08.02.2018, 09:32 Uhr

Naturschnee bringt deutlich mehr Ski-Sicherheit

Die Rettungskette am Nassfeld ist sehr gut aufgestellt - doch Selbstüberschätzung und menschliches Versagen führen leider immerwieder zu Unfällen

Das Nassfeld ist mit reichlich Naturschnee in die Saison 2017/18 gestartet. Doch Schnee ist nicht gleich Schnee.

Das Thema Sicherheit und Unfälle beim Skisport ist so alt wie der Skisport selbst, doch trotzdem immerwieder aktuell und neu. Die WOCHE hat sich dazu am Nassfeld umgeschaut und mit einigen erfahrenen Experten gesprochen.

Mediziner-Erfahrung

Seit 2011 gibt es in Tröpolach die „Med-Alm“, betrieben vom Unfallchirurgen Martin Kavallar und seiner Gattin Helga Schabus-Kavallar (Spezialgebiet Orthopädie).
Die beiden Mediziner haben langjährige Nassfeld-Erfahrung: „Das Gesamtspektrum der Skiunfälle ist sehr von der aktuellen Schneelage abhängig. Während bei typischen Kunstschnee-Pisten vorwiegend Brüche und Prellungen vorkommen, verzeichnen wir bei ausreichend Naturschnee mit komfortablen Sturzräumen vermehrt Zerrungen und Bänderrisse. Aber auch die Tageszeit spielt eine Rolle. Nachmittags besteht durch Übermüdung eher größere Unfallgefahr. Erfreulich ist auch, dass die Binsenweisheit ‚Wer Köpfchen hat, schützt es‘ bereits voll gegriffen hat, und das Tragen von Schutzhelmen schon Standard ist.“

Unfall-Statistik

Aus den laufenden Aufzeichnungen des örtlichen Sicherheitsberaters Ignaz Assinger ist ersichtlich, dass es während der Saison 2016/17 im gesamten Nassfeld-Gebiet 530 Pisten-
Unfälle in 132 Betriebstagen bei durchschnittlich 5.000 Skifahrern pro Tag gegeben hat. Allerdings gibt es zu Hochsaison-Zeiten auch Tage mit 15.000 Besuchern oder mehr.
Ein Zahlenvergleich per Ende Jänner 2018 zeigt, dass sich die gesamte Unfallhäufigkeit in der laufenden Saison wenig Veränderungen zeigt.
Prokurist Stefan Flaschberger von den Bergbahnen Nassfeld-Pramollo spricht von 129 Unfällen bis Ende Jänner 2017, und heuer sind es bis zum Ferienbeginn knapp über 130.
Dass das gesamte Unfallgeschehen von mehreren Faktoren abhängt, erkennt auch Unfall-Koordinator Ossi Maier in der Ambulanz-Station Tröglplatz bei seiner täglichen Arbeit: „Die Frequenz ist sehr unterschiedlich, je nach Wetter, Schneezustand und Besucher. Aber es gibt – erfreulicherweise selten – auch Spitzen-Tage mit bis zu vier oder fünf Hubschrauber-Bergungen und bis zu zehn Verletzten.“
Für die Polizei, die täglich mit zwei Alpin-Beamten im Skigebiet im Einsatz ist, werden hauptsächlich Kollisionen, also Pistenunfälle mit mindestens zwei oder mehreren Beteiligten, zum Thema. Dazu Chefinspektor Peter Allmaier von der Polizeiinspektion Hermagor: „Auch in unserer Unfallstatistik zeigt sich ganz klar, dass es heuer einen Winter mit guter Naturschnee-Auflage gibt. Dadurch passieren weniger Kollisionen. Per Mitte Jänner 2017 hatten wir 21 Fälle aufzuarbeiten, heuer sind es im selben Vergleichszeitraum erst zehn.“

Vorkehrungen

Alle befragten Experten vertreten ganz klar die Meinung, dass viele Pistenunfälle vermeidbar wären. Skischul-Betreiber Thomas Themessl: „Das eigene Können der Skifahrer wird oft überschätzt. Viele Gäste kommen aus Wohngegenden, in denen es keinen Schnee gibt. Trotzdem ist es wichtig, vor dem Skiurlaub rechtzeitig an die eigene Kondition zu denken und entsprechend zu trainieren. Auch das richtige 'Lesen des Geländes' ist für die Sicherheit beim Skifahren wichtig. Wir empfehlen unbedingt, sich vor der ersten Abfahrt entsprechend aufzuwärmen und die Empfehlungen der Skilehrer zu berücksichtigen. Viele Gäste packen auch zu viele Aktivitäten in jeden Ferientag ein.“

Fotos: Hans Jost
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