19.10.2016, 07:59 Uhr

Lisa packt an und macht Tempo

Der Umgang mit den 4 Meter langen und bis zu 35 kg schweren Pfosten macht der jungen Lesachtalerin Lisa Unterluggauer keine Probleme

Die Lesachtalerin Lisa Unterluggauer behauptet sich überaus erfolgreich in einem typischen Männerberuf.

HERMAGOR (jost). „Die kennt sich echt aus und gibt Gas“ hört man unisono von Lisa’s männlichen Arbeitskollegen in der Leimholz-Produktion der Firma Hasslacher Holzbausysteme in Kühweg bei Hermagor, wo die 25-jährige Sägetechnikerin seit über einem Jahr an der Keilzinkenanlage im Dreischichtbetrieb arbeitet.

Fachkompetenz

Ihr Arbeitsplatz an der elektronisch gesteuerten Rohmaterial-Sortierstation erfordert einen schnellen, aber konzentrierten Blick sowie umfassende Holzkenntnisse. Die hauptsächlich verarbeitete Holzart ist sägerauhe, kammertrockene Fichte in vier Meter Länge, aber in verschiedenen Dimensionen. Und je nach Querschnitt können die einzelnen Pfosten (ca 1.000 Stück pro Schicht), die Lisa in sportlicher Fließbandgeschwindigkeit zu sortieren hat, schon bis zu 35 Kilogramm schwer sein. Je nach geforderter Leimbinderqualität sind die im Sekundenetakt heranrollenden rohen Pfosten bezüglich Wuchs, Astigkeit, Harzgallen usw. optisch an allen vier Seiten zu prüfen, das heißt auch manuell zu drehen, und gegebenenfalls mit einem Signierstift blitzartig dort zu markieren, wo die nachfolgende Kappsäge jene Teile herausschneidet, die der geforderten Qualität nicht entsprechen.
Lisa: „Zeit ist Geld, und die Maschinen sind hungrig, da muss man schon ordentlich anpacken und schauen, dass es keine Leerläufe gibt.“

Jugend

Lisa’s Elternhof steht im 1.100 Meter hoch gelegenen Niedergail, wo sie mit ihrem älteren Bruder und ihrer Zwillingsschwester aufgewachsen ist. Wie im Lesachtal üblich, waren daher bäuerliche Arbeiten am Hof, im Stall und im Wald für die Kinder nichts Fremdes.
Der vier Kilometer lange Fußweg in die Volksschule nach Liesing führte sie täglich zwei Mal vorerst etwa 200 Höhenmeter in den Graben hinunter zur Gail, und an der anderen Seite wieder gleich weit hinauf, was aber für sie niemals ein Problem darstellte. „Im Winter hat’s halt manchmal länger gedauert“, erinnert sich die naturverbundene Frohnatur.
Die anschliessende Hauptschule absolvierte Lisa in St.Lorenzen.

Beruflicher Werdegang

Durch ihren starken Bezug zum Landleben war der erste Schritt in’s Berufsleben die Landwirtschaftliche Lehranstalt in Lienz, die sie nach drei Jahren erfolgreich absolvierte.
Ihr Fachwissen zu Holz perfektionierte die zielstrebige Lesachtalerin durch ihre anschliessende ebenfalls dreijährige Sägetechniker-Lehre im Sägewerk Hasslacher in Hermagor. Durch die dortige Praxis und in der begleitenden Berufsschule wurde in Sachen Rundholz- und Schnittholzqualifizierung und Sortierung sattelfest.
Nach zwei Jahren Berufspraxis bei Hasslacher Wetzmann bewarb sie sich schlussendlich für die ausgeschriebene Stelle an der Keilzinkenanlage im Leimbinderwerk Hasslacher Holzbausysteme in Kühweg/Hermagor, wo sie dann ab ersten September 2015 begann.

Feedback

Angesprochen auf ihr Privatleben zeigt sich Lisa Unterluggauer überaus zufrieden: „Ich hab’s gut getroffen, die Arbeit in einem reinen Männerbetrieb gefällt mir optimal. Mit den Kollegen habe ich einen problemlosen Umgang, aber man muss sich im Job durch Kompetenz und Leistung schon täglich beweisen. Egal ob Frühschicht, Nachmittag- oder Nachtschicht, man gewöhnt sich an alles. Ich freue mich, dass es Arbeit gibt!“
Mit ihrem Partner Stefan wohnt sie inzwischen in Gundersheim, daher ist der Weg zur Arbeit kein Problem. Dass Lisa auch im Haushalt und beim Kochen kompetent ist, versteht isch von selbst.
Angesprochen auf Familie und Zukunft, antwortet sie ohne lange Überlegung: „Irgendwann möchte ich berufsbegleitend die Matura nachholen, dann sehen wir weiter...“
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