08.03.2017, 08:37 Uhr

"Frauen stellen sich oft zu sehr infrage"

Setzen sich für bessere gesellschaftliche Bedingungen für Frauen ein: Andrea Ronacher (rechts) und Evi Tillian von den "Sorores"

Zum Weltfrauentag am 8. März: Sorores-Präsidentin Andrea Ronacher und Evi Tillian im Interview.

HERMAGOR. Am 8. März ist Weltfrauentag. Etliche Organisationen und Einrichtungen setzen sich für die Interessen und Belange von Mädchen und Frauen ein. So auch der Soroptimist Club Hermagor. (Siehe Infobox „Zur Sache“) Das Arbeitsmotto der Österreichischen Union von 2016 bis 2018 lautet: female empowerment – also Frauen in all ihren Lebensqualitäten stärken und fördern. Die Präsidentin Andrea Ronacher und Unionsvizepräsidentin Evi Tillian dazu im Gespräch.
WOCHE: Wie definieren Sie Ihre Arbeit beim Frauen-Service Club?
ANDREA RONACHER: Wir verstehen uns als dynamische Organisation von Frauen für Frauen, die sich dafür einsetzt, dass sich die Lebensqualität für Frauen und Mädchen nachhaltig verbessert. Wir sehen unsere Aufgabe darin, dass wir auf gesellschaftliche Entwicklungen Einflüsse nehmen können.

Wie kann man sich das in der Praxis vorstellen?
EVI TILLIAN: Die Fälle und Situationen sind unterschiedlicher Natur. Wenn wir mit dem Fall einer Frau konfrontiert werden, schauen wir uns etwa an, welche Ressourcen sie mitbringt, und welche wir zur Verfügung stellen können. Im Mittelpunkt dabei steht dann die Frage: Wie können wir dieser Frau auf ihrem Weg behilflich sein?

Können Sie uns ein aktuelles Beispiel aus dem Gailtal nennen?
RONACHER: Ja. Laura Gentile, eine junge Frau aus Hermagor, ist im Rollstuhl. Damit ihr der Alltag erleichtert wird, hat man ihr einen Assistenzhund zur Seite gestellt. Die Ausbildung für diesen Hund haben wir gemeinsam mit dem Lionsclub übernommen. Wir vergeben unter anderem an Frauen und Mädchen auch Bildungsstipendien, wo wir die Notwendigkeit dazu sehen.

Mit welchen Institutionen oder Anlaufstellen arbeiten Sie dafür zusammen?
TILLIAN: Mit der Bezirkshauptmannschaft Hermagor etwa, Schulen oder sonstigen Bildungseinrichtungen usw. Das ist aber von Fall zu Fall individuell unterschiedlich. Es geht dabei hauptsächlich darum, dass wir Mädchen und Frauen Tipps und Ratschläge geben, sie begleiten und mögliche Anlaufstellen empfehlen. Dafür greifen wir eben auf unser großes Netzwerk zurück.

Wie finanziert sich der Club?

TILLIAN: In erster Linie durch die Mitgliedsbeiträge, durch Einnahmen aus Projektarbeiten, aber auch durch Spenden, etwa bei Charity-Veranstaltungen. Wir sind jedoch kein reiner Charity-Verein. Die nächste Veranstaltung wird übrigens der Vortrag "Kopfsache schlank" am 9. März in Hermagor sein.

Warum brauchen Ihrer Meinung nach gerade Mädchen und Frauen im Bereich Bildung und Fortbildung Stärkung?
RONACHER: Frauen fragen sich öfter als Männer: ‚Kann ich das überhaupt?‘ Sie stellen ihr Können, ihre Fähigkeiten und ihr Wissen oft infrage. Daher brauchen sie in diesem Punkt Stärkung. Es gibt selbstbewusste Mädchen und solche, die es nicht sind. Das hat auch nicht zuletzt mit der Stärkung und Bestärkung innerhalb der Familie zu tun. Gerade für junge Frauen ist Bildung und Ausbildung enorm wichtig.

Gibt es ein Anliegen, das Ihnen darüber hinaus am Herzen liegt?

TILLIAN: Ja! Eine gendergerechte Sprache – und damit meinen wir nicht nur das gedruckte Wort mit all seinen Formen der Sichtbarmachung von Geschlecht (Binnen-I etwa). Sprache schafft Wirklichkeit. Wer uns Frauen in der Sprache nicht nennt, der ignoriert uns.

Interview: Iris Zirknitzer


Zur Sache
Soroptimist International ist die weltweit größte Serviceclub-Organisation berufstätiger Frauen.
Der Club vertritt folgende Werte:
• Menschenrechte für alle
• Weltweiter Friede und internationale Verständigung
• Förderung des weiblichen Potenzials
• Integrität und demokratische Entscheidungsfindung
• Ehrenamtliche Arbeit, Vielfältigkeit und Freundschaft
Und verfolgt diese Ziele:
• Verbesserung der Lebenssituationen von Frauen und Mädchen
• Hohe ethische Werte
• Menschenrechte für alle
• Förderung von Gleichheit, Entwicklung und Frieden
Mehr dazu unter: http://www.soroptimist.at

Der Soroptimist Club Hermagor hat derzeit 40 Mitglieder. Präsidentin des Clubs ist Andrea Ronacher.

Zur Sache
Der Internationale Frauentag (International Women's Day) wird weltweit von Frauenorganisationen am 8. März begangen. Er entstand als Initiative sozialistischer Organisationen in der Zeit um den Ersten Weltkrieg im Kampf um die Gleichberechtigung, das Wahlrecht für Frauen und die Emanzipation von Arbeiterinnen. Die Vereinten Nationen erkoren ihn später als Tag der Vereinten Nationen für die Rechte der Frau und den Weltfrieden aus.

Der erste Frauentag wurde dann am 19. März 1911 in Dänemark, Deutschland, Österreich-Ungarn und der Schweiz gefeiert. (Quelle: Wikipedia)
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