07.12.2017, 09:05 Uhr

Hilfe bei "Angst" vor Zahlen und Buchstaben

Hilft den Betroffenen: Gabriele Maria Grabmann, hier in ihrer Praxis "Buchstabenwerkstatt" in Bad Bleiberg

Legasthenietrainerin Gabriele Grabmann hat in Bad Bleiberg eine Praxis eröffnet.

BAD BLEIBERG. Wenn in der Schule das Lesen, Schreiben oder Rechnen einem Kind zur großen Last und Bürde wird, könnte etwas anderes dahinterstecken, als die oftmals irrtümlich vielgeglaubte „Faulheit“. Findet sich ein Kind im Dschungel von Buchstaben und Zahlen nicht zurecht und hat Probleme beim Lernen und im Unterricht, könnte es sich um Legasthenie oder Dyskalkulie handeln.

Weltweit 15 % betroffen

Rund 15 Prozent der Weltbevölkerung sind davon betroffen – auch Erwachsene. Bei Legasthenie und Dyskalkulie handelt es sich nicht um eine Krankheit, sondern um eine Schwäche im Bereich des Verarbeitens von Sprache und/oder Zahlen. Diese Schwäche ist angeboren oder wird vererbt. Ein legasthener/dyskalkuler Mensch bleibt sein Leben lang ein legasthener/dyskalkuler Mensch. Die Legasthenie/Dyskalkulie kann an nur durch gezielte Hilfe überwinden, ganz verschwinden wird sie aber nie.
Gabriele Maria Grabmann aus Bad Bleiberg ist diplomierte Legasthenietrainerin. Sie unterstützt und begleitet Kinder und Erwachsene damit sie trotz diesem Manko die Hürden des Alltags nehmen können und ihren Weg durchs Leben meistern. „Beide Schwächen sind ein gentechnischer Defekt. „Legasthenie/Dyskalkulie ist nicht heilbar – aber überwindbar“. Man kann nur lernen damit umzugehen. Dabei kann ich den Betroffenen zur Seite stehen“, sagt Grabmann.
Im Oktober hat die 48jährige ihre Praxis mit dem aussagekräftigen Namen „Buchstabenwerkstatt“ im Hochtal eröffnet. Derzeit macht Grabmann noch per Fernstudium die Ausbildung zur Dyskalkulietrainerin, die sie in Kürze abschließen wird.
Oft geht Legasthenie mit Dyskalkulie einher. Beides ist aber nicht zu verwechseln mit einer Lese- oder Rechenschwäche:. „Diese kann durch psychische Einflüsse von außen – Trennung / Scheidung der Eltern, Tod in der Familie, Veränderungen in der Schule oder im Freundeskreis usw. – plötzlich auftreten. Man bekommt die Sache aber relativ rasch wieder in den Griff, während man Legasthenie und Dyskalkulie ein Leben lang hat“, erklärt die Expertin. Grabmann selbst hat zwei Kinder die auf sonderpädagogische Förderung angewiesen sind. „Meine Tochter hat eine auditive Teilleistungsschwäche und mein Stiefsohn hat Legasthenie vererbt bekommen. Ich bin im Zuge meiner Ausbildung zur Legasthenietrainierin daraufgekommen“ sagt sie.

