24.02.2016, 13:07 Uhr

Noch viel Skepsis gegen Gailtalbahn-Schließung Ende 2016

Ab 12.Dezember 2016 mit der Bahn im Stundentakt nur mehr bis Hermagor - von dort in alle Richtungen zeit-synchron und mit kürzestmöglichen Umsteigezeiten in das obere Gailtal, in das Lesachtal, in das Gitschtal und über den Gailberg bis nach Oberdrauburg

In Kötschach-Mauthen hält sich die Begeisterung für das neue Mobilitätsmodell noch sehr in Grenzen.

KÖMAU (jost). Starkes Publikums-Interesse kürzlich im Rathaus Kötschach-Mauthen bei der dritten Informations-Veranstaltung zum neuen Öffentlichen Verkehrskonzept im Gailtal.

Und wie schon in Dellach und Kirchbach gab es auch in der Obergailtaler Metropole sowohl Befürworter als auch Gegner, doch das Stimmungsbarometer zeigt mehrheitlich starke Zweifel an dem von Landesrat Rolf Holub und seinem Team präsentierten Modell.

Haupt-Tenor der Zuhörer: „Am Papier und in der Theorie funktioniert alles sehr gut, aber die Praxis wird wahrscheinlich anders ausschauen...“.

Verwunderung

Bürgermeister Walter Hartlieb kritisierte im Zuge seiner Begrüßung vorrangig die nicht nachvollziehbare schlechte Kommunikations-Kultur in dieser Causa. „Vorigen Herbst haben wir noch 100 Jahre Gailtalbahn gefeiert, und ein halbes Jahr später werden wir von der Landesregierung und den ÖBB einfach vor vollendete Tatsachen gestellt. An der Ersatzlösung, an der man jetzt in Windeseile bastelt, haben wir als Marktgemeinde unsere berechtigten Zweilfel, allzumal ja bereits ab 12.Dezember der Schienenverkehr zwischen Hermagor und Kötschach-Mauthen eingestellt wird.“

Für den Bürgermeister sind vor allem die Tarifgestaltungen für die Benutzer sowie alle Kostenfragen noch lange nicht endgültig geklärt. „Wenn der Bus-Knotenpunkt Kötschach Volksschule umgesetzt werden soll, wäre es an der Zeit, diesbezüglich auch den Grundbesitzer endlich mal zu kontaktieren – und Grundbesitzer ist die Gemeinde.

Wir werden uns kooperativ zeigen, aber unverzüglich einen Forderungskatalog an das Land Kärnten ausarbeiten, der alle unsere Wünsche und Bedingungen beinhaltet.“

Es gibt kein Zurück

Für den grünen Kärntner Verkehrsreferenten sowie für die ÖBB (Christoph Posch) ist die Entscheidung zur Einstellung der Bahnlinie zwischen Hermagor und Kötschach-Mauthen mit Ende 2016 Fakt und bereits fixiert, aber für die Detail-Entwicklung der Alternative Bus im oberen Gailtal sind alle Bewohner eingeladen und gebeten, ihre Wünsche und Anregungen einzubringen.

Holub: „Da gibt es kein Zurück mehr. Die Verträge zwischen den ÖBB und dem Land Kärnten sind im Fertigwerden. Die S4 Villach-Hermagor wird bis 2020 mit einer Investitionssumme von annähernd 25 Mio.Euro zügig ausgebaut und elektrifiziert, sie soll künftig im Stundentakt verkehren.“

Kundenbefragung

Wie schon bei den vorangegangenen Info-Veranstaltungen wurde auch in Kötschach-Mauthen das Ergebnis einer Fahrgäste-Befragung auf der Strecke zwischen Hermagor und Kötschach-Mauthen von Moderatorin Ingrid Preissegger präsentiert.

Demnach beklagen sich 56% der Befragten über eine Zugangszeit bis zum Bahnhof von mehr als sechs Minuten, was sich bei der Alternative Bus klarerweise deutlich verkürzen würde. Etwa 73% sagen, dass sie mit dem Bus gleich oft oder sogar öfter fahren würden.

Im Ranking der wichtigsten Anforderungen an das Verkehrsmittel Bus liegen die Kundenwünsche „ausreichendes Sitzplatz-Angebot, moderne Fahrzeug-Ausstattung mit W-LAN sowie gute Anschlüsse mit geringen Wartezeiten“ ganz vorne.

