07.09.2014, 08:00 Uhr

Prozess: In Herzogenburger Wachzimmer randaliert

Richter Markus Grünberger fragte den Beschuldigten, ob er unter Drogen stehe. (Foto: Probst)
ST. PÖLTEN/HERZOGENBURG (ip). Im blütenweißen Anzug, mit Strasssteinen verziert, weißem Gilet und weißen Schuhen trat ein 20-jähriger Türke aus der Umgebung von St. Pölten vor den Richtertisch, zog einen Koran aus der Tasche, legte ihn vor Jugendrichter Markus Grünberger und schwor darauf, die Wahrheit zu sagen und nicht mehr straffällig zu werden.
Auf die Frage des Richters, ob er unter Drogen stehe, meinte der Angeklagte, er sei seit zwei Tagen auf Entzug und zu den Vorwürfen von Staatsanwältin Michaela Obenaus bekenne er sich nicht schuldig. Vor dem Richter lagen vier Strafanträge, drei davon wegen diverser Suchtgiftdelikte, einer wegen versuchten Widerstands gegen die Staatsgewalt und Sachbeschädigung.

An Füßen und Händen gefesselt

Laut Obenaus habe sich der Bursche, bei dem noch 23 Monate Haft aus mehreren Vorstrafen offen sind, im Wachzimmer der Polizei in Herzogenburg im März 2014 derart gegen seine Festnahme gewehrt, dass er bäuchlings an Füßen und Händen gefesselt werden musste. Sogar der Kopf musste festgehalten werden um mögliche Bissattacken gegen die Beamten zu verhindern.

Wodka, Bier und Tequila

„Ich wurde noch nie in meinem Leben so schikaniert“, behauptete der Türke. Er habe zuvor eine halbe Flasche Wodka, fünf Bier, acht Tequila und einige Mixgetränke konsumiert, sei aber durchaus noch in der Lage gewesen, die Situation einzuschätzen. Er habe jedoch provoziert in der Hoffnung, „… dass ich so verletzt werde, damit die Beamten angezeigt werden“, gestand er. Dass er, während er alleine in einem Raum saß, die Wände demoliert und zerkratzt habe, gestand er insofern, dass er die Schadenersatzforderungen der Republik anerkannte.

Klärung noch offener Fragen

Zu der Festnahme kam es wegen eines Vorführbefehls. Er habe zunächst ganz normal gesprochen, von seiner angeblichen Alkoholisierung habe man nichts bemerkt, meinten die Beamten im Zeugenstand. Man habe sogar einen Arzt geholt, als der Festgenommene über Atemprobleme sprach. Dieser konnte keinerlei Beeinträchtigung des Beschuldigten erkennen. Grünberger vertagte den Prozess, zur Klärung noch offener Fragen.
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