02.10.2014, 11:36 Uhr

"Unsere Region ist stark"

(Foto: WOCHE)

Drei Gailtaler Experten diskutieren über die Region Gailtal und Regionalität.
Von Iris Zirknitzer

HERMAGOR. Mit dem Regionalitätspreis 2014 holt die WOCHE bereits zum dritten Mal regionale Projekte vor den Vorhang (siehe Info-Box). Rund zwei Wochen – bis 13. Oktober – dauert die Einreichfrist noch, danach tagt die Jury.

Expertenrunde
Im Büro der WOCHE Gailtal kamen der Bezirksstellen-Leiter der Wirtschaftskammer Hermagor, WernEr Plasounig, Regionalmanager Friedrich Veider und der Leiter der Landwirtschaftskammer, Bezirksstelle Hermagor, Valentin Grader, zu einem „Runden Tisch“ zusammen.
Mit Redaktionsleiterein Iris Zirknitzer diskutierten die Experten über Stärken, Möglichkeiten, Chancen, und Perspektiven unserer Region, dem Gailtal.

WOCHE: Was sind die Stärken der Region?
PLASOUNIG: Mir fällt zum einen hier spontan der Begriff Genuss ein – und damit verbunden unsere kulinarischen Feste – das Käsefest, Speckfest, Honigfest, usw. Und wir haben vor Ort das Ursprüngliche vorhanden. Andere kopieren bzw. stellen so was mit viel Aufwank künstlich her – seien es Dinge im Tourismus, im Freizeiterleben oder in der Landwirtschaft.
Zum anderen denke ich hier an die Technologie im Energiebereich. Hier war das obere Gailtal z.B. schon vor vielen Jahren bei diesem Thema am Puls der Zeit.
GRADER: Weil es wenig Entwicklungsmöglichkeiten in Bezug auf die Größe, die Dimension gibt, sind wir in der Breite gut aufgestellt. D.h. wir haben in der Landwirtschaft z.B. viele Segmente - von der Direktvermarktung, bis zu Urlaub am Bauernhof. Das ist unsere Stärke. Ein weiterer wichtiger Aspekt: Regionalität findet hier vor Ort statt, das heißt: sie ist überschaubar und nachvollziehbar – vom Anbau über die Verarbeitung, Produktion und den Vertrieb bzw. das Marketing. Das ist unser Vorteil. Und wir haben viele Bauern, die auf biologischer Basis Landwirtschaft betreiben.
VEIDER: Die Stärken sehe ich im Potenzial, das unserem Naturraum innewohnt – sowohl für den Tourismus als auch beim Thema Energielieferant. Unsere Region bietet sich ideal für Technologien im „günen“ Energie-Bereich an: Windkraft Wasserkraft, Photovoltaik usw. Und im Bereich der Achse Landwirtschaft-Kulinarik ist es vor allem die Spezialisierung der regionalen Produkte.
Was braucht die Region?
GRADER: Dass bäuerliches Gut in der Region erhalten bleibt – auch ein Landwirtschaftlicher Betrieb mit 15 oder 20 Kühen. Ein weiterer Punkt, der mir dazu einfällt: Mikro-Betriebe, die autonom sind z.b. was die Energieversorgung betrifft – das ist die Zukunft, darauf muss mehr Augenmerk gelegt werden. Wichtig finde ich auch, dass Regionalität beim Einkauf in den Köpfen der Menschen verankert ist oder wird. Z.B. dass ich schon den Kindern sage: 'schau, es gibt nicht nur den Media Markt, sondern einen Händler vor Ort' und dann die Vorteile aufzeige, die mit einem Kauf eines Produktes in der Region verbunden sind.
VEIDER: Mobilität ist ein Problem. In Zukunft wird man überlegen müssen, wie man das Problem Erreichbarkeit lösen kann, speziell was die Anbindung und das Vernetzen der öffentlichen Verkehrsmittel betrifft. Und wir brauchen hochwertige Arbeitsplätze.
PLASOUNIG: Ich denke da stark an Bildungsmöglichkeiten. Hier ist es wichtig, dass wir unsere Kinder und Jugendlichen fördern, auf ihre Potenziale zugehen. Und man muss Modelle finden, um jungen Leuten hier ihren Lebensalltag leicht zu machen.
Bei Betrieben fällt mir spontan Folgendes ein: Man könnte mehr Kooperationen eingehen, sich besser vernetzen, und sich spezialisieren. Ich erachte es auch für wichtig, dass wir Servicestellen und Einrichtungen für Bürger wie Arbeiterkammer, Landwirtschaftskammer, Wirtschaftskammer etc. im Bezirk erhalten bleiben und nicht zentralisiert werden. Die Menschen brauchen eine Anlaufstelle vor Ort.
GRADER: Auch Unternehmen müssen nachhaltig denken. Und wir müssen darauf achten, dass die Bildung erhalten bleibt. Gleichzeitig muss die Palette an Jobs (auch für höher qualifizierte Arbeitssuchende) breiter werden.
Was wird gegen die Abwanderung getan, bzw. was sollte dagegen gemacht werden?
VEIDER: Für Jugendliche und junge Leute, die etwa wegen einer Ausbildung weggezogen sind, muss man Angebote schaffen, dass sie danach wieder ins Tal zurückkommen.
GRADER: Viele Leute pendeln, haben ihren Lebensmittelpunkt aber im Gailtal.
Wenn Menschen in ein soziales Netz eingebunden sind, bleiben sie auch hier. Und es muss eine Mindestinfrastruktur vor Ort sein.
PLASOUNIG: Wir müssen für junge Menschen Ankerplätze schaffen. Ist die Mobilität gegeben, sind sie verwurzelt und haben eine Arbeit in der näheren Peripherie, sind das gute Voraussetzungen gegen Abwanderung.



ZUR SACHE: REGIO-PREIS

Was Kärnten so einzigartig macht, ist seine Vielfalt. In jedem Landstrich, jedem Tal und jeder Region gibt es Menschen, die mit großem Engagement diese Vielfalt erhalten um Kärnten auch in Zukunft lebenswert zu machen.

Bereits zum dritten Mal sucht die WOCHE genau diese Menschen, um sie mit dem Regionalitätspreis auszuzeichnen.
Einzelpersonen, Initiativen, Einrichtungen und Vereine – kurz: alle, die sich für ihre Heimat engagieren – Projekte zum Kärntner Regionalitätspreis einreichen. Vom grenzüberschreitenden Wandern über die mobile Bibliothek bis hin zum nachhaltigen Einscheit-Holzofen.

Es gibt zehn Kategorien, in denen Sie Ihr Projekt einreichen können.
Mehr dazu unter: www.meinbezirk.at/regionalitaetspreis_kaernten
Der Regionalitätspreis wird zum dritten Mal von der WOCHE verliehen.
Projekte können in zehn Kategorien eingereicht werden.
Einreichschluss ist der 13. Oktober. Eine Jury kürt Sieger.
Die Preisverleihung findet am 30. Oktober im Bildungshaus Schloss Krastowitz statt.
Alle Infos unter www.meinbezirk.at/regionalitaetspreis_kaernten

Der Weg zum Sieg ist ein leichter: Auf www.meinbezirk.at/regionalitaetspreis_kaernten das Einreichformular herunterladen, ausfüllen und per Post oder E-Mail an die WOCHE senden. Wichtig – und neu in diesem Jahr: Foto des Projektes oder der Projektwerber nicht vergessen!
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