Parameter

Bei der Erklärung des neuen Verkehrskonzeptes Oberes Gailtal wurde anschliessend durch Toni Matosic mittels Powerpoint-Folien detailliert dargestellt, wie es gelingen soll, die stündlich in Hermagor ankommenden und abfahrenden Passagiere mittels geeigneter Busse und unter Berücksichtigung kürzestmöglicher Umsteige-Zeiten von und nach allen Richtungen bestmöglich zu transportieren.

Priorität und Planungsziel waren dabei eine umfassende Verbesserung für Pendler und Schüler in der Region. Erreicht werden diese Ziele durch entsprechend effiziente Bahn/Bus-Knoten in Hermagor und in Oberdrauburg sowie durch Bus-Knoten in Kötschach-Mauthen und Weißbriach. Jedenfalls soll für alle Benützer des Öffentlchen Verkehrs das bisherige Angebot gleich bleiben oder sogar verbessert werden; gleiches gilt für den Kindergartenverkehr.

Technisches

ÖBB-Pressesprecher Christoph Posch informierte zu diversen technischen Vorhaben wie folgt:

Der Bus-Knoten Kötschach-Mauthen soll daher direkt vor der Volksschule eingerichtet werden, damit alle Schüler und Schülerinnen praktisch „vor der Haustüre“ ein- und aussteigen können.

Am Bahnhof Hermagor wird die bisherige Verladerampe entfernt, um dort Platz für Bus- und PKW-Parkplätze zu schaffen. Güterverladungen in Hermagor werden künftig auf der anderen Seite der Gleisanlagen stattfinden.

Auf der Strecke Villach-Hermagor sollen diverse bauliche Maßnahmen dazu beitragen, die Fahrzeit um etwa 10 – 12 Minuten zu reduzieren.
Z.B. durch Erhöhung der Querneigungen in den Kurven, Schliessung von Bahnübergängen, Vermeidung von Langsam-Fahrstrecken etc.
Eine Trassenänderung in der Schütt ist allerdings nicht möglich, weil das ein „Natura-2000-Gebiet“ ist.

Diskussion

Zahlreiche Fragen richtete das interessierte Publikum abschliessend an Landesrat Rolf Holub, Christoph Posch (ÖBB-Pressesprecher), Christian Heschtera (Verkehrsverbund Kärnten), Toni Matosic (Verkehrsplanung Humanimpact) und Christian Themeßl-Huber (Geschäftsführer Mobilbüro Hermagor).

Brennende Themen dabei waren die Vermeidung von Tarif-Verteuerungen, die Einhaltung der Fahrzeiten lt.Fahrplan, die Sicherheit der Schülerinnen und Schüler, Barrierefreiheit, die Lösung der Frage nach Fahrrad-Transporten sowie die praktikable und transparente Umsetzung der nunmehr aktuellen Kombi-Tickets, die für Bahn und Bus gleichermassen gelten müssen.

Darüberhinaus wurden immerwieder Zweifel an der Zukunfts-Verlässlichkeit geäussert, insbesondere in Zusammenhang mit der Frage, wie lange die Transport-Verträge mit den Bus-Unternehmern gelten sollen/müssen? Holub sieht etwa 8-10 Jahre als realistische Zeitspanne. „Niemand kann wissen, wie sich alles entwickelt.“

Auch die ebenso kluge wie vorausschauende Anregung des Kötschacher Strom-Pionieres Wilfried Klauss, die vorhandenen Geleise der Bahnstrecke zwischen Hermagor und Kötschach-Mauthen unbedingt betriebsbereit zu erhalten und regelmässig zu pflegen, wurde im Saal mit reichlich Beifall gutgeheissen.

Abschliessend zeigte sich Holub trotz aller noch bestehenden Ungewissheiten überaus optimistisch: „Ich appelliere an euch, das neue Angebot effektiv zu nutzen, nicht nur mit dem Auto vorbeizufahren und über Bahn/Bus zu schimpfen. Ab Jahresende gibt es die doppelte Menge an Verbindungen, und das in Top-Qualität. Wir schaffen das, aber Geld erfinden können wir nicht...!“

Ausserdem seien weitere Informationsveranstaltungen zum neuen Verkehrskonzept in Hermagor, Nötsch und Arnoldstein in Planung.
Holub: "Ich möchte möglichst viele Bürgerinnen und Bürger der Region in die Detail-Arbeit einbinden..."
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