Alkoholverbot am Elterleinplatz?

Johanna-Maria Dolmann empfiehlt den Einsatz von Streetworkern.
  • Johanna-Maria Dolmann empfiehlt den Einsatz von Streetworkern.
  • hochgeladen von Mathias Kautzky

HERNALS. Am späten Nachmittag übernehmen die Fußgänger das Kommando am Elterleinplatz: Die Menschen kommen vom Arbeitsplatz nach Hause und erledigen vorher noch ihre Einkäufe. Auf den überdachten Bänken direkt vor der Bartholomäus-Apotheke sitzen jedoch einige Menschengrüppchen, die es überhaupt nicht eilig zu haben scheinen: Da wird geplaudert, geraucht - und gerne auch Alkohol getrunken.

"Die sitzen den ganzen Tag dort und saufen, ich trau mich gar nicht vorbeigehen. Manche urinieren auch zwischen die parkenden Autos und verbringen die Nacht auf den Bänken oder im kleinen Park Ecke Rötzergasse/Hormayrgasse", sagt Maria Konecny, die gleich ums Eck wohnt. Tatsächlich liegen in besagtem Park zwei Schlafsäcke und einige leere Bierdosen zwischen den Sträuchern.

Alkoholverbot sinnvoll oder nicht?

"Ein Alkoholverbot bringt nichts, weil die Alkoholkranken dann einfach den Ort wechseln - das Problem verschiebt sich nur. Ich bin immer gegen solche rigorosen Lösungen, man muss das Problem an der Wurzel anpacken", meint Johanna-Maria Dolmann, die zwischen den Gruppen auf den Bänken sitzt. Sie empfiehlt den Einsatz von Streetworkern - und dass man "sich gut um die Kinder kümmert, denn vernachlässigte Kinder sind die Alkoholiker von morgen."

Die Bartholomäus-Apotheke ist das inoffizielle Zentrum des Elterleinplatzes, kurz vor Geschäftsschluss herrscht reger Kundenverkehr. "Die überdachten Bänke vor unserer Apotheke waren eine gute Idee vom Bezirk, weil es so vor allem älteren Menschen ermöglicht wird, am öffentlichen Leben teilzuhaben. Leider ist es dort aber in den letzten Jahren zu unangenehmen Vorfällen mit Betrunkenen gekommen, sodass der ursprüngliche Zweck der Sitzbänke nicht mehr erfüllt wird", erklärt Apotheker Johannes Mühlbacher, der sich auch um die Kinder der gegenüberliegenden Volksschule sorgt. Ein Alkoholverbot ist für ihn nicht die ideale Lösung, er empfiehlt jedoch eine stärkere Polizeipräsenz.

Ayla Konacoglu ist gerade auf dem Weg zum Hort, um dort ihre beiden Kinder abzuholen: "Auf dem Rückweg gehe ich mit meinen kleinen Kindern an den Sitzbänken nicht mehr vorbei, da nehmen wir einen Umweg. Oft schreien die Leute hier herum, viele sind auch betrunken", sagt sie. "Meine Kinder und ich würden hier auch gerne sitzen, aber wir trauen uns nicht", fügt sie hinzu.

Inzwischen ist es früher Abend geworden, die meisten Geschäfte haben bereits geschlossen.
Die Gruppen, die auch schon am Nachmittag die Sitzbänke belegt haben, sitzen immer noch dort: Mit der Bierdose in der Hand wird immer wieder lautstark debattiert, schnell kehrt aber wieder Ruhe ein. Die Bewohner des Grätzels rund um den Elterleinplatz bereiten sich in ihren Wohnungen langsam auf die Nachtruhe vor.

Autor:

Mathias Kautzky aus Hietzing

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