30.03.2017, 09:31 Uhr

Nicht nur Bauern fliegen auf seine Rechen

Josef Naggler aus Jadersdorf stellt noch in feinster Handarbeit Rechen her.
Von Iris Zirknitzer

JADERSDORF. Durch die Modernisierung und Technisierung in der Landwirtschaft sind etliche Werkzeuge, die anno dazumal stets Verwendung fanden, fast von der Bildfläche verschwunden.
Nicht so der Heurechen. Dieses Utensil spielt in der Landwirtschaft, aber auch im privaten Gebrauch schon seit Jahrhunderten eine große Rolle. Bis heute hat der Heurechen seinen Stellenwert behaupten können.

Vaters Erbe übernommen

Einer, der dieses Werkzeug noch in gediegener Handarbeit herstellt, ist Josef Naggler. Das Erbe hat er von seinem Vater Johann übernommen, der nach dem Krieg begann, Rechen zu fertigen. „Schon als Junge habe ich mich in die Werkstatt geschlichen und meinem Vater dabei zugesehen. Bald ließ er mich den einen oder anderen Handgriff selber machen“, erinnert sich der Jadersdorfer.


Vor 20 Jahren begonnen

Altersbedingt legte Vater Johann etliche Jahre später das Handwerk nieder. „Wozu einen Rechen kaufen, wenn ich das selbst auch hinbekommen könnte?,“ fragte sich der Sohn und setzte die Tradition fort – und das seit mittlerweile 20 Jahren. Für den gelernten Tischler kein Problem: das Wissen im Umgang mit dem Werkstoff Holz, das Hantieren mit Hobel, Zwingen, Säge und Hobelbank kam ihm dabei entgegen. Schon bald entstanden unter seiner Hand die ersten eigenen Rechen. Naggler nahm später auch bei Ausstellungen des Gailtaler Vereins Talenteschmiede teil. Der Verein löste sich jedoch Jahre später auf.

Bei Landwirten gefragt

Rechen produziert Naggler, der mittlerweile mit 71 Jahren in Pension ist, noch heute – jedoch als reines Hobby. Abnehmer für seine Rechen hat er durchaus. Rund 40 Stück verkauft er pro Jahr – vorwiegend sind es Landwirte aus der Region, die bei Naggler anfragen.
Ein Heurechen mag optisch simpel aussehen. Jedoch sind für sein Entstehen viele Arbeitsschritte erforderlich. Das Rohmaterial bekommt Naggler von Waldbesitzern und Bauern aus dem Gail- und Gitschtal. „Wenn ich sehe, dass irgendwo gerade geschlägert wird, spreche ich den Waldbesitzer darauf an. Man muss früh genug um das Holz anfragen“, weiß der Jadersdorfer. Nicht jedes eignet sich für einen Heurechen. Für den Stiel wird Fichte oder Tanne verwendet. "Dafür kommt der Erdstamm infrage. Denn der ist meist frei von Astwerk. Zudem müssen die Fasern im Holz gerade verlaufen", erklärt er.
Ist der Stiel erst mal herausgeschnitten, kommt der Hobel zum Einsatz. Am Ende der Prozedur ist er rundum glatt. Das Joch wird aus Buchenholz, das ausgereift (also mehrjährig) ist, gefertigt und hat schlussendlich eine Länge von 60 bis 70 Zentimeter. „Beim Umgang mit dem Rechen wird der meiste Druck auf das Querstück, das Joch, ausgeübt. Als Hartholz ist Buche somit ideal für dieses“, erklärt Naggler.

Zahn um Zahn

In das Joch, das in einem sanft geschwungenen Bogen aus dem Holz herausgearbeitet wird, werden nun Löcher für die Zähne gebohrt. Johann verwendet für die Zähne Holz von der Berberitze oder vom Roten Hartriegel. Sie werden einige Wochen bis Monate gut getrocknet, bevor sie in den Rechen eingesetzt werden können. Beim Abstand der Zähne gibt es zwei unterschiedliche Größen: der engere Zahnabstand misst 18 bis 20, der größere 14 Zähne. Einmal eingesetzt, werden die „Beißerchen“ an beiden Seiten noch um ein paar Millimeter verschlankt, und erhalten so ihre konische Form.
Gut drei Stunden Arbeit stecken in einem Rechen. Ob ein Rechen industriell gefertigt ist oder von Hand, merkt man beim Gebrauch: "Zweiterer liegt einfach besser in der Hand und ist leichter zu führen", weiß Naggler.
So lange es ihm noch möglich ist, möchte Josef sein Hobby noch betreiben. „Ob mein Sohn, der auch Tischler ist, die Familientradition eines Tages weiterführen wird, wird sich zeigen“, lächelt der rüstige Gitschtaler geheimnisvoll.

Zur Person

Name: Josef Naggler

Alter: (71)

Wohnort: Jadersdorf im Gitschtal

Familie: verheiratet mit Sigrid, zwei Kinder: einen Sohn und eine Tochter

Beruf: Naggler hat das Tischlerhandwerk erlernt. Zuletzt war er beim Tischlereiunternehmen Karnische Massivmöbel tätig.

Hobbies: Naggler ist Mitglied beim Schützenverein Mittelgailtal und beim Jagdverein St. Lorenzen im Gitschtal.
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