Johanniter in Hietzing: Zu Gast in der Notschlafstelle am Wienerwald

Istvan ist dankbar für die Notschlafstelle der Johanniter
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(mak). Um halb sechs dauert es noch eine halbe Stunde, bis die Notschlafstelle ihre Türen öffnet. Einige Wartende stehen schon vor der noch geschlossenen Glastür im Regen, es hat zwei Grad über Null. Denis Weber von den Johannitern lässt uns hinein und führt uns durch die langen Gänge des ehemaligen GZW. „Heute haben wir 97 Voranmeldungen, das heißt wir sind fast voll.“ erzählt er, während wir am Empfangstisch vorbeigehen und den noch leeren Speisesaal betreten. Die Obdachlosen sind zumeist bei den untereinander vernetzten Hilfsorganisationen registriert und werden so auf die Notschlafstellen in der ganzen Stadt aufgeteilt. Der große Vorteil des GZW sind die bereits vorhandenen, großzügigen Räumlichkeiten - Schlafsäle, Speisesaal, Sanitäranlagen, nichts muss extra gebaut oder adaptiert werden – und die abgeschiedene Lage, denn in Einrichtungen in zentraler Lage gibt es regelmäßig Beschwerden, wenn die Übernachtungsgäste vor der Türe warten oder rauchen. Der Nachteil ist – die abgeschiedene Lage, denn aus der Innenstadt ist es weit bis hinaus nach Lainz, besonders wenn es kalt und nass ist und man vielleicht kein Geld für einen Fahrschein hat.

Die Gäste wollen eigentlich nur schlafen

Die Schlafsäle sind karg, aber sauber: eiserne Stockbetten, auf denen einige Gäste, die heute wieder hier schlafen wollen, ihre Habseligkeiten abgelegt haben. Im Eingangsbereich nehmen gerade die zwei Sicherheitsleute ihre Positionen ein. Ob sie viel zu tun haben? „Manchmal gibt es Streitereien um Schlafplätze, aber meistens ist es ruhig. Die Gäste sind den ganzen Tag draußen in der Kälte und wollen eigentlich nur schlafen.“ Mittlerweile ist es 18 Uhr und die Türe geht auf. Eine lange Schlange Menschen stellt sich geduldig am Empfang an, nach Registrierung und Abgabe des verpflichtenden Gesundheitschecks erhalten alle ein Paket mit Bettwäsche und Waschpulver. Abendessen gibt es von 19 bis 22.30 Uhr, danach herrscht Bettruhe. Spätestens um 8 Uhr Früh müssen die Gäste die Unterkunft wieder verlassen, um eine geregelte Tagesstruktur herzustellen.

Obdachlos geht schnell

„Die meisten kommen aus den östlichen EU-Ländern - Rumänien, Bulgarien, Slowakei.“ erklärt Denis und stellt uns Istvan vor, der aus Transsylvanien kommt. „Ich arbeite bei der MA48 oder als Hilfsarbeiter, aber immer tages- oder wochenweise, manchmal bin ich geringfügig beschäftigt. Aber ich weiß nie, ob ich nächste Woche Arbeit habe und kann so keine Pläne für die Zukunft machen.“ erzählt er uns. Er macht einen kräftigen und fleißigen Eindruck auf uns - es scheint so, als ob er im Leben einfach oft Pech gehabt hätte. Ein Schicksal, das er wohl mit vielen hier teilt: „Arbeitslosigkeit, Scheidung, Spielschulden – die Wege in die Obdachlosigkeit sind vielfältig. Es kann aber sehr schnell gehen.“ sagt Denis und klopft Istvan ermutigend auf die Schulter. Wer die Obdachlosen unterstützen will: Winterbekleidung, Kosmetikartikel, Waschpulver und Kaffee werden zu den Öffnungszeiten gerne entgegengenommen. Beim Händeschütteln schaut uns Istvan tief in die Augen: „Dankeschön an die Bürgermeister von Hietzing und Wien und die Johanniter, dass es diese Notschlafstelle gibt. Bitte schreiben Sie das in der Zeitung!“

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