06.10.2014, 16:19 Uhr

Eine Heimat im fremden St. Pölten

Hannes Ziselsberger betreut mit dem Verein Wohnen 124 Flüchtlinge im Raum St. Pölten.

354 Asylwerber leben nach letztem Stand in der Landeshauptstadt. Mehr Unterkünfte für Flüchtlinge sind in Planung.

ST. PÖLTEN (jg). Hannes Ziselsberger spricht von "viel Dankbarkeit", die Flüchtlinge den Mitarbeitern des Vereins Wohnen entgegenbringen. Manchmal käme bei Asylwerbern aber auch Einsamkeit durch: "Etwa wenn eine Familie in einem kleinen Ort keinen Anschluss findet", sagt der Geschäftsführer, der mit seinem Team das Ziel verfolgt, Menschen nach der Flucht zu einer "Heimat in der Fremde" zu verhelfen.

354 Asylwerber in St. Pölten

Was Menschen auf ihrer Flucht aus Krisengebieten wie Syrien widerfährt, konnte kürzlich am St. Pöltner Rathausplatz verfolgt werden: Über 300 Besucher informierten sich über Beschwerlichkeiten auf der Flucht in ein sicheres Land. Niederösterreich zum Beispiel, konkret St. Pölten. 354 Asylwerber sind in der Stadt gemeldet. Wie es diesen hier ergeht, lässt sich zum Teil nur schwer ermitteln. Besuche von Journalisten in Flüchtlingsunterkünften sind nicht erwünscht. Zurückhaltung scheint dahingehend das Gebot der Stunde, um die ohnehin hitzigen Debatten über neue Flüchtlingsunterkünfte in dieser oder jener Gemeinde nicht weiter zu schüren.

Elf Antworten auf 1.250 Briefe

1.250 Briefe wurden vom Land an Pfarren verschickt, um neue Unterkünfte für Flüchtlinge zu finden. Lediglich elf wurden beantwortet. Das Verschicken der Schreiben sei nicht in Absprache mit der Diözese geschehen, wodurch Pfarren verwundert und der Rücklauf gering gewesen seien, so Markus Riccabona von der Diözese St. Pölten. Ähnliche Aufrufe waren letztlich erfolgreicher: 60 Personen wurden laut Diakonie in den vergangenen Wochen in Privatquartiere in Niederösterreich vermittelt. Dahingehend lassen sich auch im Raum St. Pölten Beispiele finden: Der leerstehende Pfarrhof in Nußdorf ob der Traisen etwa wird adaptiert. Mit Jahreswechsel könnten dort Flüchtlinge unterkommen.

Erst Verständnis schaffen

Der Verein Wohnen selbst erhöhte aufgrund der Nachfrage die Zahl der Wohnungen für Asylwerber auf 35. Und in einer weiteren Gemeinde nahe St. Pölten engagiert sich der Pfarrgemeinderat. Zwei Unterkünfte für Flüchtlinge sind bereits fix, vier könnten es werden. Um welche Gemeinde es sich handelt, soll noch geheim bleiben. Man wolle erst mit einer Infoveranstaltung Verständnis schaffen.
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