10.08.2017, 09:22 Uhr

"Ohne Imker kann die Biene nicht überleben"

"Die bedeutsame Arbeit unserer Imker wird durch das Honigfest nach außen hin öffentlich gemacht", so Josef Marschnig

Die süßesten Tage im Jahr nahen. Im Interview: Josef Marschnig vom Bienenzuchtverein Hermagor.

RATTENDORF. Kommendes Wochenende, Samstag, 12., und Sonntag, 13. August, ist die Wulfeniastadt wieder in eine süße Duftwolke gehüllt. Hermagor ist für das 14. Österreichische Honigfest gerüstet. Die WOCHE spricht mit Josef Marschnig, Obmann vom Bienenzuchtverein Hermagor, über die Kontroverse Carnica-Biene versus Buckfast, was für Bienen bedrohlich ist, und warum das Honigfest für die Region so bedeutsam ist.

WOCHE: Laut Gesetz darf es in Kärnten nur noch die Carnica Biene geben. Mit einem Erkenntnis vom Landesverwaltungsgericht, welches im März 2017 publik wurde, will man der Zucht anderer Rassen, etwa der Buckfast, einen Riegel vorschieben. Vor allem Erwerbsimker geben eher Hybrid-Bienen wie der Buckfast den Vorrang. Es heißt, diese wäre ertragreicher und resistenter gegen Viren.
JOSEF MARSCHNIG:
Das sehe ich etwas anders. Unsere heimische Biene, die Carnica, ist sanftmütiger – also weniger stechfreudig als die Buckfast. Und der Ertrag, den eine Buckfast liefert, ist meines Erachtens nicht gravierend größer als von der Carnica.

Wird die Buckfast bei uns nicht zu unrecht als „böse Biene“ abgestempelt, da sie erstens eingeführt wurde, und zweitens als nicht als reinrassig gilt, weil sie eine Hybrid-Züchtung ist? Richtig betrachtet ist ja auch die Carnica bei uns in Österreich eingeführt worden, und laut einigen Experten auch nicht reinrassig.
Kärnten ist gemeinsam mit Nordslowenien seit jeher ein Carnica Land. Die Carnica stammt ursprünglich aus Südkärnten und Krain und hat von dort aus europaweit einen Siegeszug angetreten, weil sie sanftmütig, ertragreich und bestens an das alpine Klima angepasst ist. Daher meine klare Anrwort: Kärnten ist Urheimat und die Biene stammt von hier, daher ist der Schutz sehr wichtig.

Das von der Politik angestrebte Ziel der Reinheit der Arten ist in der Realität aber nicht zu 100 Prozent umsetzbar. Denn Bienen fliegen über Grenzen, und es kann immer wieder zu einer „Vermischung" der Rassen kommen. Das bedeutet für die Imker also eine ständige Umweiselung?
 Ja, deshalb heißt der Imker ja Bienenzüchter und nicht Bienenvermehrer. Gezüchtet wird ständig, nur wir züchten innerhalb der Rasse – das ist mein Verständnis von naturnaher Imkerei. Hybridarten haben in meinem Verständnis von Naturkreisläufen keinen Platz. Und der Großteil meiner Kolleginnen und Kollegen ist da gleicher Ansicht.

In vielen anderen Bundesländern (Kärnten, Steiermark und Niederösterreich ausgenommen) hat der Gesetzgeber kein Problem mit der Buckfast-Biene. Warum soll das ausgerechnet in Kärnten nicht funktionieren, auch die Buckfast züchten zu dürfen?
Wie schon erwähnt: weil Kärnten die Urheimat ist und Slowenien lebt uns Carnica-Schutz vor. Die Slowenen haben den Carnica-Schutz sogar im EU Beitrittsvertrag festgeschrieben.

Was spricht eigentlich dagegen, beide Rassen zu züchten? Einige Imker machen das ja bereits.
Das Gesetz!

Bis zum 31. März 2018 müssen also rund 30.000 Königinnen umgeweiselt, also umgetauscht werden, um die Reinzucht der Carnica zu garantieren. Das ist aber auch eine Kostenfrage: denn immerhin kostet eine Reinzuchtkönigin zwischen 40 und 70 Euro.
Da die betroffenen Imker, wir reden von nur 15 der insgesamt fast 4.000 Imkerinnen und Imker, zehn Jahre Zeit gehabt haben, den gesetzesmäßigen Zustand herzustellen, hält sich mein Mitleid in Grenzen.