Symptome erkennen

Wenn man bemerkt, dass das Kind bei der Konfrontation mit Symbolen (Buchstaben u. Zahlen) unaufmerksam und unruhig wird, im Unterricht nach kurzer Zeit unaufmerksam wird (sich „ausklinkt“) und es trotz wiederholtem Üben immer wieder die gleichen Fehler macht, sollten bei den Eltern die Alarmglocken schrillen. Ein Testverfahren, welches ab dem Schulalter durchgeführt werden kann, bringt oft Klarheit, ob es sich tatsächlich um Legasthenie oder Dyskalkulie handelt. „Diese Schwäche hat nichts mit mangelnder Intelligenz zu tun. Oft sind gerade Kinder mit diesem Gendefekt hochintelligent“, weiß die Trainerin.
Die Symptome sind nicht bei jedem Kind gleich, auch der Schweregrad dieser Schwäche kann von Fall zu Fall variieren. Das Training ist auf jedes betroffene Kind individuell abgestimmt. Das Training erfolgt teilweise spielerisch und umfasst nicht nur das Ausfüllen von Arbeitsblättern, sondern auch das Arbeiten am Computer, mit Buchstaben „zum Angreifen“, mit Buchstaben-u. Zahlenstempeln, oder auch mit einem Buchstaben-Setzkasten. Ein wichtiger Teil des Trainings sind auch Übungen zur Entspannung, Körperwahrnehmung und Gleichgewicht.

Netzwerk wichtig

„Der Erfolg des Trainings hängt im Wesentlichen davon ab, wie sehr sich das Kind über seine Schwäche bewusst ist, bereit ist, diese anzunehmen und wie sehr es bereit ist bei den Übungen mitzumachen und wie sehr die Eltern das Kind dabei unterstützen.“
Grabmann arbeitet Hand in Hand mit Psychologen, Psychotherapeuten, Ergotherapeuten, der betroffenen Schule, die das Kind besucht und selbstverständlich den Eltern. „Ich sehe meinen Part als Teil in einem Netzwerk das wie ein Zahnrad in sich greift“, so Grabmann.
Bleibt die Schwäche unentdeckt und wird nicht behandelt hat das oft weitreichende Folgen für das ganze weitere Leben der Betroffenen.
„Im Erwachsenenalter tauchen die Probleme dann gravierend mit dem Eintreten ins Berufsleben auf, weil die Betroffenen mit den Anforderungen im Berufsalltag nicht zurechtkommen“, weiß die Expertin.
Je früher Legasthenie und Dyskalkulie erkannt und behandelt werden, umso mehr Lebensqualität kann man dem Kind geben. „Wenn in der Schule trotz intensivem Lernen nichts weiter geht, steigt die Frustration. Das Kind verliert seine Motivation. Häufig wird es dann auch noch von den Kameraden wegen der schlechten schulischen Leistungen gemobbt – psychische Probleme treten auf und die Spirale dreht sich weiter nach unten – ein Teufelskreis“, so Grabmann.

Grabmanns Appell an die Eltern: "Nehmen Sie sich Zeit für ein kostenloses Informationsgespräch, wenn Sie den Eindruck haben, dass ihr Kind Schwierigkeiten in den genannten Bereichen hat. Sie werden sehen, dass ihr Kind nach Abklärung der Situation ganz anders an die Themen „Schule und Lernen“ herangeht.
Grabmann arbeitet auch außerhalb von Bad Bleiberg mobil und kommt zu den Kindern nach Hause um das Training möglichst stressfrei für Kinder und Eltern zu ermöglichen.

Zur Sache
Einige Anzeichen für Legasthenie:
•Große Schwierigkeiten beim Lernen von Lesen und Schreiben
•Ständiges und fortlaufendes Vertauschen von Zahlen und Buchstaben
•Probleme beim Unterscheiden von rechts und links
•Schwierigkeiten beim Behalten des Alphabets und Multiplizieren von Tabellen und im Erinnern von Reihenfolgen (Tage, Monate, Wochen)
•Fortlaufende Fehler beim Lesen, Fehlen des Leseverständnisses
•Neigung falsch oder unzusammenhängend zu lesen
•Sonderbare Aussprache: Buchstaben werden oft ausgelassen oder in der falschen Reihenfolge ausgesprochen
•Probleme beim genauen Abschreiben von der Tafel oder aus dem Lehrbuch
•Probleme beim Nieder- und Aufschreiben von mündlichen Anweisungen
•Probleme beim Planen und Schreiben von Aufsätzen
•Desorganisation zu Hause und in der Schule
•Ernsthafte Probleme mit fremden Sprachen
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