen werden, wo Hand anzulegen wäre...


Engagement der Natursensiblen gefragt

Ist es nicht auch Sache von naturverbundenen Menschen, Biologielehrern, Poeten und anderen Kunstschaffenden in der Region, entsorechend das Bewusstsein der Bevölkerung  zu weckem und die Wertschätzung für Gewässer, Parks, naturbelassene Wege, Wälder, Fluslandschaften und generell für die Erhaltung von Biotopen und Naherholungsgebieten zu fördern? Vielleicht würde es ein wenig Zivilcourage erfordern... Man spricht zwar vom Wert der Natur, aber benutzt sie oft nur achtlos, als wäre es ein Stück toter Materie und nicht ein kleines lebendes Universum.
Wer mit offenen Augen durch den Schützenpark und durch den Graben geht und noch Erinnerung an das frühere Aussehen hat, kann feststellen, dass es deutlich weniger Bäume, Sträucher und Blumen gibt. Wenig aber geschieht zur Wiederbelebung. Eigentlich nichts.

Einen Bach als Kulturerbe und Naturschatz bewahren

Doch das Verstummen des Mühlbaches ist wohl das Traurigste von allem und daher ist hier der größte Handlungsbedarf zu sehen. Bloss: Wer tut etwas?
Nun fasste sich eine ehemalige Hermagorerin, die in einem östlichen Bundesland wohnt, ein Herz und regt bei der Stadtgemeinde Hermagor-Pressegger See an, den Mühlbach zum Naturdenkmal zu erklären.  Doch dies ist nur eine einmalige Handlung. Wäre es nun nicht angezeigt, dass die regionale Bevölkerung Anteil nimmt und sich für die Wiederbelebung, Erhaltung und Pflege des Mühlbachs einzusetzen?

Aus dem Schreiben an die Stadtgemeinde

„Sehr geehrte Damen und Herren, in obiger Angelegenheit wende ich mich als besorgte Bürgerin an die Stadtgemeinde. Schicksalsbedingt lebe ich schon seit vielen Jahren im Südburgenland, habe aber immer noch Anteil an den Geschicken meiner alten Heimat, was sich auch in künstlerischen und kulturellen Aktivitäten niederschlägt.
Seit meiner Kindheit bin ich sehr verbunden mit der Natur in und um Hermagor. Mein Heimathaus am Schützenpark befindet sich an den Bächen Mühlbach und Gössering.
Der Mühlbach diente nicht nur Jahrhunderte zahlreichen Gewerbetrieben und Privatleuten als Energiequelle und zur Bewässerung. Auch sein klares Wasser und sein kraftvoller Lauf wurden seit jeher bewundert und geschätzt.
Der Bach, im Gösseringgraben vom Gösseringfluss abgezweigt, mündet im Stadtzentrum wieder in die Gössering. Er gibt nicht nur dem letzten Abschnitt des malerischen Gösseringgrabens das Gepräge, sondern ziert das Ortsbild am Schützenpark, an der Stocksteinerwand und in Teilen des Unteren Marktes.
Mit seiner Lebhaftigkeit und seinem Murmeln und Rauschen trägt bzw. trug er seit Jahrhunderten zur Charakteristik des Städtchens bei und sorgt, gesäumt von Grün, für Erfrischung...
Naturkraft und -schönheit, um die andere Orte Hermagor beneiden könnten! Leider wurde in den letzten Jahrzehnten Stück für Stück der Unterlauf des Baches im Ortsgebiet zugebaut...
Wegen eines geplanten Kraftwerks im Areal am Wasserfall soll der Zufluss zum Mühlbach künftig gedrosselt bleiben, wobei nach zur Zeit nach meiner Information um die Zuflussmenge gekämpft wird. Laut Auskunft der Bürgerinitiative „Rettet den Mühlbach ihn Hermagor!“ wurde ein entsprechender Pakt vom (leider unzureichend informierten) Landeshauptmann abgesegnet, weil angeblich kein öffentliches Interesse bestünde. Dies ist – wie allein schon die Gründung einer Bürgerinitiative beweist! – völlig unzutreffend....
Zur Bewahrung eines unschätzbar wertvollen Kultur- und Naturjuwels für künftige Generationen rege ich daher an, den Mühlbach der Gössering in seinem gesamten Verlauf zum Naturschutzdenkmal zu erheben und alles Menschenmögliche zu seiner Erhaltung beizutragen.
Dies bedeutet, eine ausreichende Wassermenge wie seit Menschengedenken zu gewährleisten, das Untersagen weiterer Verbauung bzw. gefühlvolles Rückbauen, die pflegliche Erhaltung der alten Wasserwehranlagen,mehr Achtsamkeit, wo dies anscheinend in den letzten Jahren übersehen wurde - Ableitung am Wehr unterhalb von der Stocksteinerwand (auch optisch verbesserungswürdig!), undichtes Wasserwehr vor dem Viehplatz, nunmehr Spielplatz, im Gösseringgraben (erheblicher Wasserverlust zurück in die Gössering!), Reinhaltung des seit vielen Jahren verwilderten Wehrs am Wasserfall, Kontrolle bzw. Pflege des Bachbettes im gesamten Verlauf, Sorge für einen ausgewogenen Artenbestand... und was sonst noch zu tun ist.
Ich darf die Stadtgemeinde Hermagor-Pressegger See dringend ersuchen, tätig zu werden... Dieses Schreiben an die Gemeinde ergeht übrigens ohne bisheriges Wissen und Zutun der Bürgerinitiative aus eigenem Antrieb...."

Noch ist es nicht zu spät

Gut funktionierendes Gemeindeleben bedeutet, dass nicht Verwaltung und Bevölkerung getrennte Wege gehen, sondern zusammenwirken, bedeutet Kommunikation in beide Richtungen, bedeutet Augen auf, Initiative, Bürgerbeteiligung. Wer nun glaubt, Eigeninitiative  sei womöglich etwas Schlimmes für die Obrigkeit, der irrt. In den EU-Richtlinien für die Dorferneuerung ist ausdrücklich verankert, dass Engagement der Bevölkerung erwünscht ist. Denn nur so kann eine Region gedeihen. Nur so können wir gemeinsame diese Epoche der raschen Veränderungen meistern. Und außerdem, kein zeitgemäßer Bürgermeister wäre froh darüber, wenn er keine Resonanz seitens der Bevölerung empfängt beziehungsweise wenn sich so gar nichts auf der Basis tut. Die Wechselwirkung ist es, die Zusammenarbeit, wenn es auch unbequem sein kann.  Doch es lohnt. Für unsere Nachkommen. Es ist angezeigt, sich (nicht nur wenn es um Glyphosat geht)! ins Bewusstsein zu rufen: Wenn wir die Natur zerstören, zerstören wir uns selbst. Denn auch wir Menschen sind Teil der Natur und scheinen das nur immer wieder zu vergessen. 
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.