28.01.2018, 08:16 Uhr

Bürgerliste MIT: "Wohnbaupreis für Traismauer ist ein schlechter Faschingsscherz!" -

Ein Vergleich des Stadtbildes von 1923 bis heute: Das historische Stadtbild von Traismauer wurde bisher durch eine homogene und über Jahrhunderte entstandene Baustruktur geprägt, dieses wurde nun durch den industriellen Zweckbau für immer zerstört.
Befangenheit der Juryzusammensetzung ist "provinziell und peinlich".  ----

Erst letzte Woche präsentierte der Traismaurer SPÖ-Bürgermeister Pfeffer den Alpenland-Monsterbau am Hauptplatz 11 als Siegerprojekt eines "NÖ. Wohnbaupreises 2017". Die Bürgerliste MIT deckt nun eine eindeutige Befangenheit der befassten Architekten der Fachjury hinsichtlich der Siegergenossenschaft, nämlich der Genossenschaft Alpenland, auf: Gleich zwei (!) der insgesamt drei Architekten der Fachjury bzw. deren Unternehmen sind bzw. waren direkte Auftragnehmer der Wohnbaugenossenschaft Alpenland und stehen damit in einem direkten wirtschaftlichen Auftragsverhältnis zu dieser Genossenschaft. Der dritte Fachexperte im Bunde ist oftmaliger Auftragnehmer gleich einiger (!) niederösterreichischer Wohnbaugenossenschaften. Und der Juryvorsitzende ist gleichzeitig auch Obmannstellvertreter der ARGE Wohnen NÖ, die vom Alpenland-Obmann Norbert Steiner wesentlich beeinflusst wird (er ist im Vorstand dieser ARGE).

„Das ist in Wahrheit eine reine Inzuchtveranstaltung, bei der sich Architekten und Genossenschaften ganz offen Jahr für Jahr wechselseitig für monströse Zweckbauten ein kreatives Deckmäntelchen verleihen, der dann sogar in der Öffentlichkeit noch als unabhängiger Architekturpreis verkauft werden soll. Das ist maximal ein schlechter Beitrag für eine Faschingssitzung, jedenfalls kein ernstzunehmendes Zeugnis für städtebaulich sensible Architektur. Wir als Bürgerliste empfehlen SPÖ-Bürgermeister Pfeffer nun als logische Folge dringend, eine Jury aus drei weiteren niederösterreichischen SPÖ-Bürgermeistern zu bilden, um sich dann selbst den Preis für die beste und kreativste Wählertäuschung verleihen zu lassen!“, erklärte heute dazu MIT-Obmann Rudolf Gerlach.

Ztl.: Juryzusammensetzung hält keinem objektiven Standard stand.

"Einem auch international üblichen, objektiven Standard würde eine derartige Juryzusammensetzung nicht standhalten, das ist nur provinziell und peinlich! Wenn man diesen Architekturpreis ernst nehmen soll, muss die Fachjury von unabhängigen und nach Möglichkeit auch international renommierten Architekten gebildet werden, die zumindest bzw. jedenfalls in keinem Auftragnehmerverhältnis zu den eingereichten Projekten stehen dürfen. Es ist mir unverständlich, warum sich Fachleute für so eine Polit-Farce zur Verfügung stellen und sich nicht von selbst für befangen erklären", zeigte sich Gerlach erstaunt. Weitere Jurymitglieder waren zwei weisungsgebundene Beamte des Landes und ein Genossenschaftsvertreter.

Ztl.: Zur Geschichte des Projektes Hauptplatz 11:

Eine Unterschriftenaktion einer parteiunabhängigen Bürgerinitiative "Unser Traismauer attraktiv erhalten" im November und Dezember 2013 brachte eine klare Willensäußerung zum monströsen Zweckbau am Hauptplatz 11: Über 550 Bürgerinnen und Bürger von Traismauer, konkret 552, unterzeichneten dabei die Petition gegen das geplante Bauprojekt am Hauptplatz 11. Der Bürgerinitiative war es dabei immer wichtig, zu betonen, dass nicht das Projekt oder die Idee eines "Betreuten Wohnens" in Traismauer an sich in Kritik steht bzw. gestanden ist, sondern ausschließlich die äußere Form der Bauweise und Architektur des Baukörpers.

Die Forderungen dieser Unterschriftenaktion nach einer ortsüblichen Bauform wurden in nachfolgenden Gesprächen mit dem Bauwerber und dem Bürgermeister (= Baubehörde) und dem Genehmigungsverfahren völlig negiert. Dabei hat die Traismaurer Baubehörde in einigen Punkten geltende Gesetze und Verordnungen missachtet bzw. sehr locker ausgelegt, etwa
• in Fragen der Stellplatzverpflichtung nach §63 der NÖ. Bauordnung,
• bei der völligen Missachtung einer geltenden"Schutzzonenverordnung" des Gemeinderates der Stadtgemeinde Traismauer aus 2008,
• bei der Änderung des Bebauungsplanes ohne normierten Änderungsanlass im September 2013.

Ztl.: Zum Traismaurer Hauptplatz

Das Stadtzentrum von Traismauer entstand im Laufe vieler Jahrhunderte und bildete bisher ein harmonisches Ensemble. Der Hauptplatz von Traismauer wird durch einen geschlossenen und historischen Bauzustand geprägt, der die großen Entwicklungsstufen Spätantike, Mittelalter, Barock und Gründerzeit widerspiegelt und sichtbar macht. Mit dem Monsterbau der Alpenland-Genossenschaft wurde dieses Ensemble nun für immer vom Stadtbild her zerstört.

Anhang/Belege: Zur Jury im Detail
Der "Fachkreis" der Architekten setzte sich dieses Mal in der Jury zusammen aus:
• Architekt DI Leopold Dungl (Anm.: primär ausgewiesen durch Arbeiten für viele NÖ. Wohnbaugenossenschaften, siehe https://www.archimedia.at/index.php/arbeiten/wohnb...)
• Architekt DI Helmut Stefan Haiden (Anm.: direkter Auftragnehmer der Genossenschaft Alpenland, siehe http://www.architekt-haiden.at/projekt.php?projekt...)
• Architektin DI Martina Podivin (Anm.: direkte Auftragnehmerin der Genossenschaft Alpenland, siehe http://www.apm.co.at/fuer/bautraegerinnen-investor... z.B. Projekt Poysdorf)
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