19.11.2017, 10:09 Uhr

Schließung Modine: Runder Tisch soll Lösungen erarbeiten

Das Modine-Werk am Standort Kötschach. Wie es weiter gehen soll, darüber sollen kommende Woche verhandelt werden (Foto: Hans Jost)

Am 23. November findet in Kötschach-Mauthen ein Runder Tisch statt. Politik, Wirtschaft und Sozialpartner erarbeiten Strategien zur Arbeitsplatzbeschafftung für Modine-Belegeschaft.

KÖTSCHACH-MAUTHEN. Am Montag, dem 13. November wurde die Belegschaft der Firma Modine, die Wärmetauscher herstellt, im Zuge einer Betriebsversammlung mit der Hiobsbotschaft konfrontiert. Der Firmenstandort Kötschach macht dicht. Mit Jahresende soll das Werk geschlossen werden. 146 Mitarbeiter sind davon betroffen. Die Nachricht kam völlig überraschend. Laut Konzernleitung habe sich der Standort wirtschaftlich nicht mehr rentiert – die Zahlen hätten nicht gepasst.
Kötschachs Bürgermeister Waltern Hartlieb zeigte sich überrascht über das jähe Aus. „Seit 2013 ist im Personalstand Kontinuität gegeben und man war eigentlich positiv gestimmt, als der Modine-Konzern im Juni des letzten Jahres die Wärmeaustauscher-Division der Luvata und somit auch den Standort Kötschach-Mauthen erworben hat“, sagt Hartlieb und ergänzt: „Seitens der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter war eine positive Stimmung gegeben, die Auftragslage war gut, man musste Überstunden machen und es wurde auch einige Personalaufnahmen getätigt. Umso überraschender kam nun für alle Mitarbeiter wie auch für die Gemeinde diese Nachricht, dass das Werk Kötschach-Mauthen geschlossen wird.“


Landespolitik sagt Hilfe zu

Landeshauptmann Peter Kaiser und Arbeitsmarktreferentin LHStv.in Gaby Schaunig wollen den Betroffenen möglichst schnelle Hilfe zukommen lassen. „Wir bemühen uns um rasche Einrichtung einer Arbeitsstiftung über die Kärntner Arbeiterkammer. Außerdem werden wir andere metallverarbeitende Betriebe kontaktieren sowie alternative Arbeitsplätze in der Region suchen, um möglichst viele Leute weiterzuvermitteln und wieder in Beschäftigung zu bringen“, teilten Kaiser und Schaunig mit.
Auch die Kärntner Arbeiterkammer und der ÖGB gehen mit den Plänen von Schaunig und Kaiser in punkto Arbeitsstiftung konform. Immerhin würden die rund 150 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer knapp vor Weihnachten „ohne Verhandlungsspielraum“ vor die Tür gesetzt. „Das ist in einer strukturschwachen Region wie dem Gailtal besonders bitter, wir erwarten uns eine soziale Abfederung“, so Arbeiterkammer-Präsident Günther Goach und der Landesvorsitzende des Österreichischen Gewerkschaftsbundes Hermann Lipitsch. Laut Landesrat Gernot Darmann gelte es neben der üblichen Prüfung und Einrichtung einer Arbeitsstiftung, parteiübergreifend die Fühler nach neuen Investoren auszustrecken. "Es muss so rasch wie möglich ein Ersatzinvestor gefunden werden, der das Werk weiterbetreibt“, fordert Darmann intensive Anstrengungen für einen Neubeginn.

Runder Tisch

Dass das Werk im Gailtal geschlossen wird, hat nicht nur auf Kötschach-Mauthen Auswirkungen, sondern auf das Obere Gail- und Lesachtal bis hin nach Oberdrauburg.
Um diesen schweren Schlag am Arbeitsmarkt zu besprechen und auch Perspektiven für die betroffenen und Mitarbeiter zu erörtern, hat Bürgermeister Walter Hartlieb und die Gemeindeführung der Marktgemeinde Kötschach-Mauthen, Landeshauptmann Peter Kaiser, die weiteren Regierungsmitglieder aller Fraktionen, die Vertreter der Arbeiterkammer, Wirtschaftskammer, Industriellenvereinigung, Vertreter des KWF und der BABEG, die Bezirkshauptmannschaft Hermagor und die Bürgermeister der Gemeinden Dellach, Kirchbach, Hermagor, Lesachtal und Oberdrauburg zu einem runden Tisch eingeladen. Dieser findet kommenden Donnerstag, den 23. November in der Marktgemeinde Kötschach-Mauthen statt. Das Ziel ist es alle Initiativen, Anregungen und Aktivitäten zu koordinieren, um einerseits die Möglichkeit einer entsprechenden Nachnutzung der Betriebsstätte Modine mit Arbeitsplätzen wie auch die Möglichkeiten von alternativen Arbeitsplätzen für die Betroffenen zusammenzufassen und die weitere Vorgangsweise zu koordinieren.