Kommen wir zu einem anderen Thema: Was ist für die Bienen noch immer die größte Bedrohung?
Pestizide, also Schädlingsbekämpfungsmittel, die leider in der Landwirtschaft noch immer eingesetzt werden. Man muss sich vor Augen halten, dass die gefährlichen Giftstoffe fünf bis sechs Jahre im Boden bleiben, bis sie abgebaut sind. Und die Bienen nehmen diese Giftstoffe dann wieder mit der Nahrung auf. Ein Teufelskreis.

Thema Honigfest. Die Diskrepanzen rund um das Hermagorer Honigfest zu Jahresbeginn haben sich ja zum Glück gelegt. Hat der Vorfall auch Positives bewirkt?
Auf jeden Fall. Die Bedeutung des Festes für unsere Region, aber auch die Arbeit unserer Vereine und jener Menschen, die das Fest organisieren, hat durch den Wirbel einen höheren Stellenwert bekommen. Insofern hatte der Vorfall auch etwas Gutes an sich.
Wie schaut es mit dem Nachwuchs an Imkern aus?
Als ich den Bienenzuchtverein Hermagor vor 17 Jahren übernommen habe, hatten wir 24 Mitglieder. Jetzt sind wir fast 80. Darauf bin ich stolz und ich hoffe, dass der Trend anhält. Denn ohne Imker ist die Biene nicht überlebensfähig.
Das Interview führte Iris Zirknitzer

Zur Sache:

•Apis mellifera carnica: So heißt die "reinrassige" Kärntner Carnica-Biene
•Laut dem Kärntner Bienenwirtschaftsgesetz von 2007 darf es in diesem Bundesland keine andere Bienenrasse geben.

•Aufgrund von Übergangsfristen sowie Einsprüchen bei Gericht züchteten viele Erwerbsimker in Kärnten aber weiterhin andere Rassen. Den Imkern wurde eine fünfjährige Übergangsfrist zugestanden. Doch diese versuchten diese das Gesetz zu kippen, indem sie die Verordnung der Landesregierung beeinspruchten. Damit sind sie allerdings beim Landesverwaltungsgericht abgeblitzt.

•Nun hat das Landesverwaltungsgericht mit einem Erkenntnis einen Riegel vorgeschoben. Bis 31. März 2018 müssen rund 30.000 Königinnen ausgetauscht werden.
•Apis mellifera carnica: So heißt die "reinrassige" Kärntner Carnica-Biene
•Laut dem Kärntner Bienenwirtschaftsgesetz von 2007 darf es in diesem Bundesland keine andere Bienenrasse geben.

•Aufgrund von Übergangsfristen sowie Einsprüchen bei Gericht züchteten viele Erwerbsimker in Kärnten aber weiterhin andere Rassen. Den Imkern wurde eine fünfjährige Übergangsfrist zugestanden. Doch diese versuchten diese das Gesetz zu kippen, indem sie die Verordnung der Landesregierung beeinspruchten. Damit sind sie allerdings beim Landesverwaltungsgericht abgeblitzt.

•Nun hat das Landesverwaltungsgericht mit einem Erkenntnis einen Riegel vorgeschoben. Bis 31. März 2018 müssen rund 30.000 Königinnen ausgetauscht werden.


Honigfest in Hermagor

14. Österreichisches Honigfest: Samstag, 12., und Sonntag, 13. August 2017
Das Programm:
•Samstag, 12. August: 10 Uhr: Auftakt mit der Stadtkapelle Hermagor; 10.30 Uhr: Honiganstich und Festreden der Ehrengäste
•Sonntag, 13. August: 10 Uhr: Festauftakt mit der Trachtenkapelle Egg

Ganztags zu sehen
Live-Honigschleudern mit Verkostung, Kärntens prämierte Honige, Raffinierte Honiggerichte, Spezialitäten aus dem Genussland Kärnten, „Sumsi" Kinderspielepark, Bienengewicht-Schätzen, Drohnen-Streichelzoo, Schaubienenstöcke und Bienenkörbe, Bienenluft schnuppern, Honigtombola mit tollen Preisen, Informationsstände rund ums Thema Bienenprodukte und Honigbienen, Ausstellung historischer Imkereigeräte, Schaubienenhaus.
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