16.10.2014, 10:25 Uhr

"Die 'Green Jobs' sind die Zukunft"

Bei Green Jobs, also im Bereich der Erneuerbaren Energien, könnte sich laut den Experten im Gailtal noch einiges tun (Foto: photos.com)

Welche wirtschaftlichen Potenziale gibt es in der Region? Experten beleuchten.
Von Iris Zirknitzer

GAILTAL. In der letzten Woche haben wir uns mit dem Thema Abwanderung auseinandergesetzt. Wir haben einen Blick auf die Wanderungsbilanz der letzten zehn Jahre in den einzelnen Gailtaler Gemeinden gemacht. Diesmal legen wir ein Augenmerk darauf, welche Strategien es laut den Experten geben könnte, um die Region zu stärken, welche wirtschaftlichen Überlegungen mehr Arbeitsplätze in die Region bringen können und was eine ländliche Region eher aushöhlt denn fördert. Generell erachtet der Leiter der Wirtschaftskammer Hermagor, WernEr Plasounig, die Tatsache, dass die (jungen) Gailtaler ihre Fühler auch außerhalb der Region ausbreiten, nicht als das Kernproblem an sich, sondern eher die Förderkultur: „Abwanderung betrifft jedes Tal in Europa. Wenn wir das Thema so angehen, dass wir Förderprogramme und dergleichen schaffen, dann hört sich das Dilemma nie auf. Was passiert bei der ersten Schweineförderung? Jeder Bauer kauft 500 Schweine, weil das wird ja gefördert.
Überlegt fördern
Wenn schon fördern, dann überlegt, meint der Wirtschaftsexperte: "Öffentliche Aufträge sollten z.B. nur an Betriebe ergehen, die Lehrlinge ausbilden. Das stärkt eine Region und schafft Arbeit“, so Plasounig.

Zukunft saubere Energie
Laut Plasounig sollte man auch im Energiesektor nachhaltiger überlegen, dass man fördert, was Arbeitsplätze in die Region bringt. „Wir müssen es schaffen, dass von der EU nicht der Atomstrom mehr gefördert wird als die Wasser- und Windkraft im kleinen Tal."
Gerade bei den sogenannten „Green Jobs“ könnte sich laut Regionalmanager Friedrich Veider ein größeres Feld am Arbeitsmarkt in der Region auftun: "Ich sehe Potenziale bei zusätzlichen Unternehmen in den Bereichen Erneuerbarer Energie, die sich in der Region niederlassen und entwickeln können. Das kann auch Richtung Forschung gehen." Darüber hinaus gibt es laut Veider im Gewerbe Entwicklungs-Möglichkeiten: "Z.B. im Aufbau von Kooperationen, die Gesamtpakete anbieten können bzw. Nischen finden."

Landwirtschaft
Ein Bereich für die Zukunft im Tal liegt gemäß den Experten in der Direktvermarktung. "Die Weiterführung der Veredelung von heimischen Produkten und deren Vermarktung motivieren Landwirte in der Region, ihren Hof weiterzuführen oder zu übernehmen, so Veider.
Janschitz und Veider sehen etliches Potenzial am Arbeitsmarkt in der Region auch im Bereich der Telearbeit. Das wäre gleichzeitig ein Schritt um die Arbeitskräfte in der Region zu halten. „Es gibt bereits Personen, die in unserer Region für andere Organisationen außerhalb der Region von daheim aus arbeiten und nur wenige Tage im Monat dort auch anwesend sein müssen.“ Das wichtigste Kriterium dafür ist die Breitbandanbindung in der Region Hermagor."

Zuwanderer einbinden

Auf dem Arbeitsmarkt werden gemäß Peter Fercher, Abt. Landesplanung, für die ländliche Region auch Zuwanderer stärker eine Rolle spielen. Veider: „Wir werden uns hier Gedanken machen müssen: welche Angebote haben wir für diesen Personenkreis auf Gemeinde- und Regionsebene und wie sieht die Willkommenskultur für neue Bürger in der Region im Allgemeinen aus?“

DREI FRAGEN AN...
WernEr Plasounig, Leiter der Wirtschaftskammer Hermagor:

Jeder von den Lehrlingen hat kürzlich gesagt, er will einmal raus aus dem Tal, was anderes sehen. Ist das gut so?
Natürlich, so soll´s sein. Vielleicht kommt der eine oder andere zurück.
Welche Rolle spielen Asylwerber und Flüchtlinge in unserer Region?
Asylwerber und Flüchtlinge an sich können nie das Thema sein, aber Trittbrettfahrer, die nur unsere guten sozialen Netze nutzen, gehören vor den Vorhang. Leider haben wir die zur Genüge auch in den eigenen Reihen.
Sehen Sie große Konzerne als wirtschaftliche Bedrohung für die Region?
Wenn sie sich am Gemeinschaftsleben beteiligen werden, so ist das natürlich in Ordnung. Wenn sie nur die Kaufkraft absaugen wollen und beim kleinsten Gegenwind wieder gehen und die Menschen und Schicksale zurücklassen, dann nicht. Ich bin für die Infrastrukturabgabe für Konzerne, die im entlegenen Dorf auf die grüne Wiese die 100.e Filiale stellen.
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