Gedenktafel für NS-Vertriebenen beschmiert: VHS-Direktor will Sprayern Nachhilfe geben

Die 2013 anlässlich der Benennung nach Paul Amann bei der Brücke angebrachte Tafel wurde verunstaltet.
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  • Die 2013 anlässlich der Benennung nach Paul Amann bei der Brücke angebrachte Tafel wurde verunstaltet.
  • Foto: Streibel
  • hochgeladen von Christine Bazalka

HIETZING/PENZING. Paul Amann wurde 1884 in Prag geboren und war ab 1911 in Wien Lehrer an der Goethe-Realschule in der Hietzinger Astgasse. Er veröffentlichte Werke zu theoretischen Fragen, übersetzte aus dem Französischen und verfasste eine französische Goethe-Biographie. Über fünf Jahrzehnte hindurch hielt er brieflichen Kontakt mit Thomas Mann - eine Korrespondenz, aus der man viel über das Werk des Letzteren herauslesen kann.

Amann war Jude und wurde 1938 nach der Machtübernahme der Nazis in Österreich zwangspensioniert. Mit einem Umweg über Frankreich floh er gemeinsam mit seiner Familie in die USA, wo er an amerikanischen Colleges unterrichtete und 1958 starb.

2013 wurde der frühere Aststeg über die Wien nach Paul Amann benannt, daneben erinnert eine Gedenktafel an ihn. "Die Benennung der Brücke nach Paul Amann richtete sich gegen autoritäre politische Entwicklungen" kann man dort lesen - allerdings nicht besonders gut, denn Unbekannte haben die Tafel vor kurzem beschmiert.


Verärgert: VHS-Direktor Robert Streibel

Der Direktor der Hietzinger Volksschule Robert Streibel, der sich um Benennung und Tafel bemüht hat, hat sich zunächst geärgert und dann versucht, die Farbe wegzuputzen - mit mäßigem Erfolg.

"Da ist Luft nach oben"

Nun ändert er seine Taktik und wendet sich mit einem offenen Brief an die Sprayer. "Seid Ihr mit Eurem Werk zufrieden? Ich finde, da ist noch Luft nach Oben vor allem was die künstlerische Gestaltung betrifft", schreibt er und schlägt vor, dass sich die Sprayer bei ihm melden, damit gemeinsam die Brücke besprayt werden kann - "dann könnt ihr vielleicht unsere Gedenktafel unangetastet lassen."

Die 2013 anlässlich der Benennung nach Paul Amann bei der Brücke angebrachte Tafel wurde verunstaltet.
"Ich finde, da ist noch Luft nach Oben vor allem was die künstlerische Gestaltung betrifft", meint Robert Streibel.

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