Pensionist drohte Bankbetreuer

Richter Slawomir Wiaderek musste den Beschuldigten teilweise aus dem Saal verweisen.
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  • Foto: Probst
  • hochgeladen von Michael Holzmann

78-jähriger Pensionist fasste zwei Monate bedingt aus (nicht rechtskräftig).

REGION WIENERWALD (ip). „I hau eam ´s Feitl eini“, hinterließ ein 78-jähriger Pensionist aus dem Wienerwald auf der Mailbox einer Bankangestellten und meinte mit „eam“ einen Veranlagungsexperten, der allerdings nur zwei- bis dreimal pro Monat in der Bankfiliale zur Beratung der Kunden anzutreffen ist.

Ständig steigende Wut

Zur Überraschung des Pensionisten wurde er nun wegen gefährlicher Drohung am Landesgericht St. Pölten zu einer bedingten Freiheitsstrafe von zwei Monaten verurteilt (nicht rechtskräftig). Dem Prozess vorangegangen war die ständig steigende Wut des Angeklagten gegen den Berater, den er mit dem Vorwurf, die Bank habe ihm 4.000 Euro gestohlen, konfrontieren wollte.
„Die haben sie mir gestohlen, das kann ich aber nicht nachweisen“, wiederholte der 78-Jährige mehrfach gegenüber Richter Slawomir Wiaderek. Er habe im Sommer 2014 sein doch beträchtliches Vermögen inklusive seiner Wertpapiere überprüft und sei draufgekommen, dass 4.000 Euro fehlten. Bis Oktober sei er immer wieder in die Bank gegangen und sei, laut Bankangestellter, immer sehr laut geworden, habe auf den Tisch gehaut und Bankleute als „Verbrechergesindl“ beschimpft. Nach der Mailboxnachricht habe es dann gereicht. „Es war notwendig, mit der Anzeige ein Zeichen zu setzen!“, erklärte der bedrohte Bankbetreuer. Man habe dem Kunden außerdem alles erklärt und alles sei korrekt gewesen.

"Bin am Land aufgewachsen"

Den Beschuldigten musste Wiaderek teilweise aus dem Gerichtssaal verweisen, da er durch ständige Zwischenrufe den Verlauf des Prozesses massiv störte. Erst gegen Ende der Verhandlung gab der Angeklagte, der gehofft hatte, während des Prozesses seine 4.000 Euro zu bekommen, klein bei. „Ich bin am Land aufgewachsen, da sagt man das bald“, rechtfertigte er seine verbalen Ausraster. Einen Anwalt zur Klärung seiner Vorwürfe gegenüber der Bank konnte er sich seiner Meinung nach nicht leisten.

Text und Foto: Ilse Probst

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