18.11.2016, 08:26 Uhr

Ein schauriges Hobby zum Beruf gemacht

Jede von Daniel Mörtls Krampusmaske ist individuell mit viel Aufwand und Liebe zum Detail gefertigt

Daniel Mörtl schnitzt Krampusmasken und hat sich damit selbstständig gemacht.
Von Iris Zirknitzer

DELLACH. Über eine Stiege führt ein Weg in den Keller von Daniel Mörtls Elternhaus. Der junge Mann öffnet die Türe zu seinem ganz persönlichen Refugium und „Heiligtum“: Auf den Wänden, am Tisch, auf den Regalen türmen sie sich zuhauf: Masken mit grauslichen, furchteinflößenden, verzerrten Fratzen, fransige, wirre Haare. Majestätische Hörner krönen so manches Haupt. Blutunterlaufene, fast durchsichtige, stechend blaue, froschgrüne oder purpurrote Augen glotzen den Betrachter an. „Eine Kammer des Schreckens“, kommt einem bei diesem Anblick unweigerlich in den Sinn und macht offensichtlich, warum sich der junge Gailtaler oft stundenlang in Untergeschoss „verdrückt“: Daniel Mörtl aus Dellach stellt Krampusmasken her.

Schon als Kind begeistert

Seit seiner Kindheit faszinieren ihn diese. Im zarten Alter von 12 Jahren wagte er den ersten Versuch und griff selbst zu Schnitzmesser und Säge. Mit ca. 14 und 15 Jahren entwickelte sich aus anfänglich bloßem Interesse ein festes Hobby. Daniel wurde im Umgang mit dem Werkzeug und in der Technik versierter. Bald wurde dem gelernten Tischler klar, dass er aus einem anderen Holz geschnitzt ist. Die Leidenschaft fürs Maskenschnitzen ließ ihn nicht mehr los. Mit 19 meldete Mörtl das Kleingewerbe für dieses Kunsthandwerk als Nebenerwerb an. Mit 22 hat er sich damit selbstständig gemacht. Seinen Job als Tischler hat er dafür aufgegeben. Heute hat sich der 23-Jährige als Krampusmaskenschnitzer mittlerweile in der Branche einen Namen gemacht. Nicht nur Interessenten aus dem ganzen Kärntnerland klopfen bei Daniel an. Der Obergailtaler beliefert Kunden aus ganz Österreich, Italien oder Deutschland. „Die meisten kommen mit einer genauen Vorstellung zu mir, oder sie bringen ein Foto mit“, erzählt der sympathische junge Mann, der gänzlich ohne Entwürfe auskommt.

Vom Holzblock zur Maske

Verwendet wird fast ausschließlich Zirbenholz. „Es ist einfacher zu bearbeiten und hat im Vergleich zu anderen Hölzern weniger Gewicht. Damit ist auch der Tragekomfort ein besserer“, erklärt Daniel. Kopfform, Nase und Kinnpartie werden grob vorgeschnitzt – hier kommt die Motorsäge zum Einsatz. Für Augen, Gesichtszüge oder Gesichtsfalten ist Feinarbeit angesagt. Dann kommt Farbe ins Spiel. Mit Acryl oder Ölfarben erhält das Gesicht noch den letzten Schliff. „Die Proportionen sind am schwierigsten hinzubekommen“, sagt Daniel. Für die Haare werden Ziegenfell oder Haare vom Pferdeschweif verarbeitet. Diese bezieht Mörtl aus den Gerbereien. Die Hörner, echt oder aus Kunststoff, vervollständigen bei vielen Masken den Grusellook. Immer stärker im Kommen sind weibliche Krampusmasken. „Die Gesichtszüge sind feiner, die Nase ist spitziger und schmaler, und der feminine Touch wird durch Augenbrauen und Wimpern vervollständigt“, erklärt Daniel den Unterschied zum männlichen Gegenpart. Rund 30 bis 40 Stunden Arbeitsaufwand stecken in einer Maske. Zu tun hat Mörtl das ganze Jahr. Die Hauptsaison ist von Ende September bis Dezember. "Während dieser Zeit kommen am häufigsten Anfragen rein", so Daniel.

Aktiv dabei

Was die Faszination seines Berufes ausmacht? „Es ist immer wieder beeindruckend, wie aus einem Holzblock nach und nach ein Gesicht und schließlich die endgültige Maske entsteht“, sagt er. Nicht immer trennt sich der Gailtaler von seinen kunsthandwerklichen Stücken leicht: „Manchmal tut es mir innerlich schon weh, wenn ich eine besonders schöne Maske hergeben muss. Aber es macht mich stolz, wenn ich bei einem Krampuslauf die eine oder andere Maske von mir entdecke“. Der 23-Jährige ist selbst ein passionierter Anhänger dieses Brauchtums. Er läuft bei der Krampusgruppe Dellach mit, deren Mitglieder er auch ausstattet. Heuer legen die Dellacher eine Pause ein. 2017 soll es dann wieder einen Krampuslauf geben.


Zur Person

Name: Daniel Mörtl
Geburtsdatum: 3. November 1993
Familienstand: ledig, Single

Wohnort: Dellach im Oberen Gailtal
Erlernter Beruf: Tischler

Mit 22 Jahren hat sich der Gailtaler mit dem Schnitzen von Krampusmasken selbstständig gemacht.

Hobbies: Daniel ist Mitglied bei der Trachtenkapelle Dellach im Gailtal und spielt das Schlagzeug
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