03.09.2014, 08:00 Uhr

Mit dem Nachzipf die Ferien verbaut

Sprach-Nachhilfelehrerin Janker empfiehlt, viel zu lesen und Filme in Englisch zu schauen.

Zahl der Nachhilfeschüler steigt, herkömmlicher Nachzipf gehört in Oberstufe bald der Vergangenheit an.

ST. PÖLTEN (red). "Eigentlich schon, weil ich mich die ganze Zeit mit dem Lernen beschäftigt habe und die Ferien deshalb nicht genießen konnte wie sonst", antwortet die St. Pöltner Schülerin Andrea (Name von der Redaktion geändert) auf die Frage, ob sie sich mit der Nachprüfung ihre Ferien verbaut habe. Täglich lernte sie in den vergangenen Monaten zwei bis drei Stunden und nahm einmal wöchentlich zwei Stunden Nachhilfe, um sich auf die Nachprüfung in Deutsch vorzubereiten.

670 Euro für Nachhilfe

Zu Beginn dieser Woche entschied sich das Schicksal von 6.500 jungen Niederösterreichern, die sich in den Ferien auf einen Nachzipf vorbereiten mussten. Dabei haben sich die Betroffenen nicht nur die Ferien verhaut, sondern auch die Finanzen der Eltern ordentlich belastet. Laut einer Studie der Arbeiterkammer geben diese im Schnitt 670 Euro für Nachhilfe aus, pro Stunde fallen zwischen 15 und 37 Euro Kosten an.

50 Prozent aus der AHS

Andreas Eltern berappten für zehn Nachhilfestunden im Paket 270 Euro. Auch über diese Aufwendung hinaus stelle die Prüfung laut der Oberstufenschülerin eine Belastung für die Eltern dar: "Weil ich eh schon einmal sitzengeblieben bin", sagt sie. Brigitte Karner-Fritz, Standortleiterin vom St. Pöltner Lernquadrat, spricht angesichts der Zahl, die Andreas Schicksal teilen, von einer deutlichen Zunahme, wobei die meisten Schüler wegen Mathematik und insgesamt 50 Prozent der Nachhilfeschüler aus der AHS-Oberstufe kämen. Die St. Pöltner Lerntrainerin Manuela Weinberger bestätigt einen Anstieg ebenso wie Nachhilfelehrerin Karin Janker.
Die Scheu davor, Hilfe in Anspruch zu nehmen, habe abgenommen, nennen Weinberger und Janker einen Grund für den Anstieg. Zudem werde Nachhilfe als Förderung positiver wahrgenommen. Weinberger setzt mit ihrem Angebot, eigenständiges Lernen zu fördern, genau da an. Denn Nachhilfe nehme man meist dann, wenn der Fünfer schon da sei.

In Zukunft kein Nachzipf

Während es Fünfer im Oberstufenrealgymnasium Neulengbach zwar noch gibt, gehören dort Nachprüfungen im herkömmlichen Sinn allerdings der Vergangenheit an: "Ich habe jetzt bereits im dritten Jahr den Schulversuch 'Oberstufe neu', der ab dem Schuljahr 2017/2018 flächendeckend kommen wird", sagt Direktor Johannes Hiller. In dem System können negative Noten in die nächste Schulstufe mitgenommen und es müssen sogenannte Semesterprüfungen abgelegt werden. Bestehen Schüler diese nicht, müssen sie nur die negativen Fächer wiederholen, die anderen Noten bleiben erhalten. "Diese Reform ist sicherlich eine Chance, diesen Nachprüfungswahnsinn zu ändern, wenn die Eigenverantwortung, die man dann Schülern zumutet, richtig verstanden und übernommen wird", so Hiller.
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