25.01.2018, 09:25 Uhr

Arbeiten und leben am Persischen Golf

Vorübergehend in Katar arbeiten und leben: Peter und Sandra Haas mit Kindern Paul und Max

Die Arabische Welt ist beruflich und privat die neue Heimat für den gebürtigen Gailtaler Peter Haas.

KATAR/GAILTAL (jost). Peter Haas (42)) lebt mit seiner Frau Sandra (40) und ihren beiden Kindern Paul und Max seit September 2016 im Emirat Katar am Persischen Golf. Beide sind Mitarbeiter des internationalen Bauunternehmens Porr, das aktuell in dieser Region verschiedene Großprojekte im Vorfeld der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 2022 realisiert.
Peter ist der Sohn von Helmut Haas, der auch sein ganzes Berufsleben lang als engagierter Niederlassungs-Leiter im Gailtal unzählige Bauprojekte für die Porr umgesetzt hat, aber auch in der Landes- und Kommunal-Politik aktiv war/ist. Die WOCHE hat den Bauingenieur zum Interview gebeten.

Wie ist es zu dieser beruflichen Herausforderung gekommen?
Peter Haas: Die erste Anfrage lehnten wir ab, da uns das Wagnis mit unserem Baby Paul in ein fremdes Land zu siedeln noch zu hoch war. Zweieinhalb Jahres später, nach der Geburt unseres zweiten Sohnes Max, fiel im Sommer 2016 die Entscheidung „Ja zu Qatar“.

Was sind eure Aufgaben in Katar? 
Das Hauptbüro ist in Doha, von wo aus wir alle baulichen Aktivitäten in der gesamten Golf-Region betreuen und steuern. Sandra arbeitet als Vertrags- und Nachtragsmanager am Projekt „Slab-Tracks“; ich leite den technischen Innendienst und die Angebotsbearbeitung im Hauptbüro.“

Welche Projekte werden realisiert?
Die baulichen Aktivitäten der Firma PORR in Katar stehen im Zusammenhang mit der Fussball-Weltmeisterschaft 2022.In Doha wird derzeit ein 85 Kilometer langes U-Bahn-Projekt realisiert. Porr fuehrt das Konsortium der U-Bahnlinie "Green Line" mit einem Auftragsvolumen von rund 1,9 Milliarden Euro für 17 Kilometer lange Strecke an.
Zusätzlich wurde die Firma Ende 2015 mit der Herstellung der „Festen Fahrbahn“, also mit den Schienen-Systemen, für die gesamte U-Bahn mit einer Länge von 160 Kilometer betraut.
Ein weiteres grosses Projekt ist das Fussballstadion in Al-Wakrah. Neben den oben genannten Projekten sind wir auch an Strassen- bzw. Brückbauprojekten zusammen mit lokalen Partnern beteiligt. Die Metro-Baustellen befinden sich direkt in Doha. Das Fussballstadion befindet sich in Al Wakrah einer Hafenstadt ca. 18km südlich von Doha.

Was ist die „Challenge“ des Jobs?
Kulturelle und religiöse Unterschiede, klimatische Bedingungen, Arbeitsbedingungen, Soziales Gefüge. Katar ist unter den muslimischen Ländern eher liberal, ähnlich wie Dubai.
Arbeitszeit sechs Tage pro Woche, also 48 Stunden. Freitags frei, Samstag und Sonntag sind Arbeitstage. Relativ wenig Zeit für Familie; die Tage sind straff durchorganisiert. Eine derartige Umstellung war nur möglich, solange unsere Kinder klein sind. Paul soll aber in Österreich eingeschult werden, also haben wir noch zwei Jahre Zeit.

Wie empfindest du die klimatischen Bedingungen?
Gewöhnungsbedürftig, denn im Sommer sind Temperaturen weit über 45 Grad keine Seltenheit sondern eher die Regel. Auch in der Nacht bleiben die Temperaturen ständig über 35 Grad und höher. Regentage gibt es nur wenige. Ohne Klimaanlagen geht hier gar nichts.

Wie sieht der Alltag mit Familie aus?
Unser älterer Sohn Paul (4) besucht die britische Vorschule und hat innerhalb weniger Monate gut Englisch gelernt. Max (2) spricht bis dato nur ein paar Worte und die meist englisch, da er den englischen Privat-Kindergarten besucht. Den Kindern gefällt es. Baden, immer gutes Wetter beim Spielen mit Nachbarskindern. Die wenige freie Zeit verbringt man mit der Familie und Freunden und Katar-Erkundigungen. Wir wohnen in einem Compound (Wohnanlage) mit 140 Einfamilienhäusern direkt in Doha. Zu den Kataris hat man wenig Kontakt. Die meisten sind ebenfalls Expats aus den unterschiedlichsten Ländern.

Gesamteindrücke von der Region?
Medizinische Versorgung ist auf modernem Niveau und gratis. Seit der Landweg nach Saudi abgeschnitten ist, werden Lebensmittel eingeflogen oder per Schiff nach Katar gebracht. Durch die Blockade sind die Einschränkungen im Flugverkehr ärgerlich. Für unsere Baustellen mussten wir als Folge des aktuellen Embargos Produkte und Produzenten ändern. In Doha herrscht meist Stau und Verkehrchaos. Öffentliche Verkehrsmittel gibt es nur vereinzelt. Eigentlich nutzt jeder das Auto oder Taxi, das auch sehr günstig ist. Die U-Bahn könnte dies ab 2018 etwas ändern. Weiters wird an allen Ecken und Enden gebaut – die gesamte Stadt ist eine riesige Baustelle. In Doha findet man ausgezeichnete Spitzenhotels und schöne Sandstrände. An die lokalen Gegebenheiten und Regeln wie angemessene Kleidung muss man sich halten. Nicht-Muslime müssen keine Kopftücher oder ähnliches tragen. Der Tourismus ist noch in den Kinderschuhen. Dies wird sich, je näher die Fussball-WM rückt, sicher noch ändern. Die grösste Umstellung betrifft die Arbeitswoche von Samstag bis Donnerstag und die neuen Feiertage. In Katar gibt so gut wie keine Kriminalität. Alkohol gibt es nur in Hotels oder in einer staatlichen Verkaufsstelle.
Interview: Hans Jost

Fotos: Haas
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