02.11.2017, 09:59 Uhr

,Tscherfel‘ mit Stil und Tradition

Gehört zu den wenigen, die das Handwerk des Schusters noch ausüben: der Bleiberger Sepp Götz hier mit dem Gailtaler Stiefel

Sepp Götz stellt maßgeschneiderte Schuhe nach alter Handwerkskunst her.
Von Iris Zirknitzer

BAD BLEIBERG. Ursprünglich wäre er gerne Landwirt geworden, „aber als Schuster bin ich auch glücklich“, schmunzelt Sepp Götz. Der 59-Jährige aus Bad Bleiberg fertigt Maßschuhe nach alter Handwerkstradition an. Dass es dieser Beruf wurde, ist Vater Valentin zu verdanken.
Schon als Knabe hat Sepp unter den Fittichen des Herrn Papa in dessen Werkstatt rumgewerkelt. Mit 15, nach dem Hauptschulabschluss, hat er das Schusterhandwerk bei einem Orthopäden in Villach gelernt. Nach der Meisterprüfung in Fürstenfeld hat er 1983 die Werkstatt des Vaters in Bleiberg übernommen. In dieser sieht es fast noch so aus wie damals. Die Pfaff-Nähmaschine, die mehr als 110 Jahre am Buckel hat, rattert heute noch übers Leder.


Lange Lebensdauer

Gut zwei Tage sitzt Götz an einem Paar, dafür hält der Kunde ein Einzelstück in der Hand. Mit rund 280 bis 350 Euro sind die maßgefertigten Schuhe teurer, „aber die halten dann auch Jahrzehnte“, sagt Sepp, „und man weiß, woher das Produkt stammt.“ Auch beim Leder schaut der Schuhmacher, der sich seit Langem für den Umweltschutz engagiert, woher es stammt: „Heimisches, und nicht eines von irgendwoher, aus Ländern, wo Kinder die Arbeit verrichten“. Verarbeitet werden in erster Linie Rinds-, Kalbs- und Ziegenleder. Von Schweinsleder sieht er ab, „das ist großporig und hat eine weniger gute Qualität“, sagt er.


Eigenkreationen

Aus seiner Hand stammen der Gailtaler Stiefel – das typische Beinkleid der Gailtaler Männertracht, und der Naturpark-Dobratsch-Tscherfel. Dieser hat seinen Ursprung aus einem alten Muster des Vaters aus jener Zeit, als er noch für die BBU-Holzknechte passendes Schuhwerk hergestellt hat.
Sepps Knappenschuh in den traditionellen Bergmannsfarben Schwarz und Grün ist eine Hommage an die Bergbautradition im Hochtal. Sie ist nach der Blütezeit 1976/1977 abgeflaut. Götz selbst war zehn Jahre im Bergbau beschäftigt.
Auch die Kreation des Villacher Schuhs ist ein Dank an die Stadt Villach, die vielen ehemaligen Bergleuten Arbeit in der Drau-Stadt ermöglicht hat. Dem ehemaligen Bürgermeister Helmut Manzenreiter hat er seinerzeit ein Paar „Villacher Schuhe" übergeben. „Vielleicht trägt er sie ja manchmal noch“, lacht Götz.
Da man heutzutage vom Schusterhandwerk alleine nicht leben kann, geht Götz beim Stadtgartenamt Villach seinem Brotberuf nach. Dort arbeitet er mit Beeinträchtigten, Jugendlichen und Sträflingen und verschönert die Parks. Seinen Handwerksberuf sieht er als Ausgleich zum Job. „Was für den anderen Yoga ist, ist für mich meine Werkstatt“, sagt er. Auch Promis finden den Weg zu ihm. An einem Sonntagvormittag stand plötzlich André Heller in seiner Werkstatt, sagte 'Grüß Ihnen, Sie sind ja ein Künstler' und ließ sich sofort ein paar Schuhe anfertigen. Dem Bleiberger geht es im Leben nicht ums Materielle, sondern um Nachhaltigkeit.
Zugegeben: Ein bisschen stolz ist Sepp schon, wenn er bei einem Kirchtag jemanden sieht, der in seinen Gailtaler Stiefeln dahinschreitet.
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