17.09.2014, 12:42 Uhr

Gailtaler mischt in Brüssel mit

(Foto: privat/Holzfeind)

Dietmar Holzfeind aus Hermagor ist Referent für die Abgeordneten im EU-Parlament in Brüssel.
Von Iris Zirknitzer

HERMAGOR, BRÜSSEL. Seit 2010 ist Dietmar Holzfeind als Referent für die unabhängigen, sprich fraktionslosen Abgeordneten im EU-Parlament in Brüssel tätig.

Assistent Mölzers
Bereits mit Februar 2008 kam der heute 35-jährige Gailtaler über persönlichen Kontakt zu dem EU-Abgeordneten Andreas Mölzer (FPÖ) in die belgische Hauptstadt. Der freiheitliche Mandatar holte den damals 29-jährigen Juristen als seinen persönlichen Assistenten in Rechtsfragen an seine Seite. Jeder Abgeordnete hat ein Team und zwei bis drei Mitarbeiter, die das tägliche Geschäft für ihn erledigen. „Das war auch meine erste Aufgabe, als ich in Mölzers Büro Assistent war“, so Holzfeind.

Koordinieren
Im Jahr 2010 ergab sich dann für ihn die Möglichkeit, sich direkt beim Parlament um eine Stelle zu bewerben. Holzfeind absolvierte eine dreisprachige Aufnahmeprüfung und stieg als Vertragsbediensteter beim EU-Parlament ein.
Der Hermagorer ist nunmehr das Bindeglied zwischen den freiheitlichen EU-Abgeordneten und koordiniert auch die internationalen Kontakte mit anderen Parteien. Er steht in laufender Interaktion mit den Mitgliedern in den Ausschüssen sowie mit Vertretern der EU-Kommission und des Rates. Da kann es schon mal passieren, dass dem Gailtaler José Manuel Barroso, der scheidende Präsident der Europäischen Kommission, oder verschiedene Minister aus den Mitgliedsstaaten über den Weg laufen.

Pressearbeit
Holzfeind ist zudem in ständigem Kontakt mit den Korrespondenten zahlreicher österreichischer Tageszeitungen wie „Presse“, „Standard“, etc. und beliefert sie u.a. auch mit aktuellen Informationen aus dem EU-Parlament.
Der junge Politiker ist zwar der FPÖ-Delegation zugeordnet, jedoch spielt die Partei bei seiner Tätigkeit eine untergeordnete Rolle. „Im EU-Parlament steht die Sacharbeit im Vordergrund. Da ist es oft sinnvoll und nötig, parteiübergreifende Initiativen zu setzen, um österreichische Interessen bestmöglich zu vertreten“. Wenn es um außenpolitische Tätigkeiten im EU-Ausschuss geht, steht Holzfeind allen fraktionslosen Ausschuss-Mitgliedern zur Verfügung.

Ausschuss-Sitzungen

In seinem Job genießt der Gailtaler große Freiheiten, auf seinen Schultern trägt er aber auch ein hohes Maß an Verantwortung. Sein juristisches Verständnis ist vor allem bei den Plenartagen und Ausschuss-Sitzungen gefragt. Diese finden ein- bis zweimal pro Monat statt und sind jeweils von Montag bis Donnerstag von 9 bis 18 Uhr anberaumt. Neue Gesetze werden besprochen, und es wird diskutiert, welche Änderungen notwendig sind. "Meist haben die Mandatare zahlreiche Änderungswünsche. Gemeinsam mit den Abgeordneten arbeiten wir diese in die Gesetzesvorlagen ein. Diese Änderungsanträge werden dann an den betreffenden Ausschuss übermittelt und dort abgestimmt, bevor der Text dann ins Plenum kommt“, erklärt Holzfeind.

Recherche
Im Vorfeld der Debatten und Beschlüsse macht Holzfeind viel Recherche-Arbeit, um sich auch über die Vorhaben aus den anderen Ausschüssen zu informieren. "Ich muss sehr genau Bescheid wissen um was es bei den jeweiligen Gesetzesentwürfen geht. Schließlich unterbreite ich dann den Abgeordneten einen Abstimmungsvorschlag“, informiert er.

Heiße Debatten
Die Plenartage finden in Straßburg statt – jeweils von Montag bis Donnerstag. „Diese sind für mich besonders spannend, hier finden die wichtigen Abstimmungen statt. Da wird oft um jede Stimme gerungen.“
Holzfeind: „Man kann viel mitreden und darf hautnah mitverfolgen, welchen Standpunkt jede einzelne Partei oder Interessensvertretung zu einem bestimmten Thema hat und vertritt. Botschafter, Minister, usw., sie alle legen ihre Lage dar. Alle wichtigen Fragen der Gegenwart werden hier im EU-Parlament diskutiert."
"Ich kann mir dabei ein objektives Bild machen und mir meine eigene Meinung bilden. Man ist direkt an der Quelle, das ist aufregend“, schwärmt der 35-Jährige.
„Bei den Plenartagen schaue ich mir nicht nur meinen Bereich an, sondern auch die anderen: z.B. was passiert im Industriebereich, in der Landwirtschaft oder in der Wirtschafts- oder Handelspolitik, usw. Man ist zwar Spezialist für zwei bis drei Gebiete, aber hier ist ein großes und umfangreiches Allgemeinwissen gefragt, um die Abgeordneten optimal betreuen zu können“, so Holzfeind. Kommuniziert wird im Parlament in erster Linie in der Weltsprache Englisch. Als zweite lebende Fremdsprache beherrscht der junge Mann Französisch.
Über die EU sagt Holzfeind: „Man lässt sich in der Außenpolitik noch zu sehr von Amerika beeinflussen. Hier sollte man umdenken und einen eigenständigen Weg gehen. Im Inneren braucht es eine Entbürokratisierung. Die Anzahl der EU-Gesetze sollte sinken.“ Diese Periode will Holzfeind noch fix für Brüssel tätig sein. Was seine Zukunft betrifft, verrät er nur so viel: „Ich lasse die Politik in Kärnten nicht aus den Augen“.

ZUR PERSON

Name: Dietmar Holzfeind

Geb.: 29. 12. 1978

Wohnort: Hermagor/Brüssel

Familienstand:
Ledig

Mit Februar 2008 kam Dietmar Holzfeind über persönlichen Kontakt zu dem EU-Abgeordneten Andreas Mölzer (FPÖ) in die belgische Hauptstadt Brüssel. Er war Mölzers Assistent in juristischen Fragen.
Seit 2010 ist Dietmar Holzfeind als Referent für die unabhängigen (fraktionslosen) Abgeordneten im EU-Parlament in Brüssel tätig.

Holzfeind war von 2005 bis 2013 Bezirksparteiobmann der FPÖ-Hermagor und von 2008 bis 2010 Mitglied der Bundesparteileitung.
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