06.07.2017, 23:30 Uhr

Hier wächst Seltenes

Stefan Bachmann kultiviert Gemüsesorten, die fast in Vergessenheit geraten sind.
Von Iris Zirknitzer

KREUTH. Rund 3,6 Kilometer schlängelt sich die kurvenreiche Straße von der Abzweigung Tankstelle Jenig nach Kreuth ob Rattendorf zum Haus Nummer drei hinauf. Hier oben auf 1.000 Meter Seehöhe liegt der Hof Kunz vom Gailtaler Gemüsebauer Stefan Bachmann.


Höhe bringt auch Vorteile

In dieser Höhenlage, die schon als Almgebiet eingestuft werden kann, ist die Luft rein und würzig. „Für das Gemüse ist das schon ziemlich grenzwertig“, sagt Stefan. In den Herbst- und Wintermonaten, wenn im Tal der Nebel hängt, scheint hier oben die Sonne. Das aber ist ein bedeutender Vorteil für das Gemüse, denn dieses liebt die Wärme und gedeiht bei Stefan durch das Mehr an Sonnenstunden auch in den kalten Monaten wunderbar – im Folientunnel geschützt natürlich.

2014 umgesattelt

Seit 2014 betreibt der heute 30-jährige Stefan den Anbau von Gemüse. In dem Familienbetrieb helfen neben Freundin Susanne Enzi auch Stefans Mama Lucia Bachmann, Vater Heinz Bachmann, Schwiegermama Ulrike Enzi und Schwiegerpapa Hubert Enzi mit. Mitarbeiterin Manuela Durnthaler verstärkt das Team. Rund 400 verschiedene Gemüsesorten wachsen und gedeihen am Feld im Freiland auf einer Fläche von rund drei Hektar, einige davon im Folientunnel auf insgesamt 600 m². Neben gängigen Gemüsesorten wie Tomaten, Paprika, Karotten, Kraut hat sich der Landwirt auch auf den Anbau und die Kultivierung von Gemüsesorten spezialisiert, die vielfach schon in Vergessenheit geraten sind.
Die Überlegung, althergebrachte Sorten wieder aufleben zu lassen, schlummerte in Stefan, als er noch als Koch tätig war. „Ich habe gemerkt, dass im Handel gewisse Sorten nicht erhältlich sind." Als Stefan beruflich dem Herd den Rücken kehrte und auf Gemüsebauer umsattelte, war es für ihn klar, auf diese Nische aufzuspringen. Heute findet man auf seinen Feldern Gemüsesorten mit extravaganten, außergewöhnlichen Namen wie Tatsoi, Rattenschwanzrettich, Malabarspinat, Red Mammut (rote Rübe), Teufelsohrsalat, Knollenziest, Bridge Light – Mangold, Extra Darf – Mini Pak Choi, Yakonwurzel oder Haferwurzel etwa.


Mehr Aufwand

Dass im konventionellen Anbau alte Sorten keine bzw. wenig Beachtung finden, hat zweierlei Ursachen: Einerseits die Erntemethode, andererseits der wirtschaftliche Aspekt, weiß Bachmann: „Die Ernte ist maschinell so gut wie unmöglich, denn die alten Sorten muss man per Hand kultivieren und sie wachsen langsamer. Jede Sorte verlangt zudem eine andere Methode. Das wiederum schlägt sich im Preis nieder.“ Auch ist der Ertrag bei alten Sorten geringer, als dies bei Hybriden der Fall ist. (Hybride sind Pflanzen, bei denen zwei Elternlinien über Generationen hinweg reinerbig gemacht wurden). Für die meisten Produzenten ist der Anbau alter Sorten daher unrentabel. Nichtsdestotrotz hat sich Stefan auf das Experiment eingelassen – selbst wenn das Hegen und Pflegen des althergebrachten Gemüses mehr Aufwand mit sich bringt. Auch neue Sorten probiert er immer wieder aus. Seit 2016 pflanzt er zum Beispiel Flower Sproud, eine Rosenkohlart, die ihren Ursprung in Großbritannien hat.


Gastonomie fliegt auf Stefans Gemüse

Vor allem die Hauben-Gastronomie hat längst erkannt, welcher Schatz bei Stefan verborgen liegt. Er beliefert Spitzenköche vom Oberen Gailtal über Weißensee bis zum Wörthersee. „Regional und heimisch kommt gut an, und das Außergewöhnliche ist in der gehobenen Gastronomie sehr gefragt", so Stefan. Auch die Privatkunden kommen auf ihren Genuss. Stefan liefert jeden Freitag das wöchentliche Gemüsekisterl bis zur Haustüre im Raum Gailtal und Gitschal.
Der junge Gemüsebauer, der Vater zweier Kinder ist – Tochter Olivia wird drei Jahre, Söhnchen David wird ein Jahr alt – ist ein Workaholic. „Die Arbeit hört nie auf“, schmunzelt er. Sein Tag beginnt um 5:30 Uhr früh und endet oft spät abends. Wenn man Stefan beobachtet, mit wie viel Liebe und Sorgfalt er bei der Arbeit ist, spürt man, dass er jeden Handgriff mit Leidenschaft macht.
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.