Verpflichtender Sozialdienst für Mann und Frau?

Verpflichtende Hilfsdienste für junge Menschen im Dienst der Allgemeinheit für alle und als Chance für die Gesellschaft?Foto: Archiv
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BEZIRK/NÖ (wp). Verpflichtendes Sozialdienstjahr für alle? Die Meinungen unter den Lokalpolitikern zum Vorschlag des schwarzen GVV sind überraschend einhellig.

Der Vorschlag des schwarzen Gemeindevertreterverbandspräsidenten Alfred Riedl beim Neujahrsempfang im Landhausschiff, zu dem VP-Lokalpolitiker aus ganz Niederösterreich gekommen waren, lässt aufhorchen: Riedl tritt für ein verpflichtendes Sozialdienstjahr für Mann und Frau etwa bei Hilfs- und Blaulichtorganisationen ein, und sorgt damit für eine rege Diskussion in Zeiten, in denen Geld und manchmal auch Engagement gerade in Sozialbereichen knapp werden.
Vor allem, falls die Wehrpflicht fällt, wäre das eine Möglichkeit „gerade jetzt, einen neuen, zukunftsgerichteten Rahmen zu schaffen“, so Riedl.
„Hier ist Eigen- und Sozialverantwortung eines jeden einzelnen jungen Menschen für die Gemeinschaft gefragt“.

Hilfsdienste unterstützen Idee
Riedl hätte auch seitens der Blaulichtorganisationen Zustimmung für seine Pläne erhalten, was auf Rückfrage durch das Bezirksblatt bei Rettung und Feuerwehr bestätigt wird.

Pfeffer: „Helfen sensibilisiert“
Traismauers SP-Bürgermeister Herbert Pfeffer, selbst Rettungsrat beim Arbeitersamariterbund, gefällt die Idee: „Ich denke, dass es gut ist, Männer und Frauen für ein Sozialjahr zu verpflichten. Helfen fördert die Solidarität innerhalb der Gesellschaft und sensibilisiert das Denken junger Menschen“. Pfeffer glaubt auch, dass die Kosten nicht höher sein würden, wie für das jetzige System mit Bundesheer und Zivildienst. „Im Gegenteil: ich glaube, dass man damit vielleicht auch das Pflege- und Hilfssystem langfristig finanzieren könnte.“ Außerdem wäre der Personalnachschub bei Hilfsorganisationen und in anderen Sozialbereichen gesichert.
Andreas Dockner (VP), Ortschef von Obritzberg kann dem nicht viel abgewinnen: „Wenn, dann alles nur auf freiwilliger Basis. Junge Leute werden durch eine derartige Verpflichtung aus dem Berufsalltag herausgerissen“.

„Für Frauen unzumutbar“
Statzendorfs SP-Bgm. Gerhard Reithmayr ist für das verpflichtenden Sozialdienstjahr, und „auch das weibliche Geschlecht sollte dazu herangezogen werden. In der heutigen Zeit sollte das kein Tabu sein“. Dies wiederum lehnt Reinhard Breitner (VP), Bürgermeister von Weißenkirchen/Perschling ab, „wenn dann nur Männer. Einer Frau, die Kinder hat, kann man das nicht zumuten.“ – Herzogenburgs Stadtvorderer, Franz Zwicker (SP) sagt „ja, wenn die Rahmenbedingungen und eine sinnvolle Finanzierung gesichert sind.“

Bgm. Gonaus „sofort dafür“
„Ich bin sofort dafür“, meint Kirchbergs Bürgermeister Anton Gonaus (VP), „denn die Kosten und Aufgaben, die auf die öffentliche Hand in den nächsten Jahren zukommen, werden mit den bisherigen Wegen nicht bewältigbar sein“. In Zeiten der Gleichberechtigung spricht sich Gonaus grundsätzlich dafür aus, dass „selbstverständlich auch Frauen in einen verpflichenden Sozialdienst eingebunden werden.“ Auch dann, wenn es zu keiner Abschaffung der allgemeinen Wehrpflicht kommt. „Ich habe über das verpflichtende Sozialdienstjahr mittlerweile mit vielen Bürgern aller Couleurs diskutiert, und ich traf keinen einzigen, der sich dagegen ausgesprochen hätte“, erzählt Rabensteins VP-Bürgermeister Kurt Wittmann, „mit der Freiwilligkeit wird es allerdings nicht funktionieren. Die Bezahlung könnte ähnlich wie jetzt beim Zivildienst erfolgen.“
Auch Josef Grießler (VP) aus Hafnerbach begrüßt den Vorschlag Riedls: „Ein Sozialjahr bringt für beide Geschlechter die Möglichkeit einer Persönlichkeitsentwicklung auf Basis des Solidaritätsgedankens. Außerdem benötigen unsere Einsatzkräfte in Zeiten, in denen Freiwilligkeit nachlässt, dringend Nachschub“, analysiert Grießler die Lage. „Damit bekämen wir auch die ausufernden Kosten des Pflegesystems in den Griff.“

