08.10.2014, 06:30 Uhr

Bis 2050 soll der Bezirk Hermagor 13 Prozent an Bevölkerung verlieren

Besonders junge Gailtalerinnen und Gailtaler kehren ihrer Heimat oft den Rücken zu und wandern aus der Region ab (Foto: bilderbox.com)

Abwanderung aus dem Tal: wie schaut es dabei in den Gailtaler Gemeinden aus?
Von Iris Zirknitzer

GAILTAL. Laut aktueller Bevölkerungsprognose der Statistik Austria, ist Kärnten innerhalb Österreichs das einzige Bundesland, das an Einwohnern verliert. „Bis zum Jahre 2050 soll die Einwohnerzahl Kärntens um rund 30.000 zurückgehen“, so Peter Ibounig, Leiter der Landesstelle für Statistik vom Amt der Kärntner Landesregierung.
Wie es um die aktuelle Situation im Gailtal bestellt ist, welche Chancen und Möglichkeiten die Region dennoch bietet, und welche Strategien es gegen die Abwanderung geben kann und könnte, beleuchtet die WOCHE in den kommenden Ausgaben.

Kein rosiger Trend
Die Abwanderung macht demnach auch vor unserer Region nicht Halt. „Das Gailtal hat in dieser Hinsicht leider keine gute Entwicklung mitgemacht. Auf Grund der wirtschaftlichen Randlage verliert das Tal laufend an Bevölkerung“, bestätigt Ibounig.

Rückgang bis 8 Prozent
Wie die letzte Volkszählung 2001 gemäß Statistik Austria zeigt, hat das Gailtal im Zeitraum der Jahre von 2001 bis 2011 in nahezu fast allen Bezirken Einwohner verloren. Die Wanderungsbilanz verdeutlicht die Situation (siehe auch Info-Box). Von der Abwanderung am stärksten betroffen sind die Gemeinden St. Stefan an der Gail mit einem Rückgang von 8 Prozent, Bad Bleiberg mit 7,4 Prozent, gefolgt von der Gemeinde Lesachtal mit 7 Prozent und der Gemeinde Dellach im oberen Gailtal mit 6,9 Prozent. Keine Abwanderung verzeichnet lediglich die Gemeinde Feistritz/Gail.
Die geringste Abwanderung gibt es in der Gemeinde Hermagor-Pressegger See mit 0,5 Prozent, gefolgt ex aequo von der Marktgemeinde Kötschach-Mauthen und der Marktgemeinde Nötsch im Gailtal mit jeweils 0,6 Prozent. Im Mittelfeld liegen die Stadt Hermagor mit einem Minus von 2,8 Prozent, Hohenthurn mit 3,9 Prozent und schließlich Kirchbach mit Minus 4,2 Prozent.

Info fehlt oft
Peter Fercher, Leiter der Regionalentwicklung und Landesplanung vom Land Kärnten, führt als Hauptgrund zu wenig Arbeitsplätze – vor allem für höher qualifizierte Jugendliche – an und bringt es auf den Punkt: „Je qualifizierter Jugendliche sind, desto eher sind sie geneigt, abzuwandern." „Auch Lehrlinge und Facharbeiter suchen in der Region Arbeitsplätze. Finden sie diese nicht vor, wandern sie erfahrungsgemäß in größere Städte ab.“
Fercher weiter: "Vielfach wissen junge Menschen auch zu wenig bzw. informieren sich nicht genug, welche Möglichkeiten es im Tal gibt. Hier könnte mehr Bewusstseins-Arbeit stattfinden, was es in der Region gibt.
Franz Janschitz, Regionalstellenleiter des AMS Hermagor, ortet den Grund für die Abwanderung – vor allem der jungen Leute – nicht nur in der etwas eingeschränkten Palette an Arbeitsangeboten im Bezirk. „Viel gravierender ist das naturgemäß bessere Angebot an Freizeit-, Unterhaltungs-, Kultur- und Shoppingmöglichkeiten für diese Altersgruppe in urbanen Bereichen“, betont Janschitz.
Ein triftiger Grund, warum die Gailtaler erwägen hier zu bleiben oder wieder ins Tal zu ziehen, ist eine Veränderung der familiären Lebenssituation. „Die Erfahrung zeigt uns, dass in Zeiten der Familienplanung das Interesse an den Vorteilen, die das "Landleben" bietet, mehr und mehr zunimmt", weiß Janschitz.
„Meine Lieblingsvision ist, dass Konzerne ihr Management statt in teuren Stadtbüros in internetangebundenen Familienhäusern im Grünen ansiedeln. Das würde die Leistungsbereitschaft und Kreativität durch die Möglichkeit der Einbindung des Familienlebens sicherlich steigern“, ist sich Janschitz sicher.


ZUR SACHE
Die Wanderungsbilanz (Zuwanderungen minus Abwanderungen) der Bevölkerung im Gailtal in den Gemeinden von 2001 bis 2011 (Volkszählung von 2001)

Stadt Hermagor: -2,8 % (in absoluten Zahlen: - 548)
Dellach i. Gailtal: -6,9 % (in absoluten Zahlen: - 94)
Gitschtal: - 1,7 % (in absoluten Zahlen: - 22)
Gemeinde Hermagor-Pressegger See: - 0,5 % (in absoluten Zahlen: - 38)
Kirchbach: - 4,2 % (in absoluten Zahlen: - 122)
Kötschach-Mauthen: - 0,8 % (in absoluten Zahlen - 20)
Lesachtal: - 7,0 % (in absoluten Zahlen - 109)
St. Stefan im Gailtal: -8,0 % (in absoluten Zahlen - 143)
Bad Bleiberg: - 7,4 % (in absoluten Zahlen - 204)
Hohenthurn: - 3,9 % (in absoluten Zahlen - 33)
Nötsch i. Gailtal: - 0,6 (in absoluten Zahlen - 13)

Feistritz an der Gail: 0 %
Arnoldstein: + 3,2 % (in absoluten Zahlen + 218)

Drei Fragen an...
Peter Ibounig, Leiter der Landestelle Statistik, Kärnten:

Wie sieht die Prognose für den Bezirk Hermagor aus?
Hermagor gehört neben den Bezirken Spittal/Drau und Wolfsberg zu jenen, die am stärksten an Einwohnern verlieren werden.
Wie hoch wird der Verlust sein?
Bis 2050 soll der Verlust bei rund 12 bis 13 % liegen. Bis 2050 würde der Bezirk Hermagor laut Prognose 2.300 Personen verlieren.
Und Kärntenweit?
Nur der Kärntner Zentralraum (Klagenfurt, Villach, stadtnahe Gemeinden) kann in den nächsten Jahrzehnten ein Bevölkerungswachstum erwarten. Alle anderen Bezirke verlieren an Bevölkerung.

Drei Fragen an...
Peter Fercher, Abteilung Landesplanung, Kärnten:

Was wird für die Region in Zukunft eine große Herausforderung?
Die Grundversorgung zu sichern. Schrumpft die Bevölkerung, zahlen die Gemeinden die finanzielle Zeche dafür.
Stichwort Überalterung: Was sind die Folgen daraus?
Die Gefahr besteht, dass in Folge auch die Infrastruktur (Betriebe, Einrichtungen usw.) schwinden, wenn der Bedarf nachlässt.
Welche Rolle spielen Zuwanderer?
Das wird in den nächsten zehn Jahren ein großes Thema werden, vor allem die Frage, wie können wir Flüchtlinge oder Zuwanderer integrieren.
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Rita Buchacher aus Hermagor | 08.10.2014 | 07:36   Melden
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