Statements:

Bürgermeister Walter Hartlieb:
"Es ist für uns als Gemeinde natürlich eine schwierige Situation. Es wird nur gehen, wenn alle an einem Strang ziehen, die Politik, die Wirtschaft, die Sozialpartner, alle sonstigen Institutionen, wie auch der Modine-Konzern", sagt Hartlieb und betont: "Das Wichtigste ist vorerst, einen entsprechenden Sozialplan auszuverhandeln, damit die soziale Absicherung für die Mitarbeiter in den nächsten Monaten gewährleistet ist."
Vergangenen Mittwoch gab es ein Gespräch zwischen Hartlieb und der Konzernleitung: Hartlieb dazu: "Ich wurde dabei über die Entscheidungskriterien informiert. Diese sind für mich grundsätzlich aber nicht relevant, sondern mir war es vor allem wichtig, wie die weitere Vorgangsweise für die betroffenen Mitarbeitern aussieht. Ebenso auch die Information zu erhalten, wie die weitere Absicht der Konzernleitung mit der Betriebsstätte Kötschach-Mauthen aussieht."
Fakt ist: Die Mitarbeiter werden noch bis in die Kalenderwoche 48/49 aktiv mitarbeiten, ehe Mitte Dezember 2017 die Kündigungen ausgesprochen werden. Die Kündigungsfristen sind unterschiedlich und liegen zwischen ein und sechs Monaten. Der Sozialplan wird derzeit ausverhandelt. Die Betriebsstätte und die gesamte Liegenschaft soll im kommenden Jahr verkauft werden.

Bezirkshauptmann Heinz Pansi sagt zur Schließung des Konzerns: "Es ist wichtig, dass jetzt in erster Instanz der Betriebsrat und die Firmenleitung Maßnahmen ergreifen um die Absicherung der Belegschaft sicherzustellen." Auch er erwartet sich vom Unternehmen, dass ein Sozialplan ausgearbeitet wird. Pansi fügt hinzu: "Ich habe dem Bürgermeister jegliche Unterstützung seitens der Behörde zugesagt. In Zukunft wird man sich vertiefend beraten müssen wie wir der Region helfen werden. Ziel muss es sein, der Region jetzt Hoffnung zu geben."

Betriebsrat Michael Gassmayer sagt: "Die Belegschaft ist zu bewundern. Die Mitarbeiter haben die Nachricht angesichts der Umstände erstaunlich gefasst aufgenommen. Für die nächsten Gespräche mit der Konzernleitung werde ich als Betriebsrat meine Forderungen einbringen – dazu zählt neben der Ausarbeitung eines Sozialplans u.a. die Abgeltung in Form finanzieller Hilfestellung." Eine Arbeitsstiftung, wie sie von LH-Stv.in Gaby Schaunig vorgeschlagen wurde, mache für den Betriebsrat Sinn.
Der Konzern zeige laut Gassmayer guten Willen und sei kooperationsbereit. "Ich versuche darüber hinaus gemeinsam mit allen öffentlichen Institutionen für die 146 betroffenen Mitarbeiter die beste Lösung zu finden. Jetzt geht es darum, nach Möglichkeiten zu suchen, wie die Menschen wieder eine Beschäftigung finden können. Dazu zählen auch Umschulungsmaßnahmen", sagt Gassmayer und ergänzt:
"Man darf sich nichts vormachen: Für die Belegschaft über 50 Jahre wird es sicher kein Leichtes werden, dass alle hier im Tal einen adäquaten Job finden. Aber wir versuchen alles abzufedern und etwas Neues herzubringen. Das kann durchaus auch ein potenzieller Interessent sein, der das Werk erwirbt."

Franz Janschitz, Leiter des AMS Hermagor: "Wichtig ist es, dass die Leute in erster Linie monetär abgefedert werden. Entscheidend für uns ist es zu eruieren: wer bleibt da, wer kann in eine Arbeitsstiftung gehen. Dass der eine oder andere in den Nachbarregionen - Villach z.B. - Arbeit finden wird ist wahrscheinlich. Es wird daher auch nicht erpart bleiben dass man pendeln muss. Wir müssen bei der Jobvermittlung die Leute da abholen, wo sie sind. Auch Kurse oder Umschulungen sind denkbar und möglich. Erschwerend kommt sicher hinzu, dass die Hälfte der Arbeiter über 50 Jahre alt ist."
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