19.09.2014, 08:04 Uhr

Promis präsentierten Bildungssaison des Hiphauses

Präsentationsabend ua. mit Weihbischof Anton Leichtfried, Hiphaus-Rektor Gottfried Auer, Hiphaus Direktor Erich Wagner-Walser, Caritas-Direktor Franz Küberl, diözesanem Personalchef Helmut Haberfellner (Foto: Zarl)
ST. PÖLTEN (dsp/red). Das St. Pöltner Bildungshaus St. Hippolyt präsentierte seine Programmstruktur und eröffnete die „Bildungssaison“. Unter dem Motto „WeltenBummeln“ lädt die renommierte Bildungseinrichtung dazu ein, „gemeinsam zu bummeln und damit Neues zu entdecken“, so Direktor Erich Wagner-Walser. Bekannte Referenten stellten dabei die verschiedenen Welten vor, die sich im neuen Bildungsprogramm abbilden.

Küberl: Häuser der Begegnung

Der steirische Caritas-Direktor und langjährige Caritas-Österreich-Präsident Franz Küberl sprach zum Thema Um-Welt. Kein Mensch könne für sich alleine leben, es brauche andere zum Leben. Bildungshäuser seien Häuser der Begegnung, in denen es ein „permanentes Pfingstereignis“ gebe, weil hier Menschen unterschiedlicher Sprachen zusammenkämen und voneinander lernen würden. Hier würden Mauern niedergerissen werden und das „Nichtwissen-Wollen geknackt“.

Für Küberl gibt es drei zentrale Punkte bei Fragen der Um-Welt: Akkulturation, Noosphäre und Demokratie. Bei der Akkulturation gehe es um das Hineinwachsen in eine Kultur: Was sind die Gemeinsamkeiten und Universalia? Bildungshäuser könnten hier helfen die Menschen zusammenzuführen. Weiters führte Küberl den Gedanken der Noosphäre aus: Unter der Erdhülle habe jeder Mensch Anteil am Geist und am Ganzen. Das sei wichtig in Hinsicht für die Globalisierung. Auch die Armen, die Geknechteten, die Ausgebeuteten und die Vertriebenen dürfen sich als Teil einer denkenden und fühlenden globalisierten Hülle (Noosphäre) verstehen. Und diese wissen nicht nur um ihr Elend, sondern auch um Gegenden der Welt, in denen besser, friedvoller, zukunftsgesicherter gelebt werden kann. So hätten die meisten Fragen eine globale Dimension (Klima, Arbeit …). Für Bildungshäuser gelte es, diese großen Fragen zu entschlüsseln. Als dritten Punkt führte Küberl das Thema Demokratie aus. Dazu brauche es Institutionen wie Rechtsstaatlichkeit oder Rechnungshof. Diese würden in Österreich gut funktionieren. Weiters brauche es eine Bürgerschaft, die Einsicht in die Prinzipien für das Funktionieren von Demokratie hat. Und Demokratie müsse sich auch in schwierigen Situationen bewähren und praktisch umgesetzt werden. Dieses Bild von Demokratie müsse inhaltlich gefüllt werden, was auch eine Aufgabe von Bildungshäusern sei.

Leichtfried: Bildungshäuser schaffen Herzensbildung

Der St. Pöltner Weihbischof Anton Leichtfried sprach über Innen-Welt. Er gab zu bedenken, dass sich Menschen häufig wie in einem Hamsterrad fortbewegen würden: immer schneller und schneller, weil es vielfach Druck in der Gesellschaft gebe. Als Glaubende müssten wir uns aber nicht fürchten was wir zusammenbringen. Denn ein starker Gott halte die Welt zusammen und er sei zeitlich gesehen am Anfang, in der Mitte und am Ende unseres Lebens mit uns. Und dann in der Vollendung. Die Innen-Welt stünden bei einem Bildungshaus für den Weihbischof Leichtfried dafür, Herzensbildung zu schaffen.

Fauma: Ernährungslügen der Lebensmittelindustrie

Die Linzer Ernähungswissenschaftlerin Eva Fauma thematisierte Körper-Welt. Sie warnte vor Ernährungslügen der Lebensmittelindustrie. So würden grüne Oliven geschwärzt, um Reife zu suggerieren. Kaffee würde aufgezuckert, der Schnaps nach der Mahlzeit sei nicht gesundheitsfördernd und frisches Gemüse sei nicht gesünder als tiefgefrorenes. Sie empfahl, in den Körper reinzuhören, was man braucht – etwa ein Frühstück ja oder nein. Um diesen Lebensmittellügen zu entgehen, sollten Konsumenten mit Hausverstand wählen: etwa natürliche Lebensmittel bzw. Grundnahrungsmittel wie Nüsse, Obst, Gemüse, Fisch usw., wo keine Zusatzstoffe sind.

Lehner: Bedürfnis nach Beziehungen

Der Männer- und Geschlecherforscher Erich Lehner sprach über Beziehungs-Welt. Studien wie die Europäische Wertestudie oder die deutsche Drei-Generationen-Studie von Schmidt würden zeigen, dass „die ganze Welt weiß, wie wichtig Beziehungen sind“. Die Drei-Generationen-Studie komme zu folgenden Ergebnissen: 95 Prozent der Befragten sehen die Zweier-Beziehung als ideal, 83 Prozent sagen, Beziehung solle lebenslang halten und 80 Prozent der 30-Jährigen wollen Kinder. Es gebe ein immenses Bedürfnis nach dauerhaften Beziehungen. Die Dauer allein sei laut diesen Umfragen zu wenig, es brauche auch Qualität und Intensität. Die Europäische Wertestudie aus dem Jahr 2008 besage, Familie sei der wichtigste Wert. Bei Männern bestimme aber das Thema der Vorsorge, bei Frauen die Liebe. Zwei Drittel der Österreicherinnen und Österreicher leben in einer Beziehung. Aufgabe von Bildungshäusern solle durchaus sein, Menschen in ihren Beziehungen zu begleiten, gerade auch unfreiwillige Singles.

Bildungshäusern empfahl er mitzuhelfen, an der Beziehungsfähigkeit von Menschen zu arbeiten. Dazu solle das Wissen vermittelt werden, dass Scheitern nicht so sehr am Nicht-Wollen, sondern oftmals an den Rahmenbedingungen liege. Sollbruchstellen seien die Aufteilung der Kinderbetreuung oder die Pflege von alten Menschen.

Sehnsucht nach Partnerschaft

Alle Umfragen würden also sagen, dass es bei den Menschen eine große Sehnsucht nach Partnerschaft und Beziehung gibt. Allerdings gebe es Strukturen, die das Gelingen einer solchen erschweren. Kirche könnte nun einen nichtwertenden Raum der Auseinandersetzung anbieten. Menschen bräuchten nicht Belehrung, wie Partnerschaft gelingen kann. Sie würden eher von Begleitung profitieren, wenn sie ihre gelingenden, aber vor allem auch nicht gelingenden Beziehungserfahrungen austauschen und reflektieren können und so lernend die Höhen und Tiefen einer Beziehung durchleben.

Die St. Pöltner Improtheatergruppe „Jumpers reloaded“ schloss mit ihrem Thema Kultur-Welt mit ihrem frei improvisierten Theater den Welten-Bummel-Abend des Bildungshauses St. Hippolyt.
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