15.10.2014, 07:30 Uhr

Diese Toxine lagern in St. Pölten

18 Feuerwehrmänner aus dem Abschnitt St. Pölten-Stadt rückten kürzlich zu einem Schadstofftraining nach Deutschland aus. (Foto: FF St. Pölten)

Achtung Explosionsgefahr! Gefahrgüter sind in St. Pölten auch dort zu finden, wo man sie nicht vermutet.

ST. PÖLTEN (jg). Sie sind explosiv, hochgiftig, radioaktiv oder brennen einfach nur verdammt gut. Millionen Tonnen Gefahrgut lagern in heimischen Firmen oder rollen über Straßen und Schienen. Die Bezirksblätter haben sich umgehört, wo in St. Pölten die geheimen Gefahren lauern.
"Früher war etwa die Glanzstoff ein gefahrengeneigter Betrieb", sagt Martin Schifko. "Heute ist es vor allem die Sunpor", so der Feuerwehrmann aus St. Pölten. Hier wird etwa Pentan genutzt, um Styropor herzustellen.
Die farblose Flüssigkeit mit der Summenformel C5H12 ist hochentzündlich, gesundheitsschädlich und umweltgefährdend. Kommt es in dem Unternehmen zu einem Notfall, zum Beispiel zu einem Gasaustritt, kann dies bis zur Evakuierung der Bevölkerung führen. Programme berechnen je nach Wind und Wetter die Ausbreitung, dementsprechend wird gehandelt.

Anzüge für die Eishalle

An die 100 ausgebildete Schadstoffspezialisten gibt es im Raum St. Pölten. In den letzten Jahren ist es laut Schifko allerdings selten vorgekommen, dass der Schadstoffzug der Feuerwehr ausrücken musste. Auf der Hut muss man trotzdem sein, denn Gefahren lauern selbst dort, wo man es nicht vermuten würde.
"Im Haushalt gibt es viele Stoffe, die über Gefahrenpotenzial verfügen", so Schifko. Reinigungsmittel etwa, die zusammengeleert werden, können miteinander reagieren. Oder in der Landessportschule: Die Kühlanlage der Eishalle wird mit Ammoniak – giftig und umweltgefährdend – betrieben. Für etwaige Einsätze in diesem Objekt sind bei der Freiwilligen Feuerwehr St. Pölten-Wagram drei Stück gasdichte Chemikalienschutzanzüge stationiert.

Sicherheitsabstand einhalten

Zudem rollen Gefahrgüter auch über St. Pöltens Straßen, je nach Situation auf vorgeschriebenen Routen. Zu erkennen sind die "rollenden Bomben" durch orangefarbene Tafeln ergänzt durch Symbole (etwa ein Totenkopf) und Gefahrgut-Kennzeichnungen.
Wenn eines dieser Gefährte in einen Unfall verwickelt ist, empfiehlt Schifko, einen Sicherheitsabstand einzuhalten. "30 bis 60 Meter", sagt er. Und außerdem: "nicht rauchen und kein offenes Licht".

Kennzeichnung gefährlicher Stoffe

Auf sogenannten Gefahrenzetteln sind die Hauptgefahren, die von gefährlichen Stoffen ausgehen, in Form eines Symbols dargestellt. Gefahrenzettel sind etwa auf Lastkraftwägen und Zugwaggons, die Gefahrengüter transportieren, oder auf Verpackungen im Haushalt angebracht. Die Einteilung erfolgt nach Gefahrgutklassen.
Diese reichen von explosionsgefährlich (Klasse 1) über entzündbare, nicht entzündbare und giftige Gase (Klassen 2.1 bis 2.3), ansteckungsgefährliche Stoffe (Klasse 6.2) und radioaktive Stoffe (Klasse 7) bis hin zu "verschiedenen gefährlichen Stoffen und Gegenständen" (Klasse 9).
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