23.09.2014, 08:58 Uhr

Die Dornrosen, wie sie wirklich sind

Die drei Schicho-Schwestern kehren nach der Babypause in Ober-Grafendorf zurück auf die Bühne. Ein Gespräch.

ST. PÖLTEN/OBERGRAFENDORF (jg). Die Dornrosen sind mit ihrem Popkabarett aus der deutschsprachigen Szene nicht mehr wegzudenken. Den Bezirksblättern erzählten zwei der drei Schwestern, wie sie die Babypause genutzt haben und was Fans im neuen Programm erwartet.

Sie haben für Ihre Show einen eigenen Regisseur engagiert. Wie ist es dazu gekommen?
Katharina: "Wir haben für jede Show einen anderen Regisseur. Unser aktuelles Programm 'unverblümt' hat Hannes Ringlstetter aus Bayern gemeinsam mit uns erarbeitet. Er hat uns in seine Fernsehshow eingeladen und war so frech zu uns, dass wir gewusst haben, das wäre einer, der mit uns auf Augenhöhe arbeiten könnte."
Muss man frech sein, um bei Ihnen punkten zu können?
Veronika: "Naja, wir sind sehr offene und wenn es sein muss auch laute Menschen. Man muss sich bei uns schon was trauen, um mit uns mithalten zu können."
Stichwort laut: Kommt es zwischen Ihnen manchmal zu Reibereien?
Katharina: "Reibereien ist das falsche Wort. Unsere dritte Schwester sagt immer, ich bin der Diktator in unserer Demokratie. Aber mittlerweile haben die jüngeren an Meinung zugelegt, sodass ich eh keine Chance mehr habe."
Ist es eine Alterserscheinung, dass man als älteste von drei Schwestern im Verlauf der Zeit an Autorität verliert?
Katharina: "Gott sei Dank ist es so."
Die Interessengemeinschaft Kultur Österreich wies in der Vergangenheit wiederholt darauf hin, „dass die niedrigen und stets sinkenden Einkommen im Kunstbereich besonders für Frauen gefährlich sind“. Leben Sie mit Ihrer Kunst gefährlich?
Veronika: "Es ist nicht leicht, sagen wir mal so. Du bist als Selbstständiger natürlich darauf angewiesen, dass das Geschäft passt. Und als Frau ist es schon schwierig, wenn du, so wie es bei uns der Fall ist, dass Christine Kinder bekommt, und wir machen dazwischen Karenzpause, Christine zwar Karenzgeld bekommt, wir aber nicht. Gerade wenn du Kinder haben willst, musst du letztlich Abstriche machen."
Gibt es konkrete Beispiele für Schwierigkeiten, auf die Sie im Verlauf Ihrer Karriere gestoßen sind?
Katharina: "Ja. Wenn du eine junge Frau bist und ein bisschen was gleichschaust, wirst du von vornherein gleich darauf reduziert. Selten, dass wer von Haus aus annimmt, dass du vielleicht ein Hirn, eine musikalische Bildung und Humor hast. Je älter man wird, desto leichter wird es jetzt."
Veronika: "Für Außenstehende ist es aber mehr Thema als für uns. Es ist eher so, dass wir auf das Thema immer angesprochen werden, weil es aktuell in Österreich einfach ein Thema ist."
Am 2. Oktober kehren Sie in Ober-Grafendorf aus der Babypause auf die Bühne zurück. Wie haben Sie die Pause genutzt?
Veronika: "Wir haben es uns gut gehen lassen und waren auf Urlaub. Wir haben die Zeit aber auch dafür genutzt, Kollegen und deren Programme besser kennenzulernen."
Katharina: "Wir haben Ideen gesammelt, neue Erfahrungen gemacht – und aus diesen kann man dann wieder schöpfen."
Veronika: "Ich habe mir gerade einen schönen Kontrabass aus dem 19. Jahrhundert gekauft, und den habe ich von oben bis unten bespielt."

"Auf jeden Lacher folgt ein musikalischer Moment"

Damit sind wir bei der Musik angelangt. Sie betreiben Popkabarett. Was ist das?
Katharina: "Pop steht dafür, dass es eine Musik ist, die leicht anzuhören ist. Wir verschmelzen viele verschiedene Musikrichtungen."
Veronika: "In dem Sinne steht Pop bei uns für Popularmusik."
Wie verhält sich das Verhältnis zwischen Pop und Kabarett in Ihren Programmen?
Katharina: "In Prozenten?"
Gerne auch in Minuten.
Katharina: "Ich würde sagen, auf jeden Lacher folgt ein musikalischer Moment."
Am 6. November gastieren Sie in Altlengbach, am 11. Dezember erneut in Ober-Grafendorf. Verträgt das Publikum rund um St. Pölten eine so große Portion „Dornrosen“?
Katharina: "Wie viele Einwohner gibt es in Wien und Niederösterreich? Ganz, ganz viele – Ich glaube, es vertragt es."
Veronika: "Wir sind sehr viel in Niederösterreich und spielen gerne vor allem im Raum St. Pölten, weil das Publikum sehr gut ist. Anscheinend taugt es den Leuten. Also das passt schon."
In Ihrem aktuellen Programm „unverblümt“ erzählen Sie aus ihrem Schwesterndasein und dem angeblich modernen Frauenleben. Was dürfen sich Ihre Fans dahingehend erwarten?
Katharina: "Wir versuchen uns in dem Programm so zu zeigen, wie wir wirklich sind. Weil in unserem Genre neigt man dazu, auf der Bühne jemanden zu spielen. Und je älter man wird, desto unlustiger ist das für einen selbst. Wir haben daher das Augenmerk darauf gelegt, uns zu zeigen, wie wir wirklich sind, weil es uns selber reizt und glauben, dass wir privat interessant genug sind, um das zeigen zu können. Es ist schwierig, nicht zu spielen. Aber wir haben gesagt, jetzt spielen wir nur noch auf den Instrumenten, und sind sonst ganz ehrlich."
Um den Kreis zu schließen: Welche Rolle hat dabei der Regisseur gespielt?
Veronika: "Der Regisseur war eher dafür da, uns Hilfe zur Selbsthilfe zu geben. Er hat uns nur vermittelt, was wir selber mit uns und an uns arbeiten sollen, aber nie etwas vorgeschrieben, was wir sagen oder tun sollen. Er hat uns so in unserer Persönlichkeit dahin gebracht, dass wir selber richtig entscheiden."

Nähere Infos zu den Vorstellungen im Raum St. Pölten und Tickets unter www.bestmanagement.at
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