09.08.2017, 08:45 Uhr

"Man muss den Fokus auf Synergien legen"

Will politisch einiges bewegen: Ronny Rull (ÖVP) (Foto: Kuglitsch)

Bürgermeister-Nachwahl in St. Stefan/Gail. Der Spitzenkandidat der ÖVP Ronny Rull im Interview.

VORDERBERG. Am 17. September wählen die Bürger der Gemeinde St. Stefan/Gail einen neuen Bürgermeister. Folgende drei Spitzenkandidaten gehen bei der Nachwahl ins Rennen: für die FPÖ Beatrice Kuglitsch, für die SPÖ tritt Rene Rupnig und für die ÖVP Ronny Rull an. Die Kandidaten im Gespräch. Den Beginn macht Ronny Rull.

WOCHE: Herr Rull, warum kandidieren Sie für das Amt des Bürgermeisters?
RONNY RULL: Politik war schon immer mein „Hobby“. Außerdem habe ich mich schon seit dem Jugendalter im Vereinsleben engagiert. In die Politik zu gehen, war folglich der nächste Schritt. Seit 2003 bin ich in der Gemeindepolitik tätig. Der Erfolg im Jahre 2009 bei der Gemeinderats- und Bürgermeisterwahl hat mich in meiner politischen Laufbahn darin bestätigt, dass ich in der Gemeinde etwas bewegen will.

Warum sollen die Bürger gerade Sie zum Bürgermeister wählen?
Ich kann auf eine jahrelange Erfahrung in der Gemeindepolitik, auf Landesebene und durch meine berufliche Tätigkeit in der Landesregierung zurückgreifen. Zudem verfüge ich über ein großes Netzwerk auf Landes-, Bundes- und EU-Ebene. Das ist heutzutage ein entscheidendes Kriterium, denn ohne gute Verbindungen und ein ausreichendes Netzwerk ist der politische Handlungsspielraum in einer kleinen Gemeinde beschränkt.

Gesetzt den Fall, Sie werden Bürgermeister: Was würden Sie in der Gemeinde verändern?
Als Bürgermeister arbeitet man nicht im Alleingang. Schließlich geht es um die Interessen aller – damit meine ich die der anderen politischen Fraktionen und jene der Bürger. Ich würde als Erstes alle Fraktionen zu einer Klausur einladen, bei der man erste gemeinsame Konzepte entwickelt und die zukünftige Ausrichtung der Gemeinde erörtert. Ein weiterer wichtiger Punkt wäre die Bürgerbeteiligung, um die Anliegen der Bürger bei der politischen Gestaltung miteinzubeziehen.

Wohin soll denn die Reise in der Gemeinde in Zukunft gehen? Wo müsste man besondere Akzente setzen?
Es geht meiner Meinung nach gar nicht um einzelne Bereiche. Wir müssen uns die Gemeinde in ihrer Gesamtheit anschauen. Auf jeden Fall bedarf es der Entwicklung eines langfristigen, zukunftsorientierten Masterplanes – der gemeinsam entwickelt und umgesetzt wird. Hier muss der Fokus noch stärker auf Kooperationen und Synergien mit anderen Gemeinden gelegt werden (sprich Kompetenzzentren). Das kann in vielen Bereichen funktionieren: Bildung, Digitalisierung, Landwirtschaft, Tourismus, usw. Ein zentraler Punkt ist auch die Stärkung der Regionalität. Hier gibt es noch sehr viel ungenutztes Potenzial.

Mal ehrlich, wirtschaftlich gesehen hat sich die Gemeinde ja nicht unbedingt zu ihrem Vorteil entwickelt. Natürlich gibt es auch hier kleinere bzw. Ein-Personen-Unternehmen. Vergleicht man das aber mit anderen kleinen Gemeinden, ist in diesem Bereich wesentlich mehr vorangegangen.
Eines meiner zentralen Themen war/ist die Umsetzung eines interkommunalen Gewerbeparks mit den umliegenden Gemeinden, welche in weiterer Folge zu einem Kommunalsteuersplitting und zu weiteren Einnahmen in der Gemeinde führen würden. Nur durch Kooperationen mit anderen Gemeinden bündeln wir finanzielle Ressourcen für die Umsetzung weiterer relevanter Investitionen.

Klingt vielleicht abgedroschen, ist aber leider vorhanden. Das Thema Jugend und Abwanderung. Womit wir auch wieder beim Thema Wirtschaft und Arbeitsplätze wären. Ihre Lösungsansätze dazu wären?
Das Thema Abwanderung kann eine Gemeinde allein nicht lösen. Das betrifft die ganze Region – und ist damit auch eine Gemeinde-übergeordnete Angelegenheit. Hier bedarf es verstärkt Kooperationen mit dem Land, dem Bund, aber auch über die EU. Allerdings müssen wir jungen Menschen die Möglichkeit auf „leistbares Wohnen“ bieten können.

Wie gehen Sie den Wahlkampf an?
Indem ich den persönlichen Kontakt mit den Bürgern suche: sprich ich mache Hausbesuche.

Welche Chance rechnen Sie sich für den Bürgermeistersessel aus?
Hier geht es nicht um Chancen und Prognosen. Am Ende entscheidet der Wähler/die Wählerin über die zukünftige Ausrichtung der Gemeinde.

Wie lässt sich das Amt des Bürgermeisters mit Ihrem Beruf vereinen?
Als Landesbediensteter kann ich meinen Dienst reduzieren, so dass mir genug Zeit für das Bürgermeisteramt blieben würde.

Das Interview führte Iris Zirknitzer



Zur Person
Ronny Rull, geboren am 9. Mai 1978.

Rull ist Gesundheitsaufseher und wohnt in Vorderberg, in der Gemeinde St. Stefan/Gail.

Mit Freundin Alexandra hat er zwei Kinder: Valentin (8) und Julia (6)

Poltischer Werdegang

•Seit 2009 Landesbediensteter
•2003-2009 Gemeinderat

•2009-2015 Vizebürgermeister
•Seit 2015 Gemeindevorstand

•Seit 2009 Gemeindeparteiobmann
•2010-2015 Mitglied des Bezirksbauernbundvorstandes Hermagor
•Seit 2009 Mitglied des Bezirksparteivorstandes Hermagor
•2012-2016 Mitglied des Bezirksparteivorstandes KL

•2010-2014 Mitglied des Landesparteivorstandes
•2011-2014 Vorsitzender des Fachausschusses für Gemeinden
•Seit 2009 Mitglied des Sozialhilfeverbandes Hermagor
•2009-2013 Mitglied des Schulgemeindeverbandes Hermagor
•Seit 2016 Personalvertreter BH Villach
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