„Von Mann und Frau abverlangen“
Aber auch Weinburgs SP-Bürgermeister Peter Kalteis äußert sich einem verpflichtenden Sozialdienstjahr gegenüber offen: „Es ist mir klar, dass dies zu einer konfliktgeladenen Diskussion führen kann, vor allem ob der Dienst verpflichtend oder freiwillig erfolgen soll“, so der Bürgermeister. „Aber eines ist klar, in Zeiten von Chancengleichheit und Gleichberechtigung sollte dieser Dienst an der Gesellschaft beiden Geschlechtern abverlangt werden.“

„Frauen nicht vergattern“
Widerspruch kommt vom Obergrafendorfer SP-Bgm. Rainer Handlfinger: „Ich bin gegen eine Verpflichtung in diesem Bereich. Falls man das Bundesheer abschafft, dann sollte ein Sozialdienst nur auf freiwilliger Basis erfolgen.“ Und zur Gleichberechtigung: „Frauen leisten genug für die Gesellschaft, man sollte sie erst einmal gerecht entlohnen, bevor man sie zu einem verpflichtenden Sozialdienst vergattert.“

"Steigender Bedarf"
Eichgrabens VP-Bgm. LA Martin Michalitsch zeigt sich von der Idee angetan: „Wir haben steigenden Bedarf bei sozialen Diensten, damit könnte man diesen ein wenig eindämmen. Es ist ein Gebot der Stunde, hier zu reagieren. Außerdem glaube ich, dass junge Menschen damit ihren Erfahrungshorizont erweitern in einem Alter dienen, wo sie noch flexibler sind.“

„Mann & Frau verpflichten“
Ähnlich äußert sich Altlengbachs SP-Bgm. Wolfgang Luftensteiner: „Es wäre legitim, beide Geschlechter zu einem möglichen verpflichtenden Sozialdienst, den ich begrüßen würde, heranzuziehen. Gleichberechtigung kann nicht nur eine Dimension haben.“

Ecker: „Luftblasen“
Gar nichts davon hält Asperhofens VP-Ortschef Josef Ecker: „Das sind alles Luftblasen, die erst durchdacht werden müssen“. Maria Anzbachs Bgm. Karin Winter (VP): „Alle für ein verpflichtendes Sozialjahr heranzuziehen schadet niemandem, dient der Allgemeinheit und bringt den Jungen ein Gefühl für Solidarität. Auch Mädchen.“ Neulengbachs Bgm. Franz Wohlmuth (VP) setzt auf Freiwilligkeit und will auch keine Frauen für ein Sozialjahr verplfichten.

Kommentar
Ohne Tabus

Ein verpflichtender Sozialdienst für alle? Vor Jahren hätte man sich nicht nur aus der emanzipierten Damenwelt einen Rüffel für derartige Ideen geholt, sondern aus allen politischen Lagern Protest geerntet. Das Bild hat sich gewandelt. Und das ist gut so. Denn es schadet beleibe niemandem, ein Stück Lebenszeit für die Allgemeinheit da zu sein und gleichzeitig die Erfahrung zu machen, dass Solidarität, Helfen und der Einsatz für den Nächsten sinngebend sind. In Zeiten von Ich-AGs und geilem Geiz wird man mit einer Verpflichtung für ein Sozialdienstjahr auch jene aus dem Eck hervorholen, die sich damit schwer tun. Bei vernünftigen Rahmenbedingungen kann langfristig den Problemen im Pflegebereich, etwa im Kostenbereich, entgegengewirkt werden. Auch sämtliche Hilfsorganisationen von Rettung bis Feuerwehr brauchen nicht stets auf´s Neue bangen, ausreichend Personal zu finden. Egal was mit dem Bundesheer passiert, die Debatte um das verpflichtende Sozialdienstjahr sollte ohneTabus geführt werden. Dass unsere Lokalpolitiker dafür soviel Offenheit an den Tag legen, zeugt von ausgeprägtem Hausverstand.

Werner Pelz
Tel.: 0676 700 11 75
Mail: wpelz@bezirksblaetter.com

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