04.10.2014, 09:54 Uhr

Ein Handwerk mit goldenem Boden

ST. STEFAN (nic). Den goldig-glänzenden Kieselboden hat Familie Tschurtschenthaler im wahrsten Sinn des Wortes in ihrem Showroom. Doch auch sonst ist die Gerberei seit 1890 im Gailtal erfolgreich.

Richtige Entscheidung
Durch eine enge Marktorientierung und Produktanpassungen hat Peter Tschurtschenthaler, der 1990 seine Meisterprüfung ablegte, es bis heute nicht bereut, den Beruf erlernt und den Betrieb in St. Stefan von seinem Schwiegervater übernommen zu haben.
Neben Ehefrau Andrea arbeitet inzwischen auch Sohn Alexander (24) mit. Er hat seine Ausbildung abgeschlossen, musste aber, da das Handwerk des Gerbers inzwischen so selten ist, die Berufsschule in Wien besuchen. Nur zwei Gerbereien gibt es zur Zeit noch in Kärnten. Für die Meisterschule muss Alexander sogar demnächst nach Deutschland.

Vorgegerbtes Leder
"Wir beziehen aufgrund der gestiegenen Umweltauflagen inzwischen bereits gegerbtes Leder aus Pakistan und osteuropäischen Ländern," erklärt Peter Tschurtschenthaler. Die Ziegen und Hirschfelle werden dann von Hand veredelt und für die Bekleidungs- oder Möbelindustrie vorbereitet.
Dieser Prozess dauert bis zu 14 Tagen. Rund 70.000 Quadratmeter an Lederfellen verarbeitet die Gerberei Tschurtschenthaler pro Jahr. Hauptsächlich entsteht daraus Trachtenkleidung namhafter Hersteller. Deshalb stammt das Leder der Hosen von Volks-Rock'n Roller Andreas Gabalier und dem Steirer Ex-US-Gouverneur Arnold Schwarzenegger auch aus dem Gailtal.
"Besonders der gebrauchte Antik-Look des Leders ist im Moment angesagt," verrät der Gerbermeister. "Wir stellen uns da natürlich auf die Kundenwünsche ein."

Spezielles Verfahren
Der Veredelungsprozess des Leder beginnt mit dem Einfärben, Waschen und Trocknen. Er endet mit dem Anschleifen der Oberfläche, das ihr das spezielle unregelmäßige Erscheinungsbild verleiht.
Der Maschinenpark der Gerberei, der im Laufe der über 100 Jahre immer wieder erweitert und modernisiert wurde, ist eindrucksvoll. Geblieben ist dieser ganz spezielle Geruch nach dem Naturprodukt Leder.
"Früher haben wir auch eng mit Jägern zusammen gearbeitet und ihre Trophäen aufbereitet. Das ist aufgrund strenger Auflagen nicht mehr möglich," bedauert Peter Tschurtschenthaler.

Ziegenfell aus Pakistan
Ebenso wie die gesetzlichen Bestimmungen und die Wünsche seiner Kunden, hat sich auch der Alltag des Gerbers im Laufe der Jahrhunderte verändert. Heute fliegt der Handwerksmeister einmal pro Jahr nach Pakistan und sucht vor Ort die Ziegenfelle aus, die dann in einem Container ins Gailtal kommen.

Daten und Fakten:
Name: Tschurtschenthaler Gerberei GmbH
Geschäftsführer: Peter Tschurtschenthaler
Alter: Jahrgang 1962
Ausbildung: Gerbermeister seit 1990
Gründungsjahr: 1890, dritte Generation
Betriebsort: Sankt Stefan i. Gailtal
Familienbetrieb: Andrea (Ehefrau) und Alexander (Sohn) Tschurtschenthaler
Betriebsfelder: Veredelung von vorgegerbtem Leder von Ziegen und Hirschen für die Bekleidungs- und Möbelindustrie von Hand
Betriebsgröße: fünf Mitarbeiter
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