16.11.2017, 10:16 Uhr

Ein feines Gespür fürs "Grünzeug"

Der gelernte Koch Stefan Bachmann hat auf Gemüsebauer umgesattelt und ist damit sehr erfolgreich

Stefan Bachmann baut neben herkömmlichen Gemüsesorten auch Raritäten an.

KREUTH. In Kreuth ob Rattendorf auf 1.000 Meter Seehöhe liegt der Hof Kunz von Stefan Bachmann. 2014 hat der 31-Jährige mit dem Anbau von Gemüse begonnen. Mittlerweile gedeien auf einer Freilandfläche von ca. drei Hektar sowie im Folientunnel mit insgesamt 600 m² gut 400 verschiedene Gemüsesorten.
Der Landwirt hat sich auch auf den Anbau und die Kultivierung von Gemüsesorten spezialisiert, die vielfach schon in Vergessenheit geraten sind.


Experiment gewagt

Als Stefan seinen Job als Koch aufgab und auf Gemüsebauer umsattelte, war es für ihn eine fixe Idee, auf diese Nische aufzuspringen. "Mir fiel auf, dass es viele alte Gemüsesorten im Handel nicht gibt. Diese Lücke wollte ich schließen", sagt er. So findet man bei ihm Gemüsesorten mit extravaganten, außergewöhnlichen Namen wie Tatsoi, Rattenschwanzrettich, Malabarspinat, Red Mammut (rote Rübe), Teufelsohrsalat, Knollenziest, Bridge Light – Mangold, Extra Darf – Mini Pak Choi, Yakonwurzel oder Haferwurzel vor.


Aufwendige Arbeit

Im konventionellen Anbau legt man wenig Augenmerk auf alte Sorten. "Da diese ausschließlich per Hand kultiviert werden müssen und zudem eine längere Wachstumszeit haben, ist es für viele Landwirte wirtschaftlich nicht sehr rentabel. Heute muss bei den meisten alles maschinell gehen", sagt Stefan. Darüber hinaus benötigt jede Sorte beim Kultivieren eine andere Methode und ist damit sehr zeitaufwendig. Alte Sorten sind auch weniger ertragreich als Hybride, also Pflanzen, bei denen zwei Elternlinien über Generationen hinweg reinerbig gemacht wurden.
Dennoch hat sich Stefan auf das Experiment eingelassen. Und er lässt nichts unversucht, stets mit neuen Sorten zu experimentieren. Seit 2016 pflanzt er zum Beispiel Flower Sproud, eine Rosenkohlart, die ihren Ursprung in Großbritannien hat.

Gastronomie klopft an

Mittlerweile ist auch die Hauben-Gastronomie auf ihn aufmerksam geworden. Der Gemüsebauer beliefert Spitzenköche vom Oberen Gailtal über Weißensee bis zum Wörthersee. „Regional und heimisch kommt gut an, und das Außergewöhnliche ist in der gehobenen Gastronomie sehr gefragt", so Stefan. Ebenso lassen sich etliche Kindergärten und Schulen mit Stefans Gemüse beliefern. Auch Privatkunden können vom Hof Kunz Gemüse erwerben. Bachmann liefert jeden Freitag das wöchentliche Gemüsekisterl bis zur Haustüre im Raum Gailtal und Gitschal. Neu im Angebot ist ein Korb mit einer Auswahl an diversen Gemüsesorten, den man sich ordern kann. Der bietet sich auch als Geschenk an", so Stefan.
Für den Landwirt beginnt der Tag morgens um 5:30 Uhr und endet meist spät abends. Dass man die Arbeit alleine nicht schaffen kann, liegt auf der Hand. Freundin Susanne Enzi, Stefans Mama Lucia Bachmann, Vater Heinz Bachmann, Schwiegermama Ulrike Enzi und Schwiegerpapa Hubert Enzi helfen am Hof mit. Eine fachlich versierte Mitarbeiterin verstärkt das Team. Auch wenn die Arbeit hart und körperlich kräfteraubend ist: Stefan hat seinen Traumberuf gefunden: "Ich kann mir nichts Schöneres vorstellen, als im Einklang mit der Natur zu arbeiten", sagt er.
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