10.09.2014, 07:59 Uhr

"Eines unserer obersten Ziele ist Toleranz"

Statt auf radikalen Islam wird beim islamischen Kulturverein St. Pölten auf Gemeinschaft und Bildung gesetzt.

ST. PÖLTEN (jg). "Servus Hans", grüßt Ahmet Pek einen Arbeitskollegen, der extra in das Vereinshaus des islamischen Kultur- und Wohltätigkeitsvereins St. Pölten gekommen ist, um sich beim dort untergebrachten Frisör die Haare schneiden zu lassen. Nur wenige Minuten zuvor hatte Pek – offensichtlich treffend – von einem "für alle offenes Haus" gesprochen.

Toleranz statt Gotteskrieger

Die Verhaftung eines islamistischen Gotteskriegers im Bezirk Gmünd zeigte kürzlich, dass der internationale Terror bis Niederösterreich reicht. In Folge stieg das Misstrauen gegenüber muslimischen Einrichtungen. Für das islamische Kulturzentrum in St. Pölten scheint dies jedoch nicht angebracht. "Der radikale Islam wirkt bei uns nicht ein. Eines unserer obersten Ziele ist Toleranz", sagt Enes Pek, Obmann der Jugendorganisation des Vereins, der 1996 nach der Schließung der Glanzstoff gegründet wurde und in dem viele der rund 5.000 Muslime, die im Raum St. Pölten leben und sich aus 18 verschiedenen Nationalitäten zusammensetzen, Gemeinschaft finden.

Spielplatz und Klassenzimmer

Beim Lokalaugenschein sitzt eine Gruppe von Männern auf der Terrasse des Vereinshauses und trinkt Tee aus dem Teehaus, das gegenüber dem Frisör liegt. Auf dem 4.600 Quadratmeter großen Grundstück stehen zwei Fußballtore, ein Kinderspielplatz und ein riesiger Griller. Im Keller des Gebäudes bietet ein Geschäft Waren feil, über die Geschosse verteilt finden sich Gebetsräume für Frauen und Männer, Waschräume und Klassenzimmer.

Perspektiven und Ziele

In diesen wird nicht nur der Koran gelehrt. Die Jugendlichen spornen sich hier auch gegenseitig an, indem sie sich Perspektiven und Ziele aufzeigen, wie Enes Pek erzählt. "Die Bildung ist die höchste aller Stufen", besagt dahingehend eine kunstvolle Tafel im Gebetsraum. Und die Arbeit im Verein trägt Früchte: Mehr als die Hälfte der 17 Jugendlichen, die im Vorstand der Jugendorganisation für die 18- bis 26-Jährigen sitzen, studiert an einer österreichischen Institution. Denn nicht zuletzt gelte es, ein weiteres im Verein angestrebtes Ziel zu erreichen: "Wir wollen für die Gesellschaft nützlich sein", sagt Pek.
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