01.10.2014, 10:30 Uhr

Tag der "Veggies": Es geht auch ohne Fleisch

Ist auch in der Gailtal-Klinik als Diätologin tätig: Irmgard Hörmann (Foto: privat/Hörman)

Am 1. Oktober ist Vegetariertag. Expertin Irmgard Hörmann dazu im Gespräch.
Von Iris Zirknitzer

GAILTAL. Diätologin Irmgard Hörmann spricht im Interview über die Vorteile, die eine vegetarische bzw. vegane Ernährung mit sich bringt, was man beachten und bedenken sollte.
WOCHE: Frau Hörmann, was sind die positiven Aspekte einer vegetarischen Ernährung?
HÖRMANN: Menschen, die sich vegetarisch ernähren, sind meist normalgewichtig, leiden seltener an ernährungsabhängigen Erkrankungen wie Typ2 Diabetes, Bluthochdruck, Gicht oder hohen Blutfettwerten. Nicht nur die eigene Gesundheit, auch Klima und Umwelt profitieren davon.
Worauf müssen Vegetarier bei ihrer Ernährung achten?
Bei einer rein veganen Ernährungsform kann es zu einer Unterversorgung von Eiweiß, Eisen, Calcium und Vitamin B12 kommen. Man benötigt ein gutes Ernährungswissen und eine entsprechende Lebensmittelauswahl um einem Mangel vorzubeugen.
Wie gleicht man Mängel, die durch diese Kost entstehen, aus?
Gute pflanzliche Eiweißquellen sind vor allem Sojaprodukte und Hülsenfrüchte sowie verschiedene Getreidesorten. Bei veganer Kost kann der Calciumbedarf durch angereicherte Sojaprodukte oder calciumreiche Mineralwässer gedeckt werden. Die Eisenaufnahme aus Vollkorngetreide, Nüssen und Samen sowie aus Gemüse (Spinat, Fenchel, Kohl oder Mangold) kann durch die Kombination mit Vitamin C verbessert werden.
Ist es möglich, sich dauerhaft vegetarisch zu ernähren?
Mit der ovo-lacto-vegetarischen Kost als gesunder Erwachsener durchaus, eine streng vegane Kostform erfordert ein fundiertes Wissen und eine sorgfältige Speisenauswahl.
Steigt man auf vegetarische Kost um, was muss man bedenken?
Eine Umstellung auf eine vegetarische Kostform kann durch die damit erhöhte Ballaststoffzufuhr aus Vollkorngetreide, Hülsenfrüchten, Gemüse und Obst zu Verdauungsproblemen (Blähungen, Völlegefühl) führen.
Wie lange braucht der Körper für die Umstellung?
Jeder Organismus reagiert individuell. Man kann mit gedämpftem Gemüse und gekochtem Getreide beginnen, nur einen Teil der Nahrung als Rohkost verzehren und die Verträglichkeit testen.
Für wen ist vegetarische Ernährung weniger gut bzw. nicht geeignet?
Für sogenannte Risikogruppen wie Säuglinge, Kinder, Schwangere und Stillende sowie Rekonvaleszente ist eine rein vegane Kost nicht empfehlenswert.
Ab welchem Alter ist für Kinder eine rein vegetarische Kost geeignet?
Eine streng vegane Kost für Kleinkinder wird nicht empfohlen. Man kann Kinder durchaus „fleischlos“ im Sinne einer gemäßigten ovo- lacto-vegetabilen Kost ernähren, sollte jedoch die Eisenversorgung im Auge behalten.
Was sind die häufigsten Beweggründe der Menschen, auf vegetarische Kost umzusteigen?
Bei den religiös-weltanschaulichen Motiven wird das Töten von Tieren abgelehnt, bei den tierethischen spielen Tierhaltung, Fütterung und Tiertransporte eine Rolle, bei den ökologischen ist der hohe Energieaufwand und das Treibhauspotenzial bei der Produktion von tierischen Lebensmitteln ein Grund.

Zur Person

Name: Irmgard Hörmann

Geb. 1961

Wohnort: Kötschach-Mauthen

Familienstand: Hörmann ist verheiratet und hat zwei Töchter im Alter von 25 und 23 Jahre.

Beruf: Hörmann ist seit 1981 Diätologin.
Die Gailtalerin ist freiberuftlich tätig, unter anderem im Klinikum Klagenfurt.

Seit 2006 ist Hörmann in der KABEG Gailtal-Klinik Hermagor als Diätologin tätig.

Zur Sache
Der Weltvegetariertag ist ein internationaler Aktionstag, der seit 1977 immer am 1. Oktober stattfindet. Er wurde anlässlich des Welt-Vegetarier-Kongresses 1977 in Schottland von der "North American Vegetarian Society" eingeführt, um Vorzüge der vegetarischen Lebensweise bekannter zu machen.

Alle Vegetarier verzichten auf Fleisch und Fisch und daraus hergestellte Produkte.

Man unterscheidet Veganer, die sich ausschließlich pflanzlich ernähren und Lacto- Vegatarier, die auch Milch und Milchprodukte, Käse und evtl. auch Eier (ovo-lacto-vegetarisch) essen.

Als „Pudding-Vegetarier“ bezeichnet man Personen, die zwar kein Fleisch essen, sich aber mehr von Weißmehlprodukten, Süßspeisen und Fertiggerichten ernähren.
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