Lainz: Nobelpreisträger trifft Bundespräsident

Altbundespräsident Heinz Fischer lauschte ebenso gespannt wie Moderatorin Conny Bischofberger, als Nobelpreisträger Eric Kandel aus seinem bewegten Leben erzählte.
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(mak). Fast die ganze Diskussion der beiden Größen drehte sich um die Ereignisse der Zwischenkriegszeit und um Eric Kandels Kindheit in Wien, die durch den Nationalsozialismus schlagartig beendet wurde. 1939 musste Eric Kandel mit seiner Familie in die USA emigrieren, da der Antisemitismus in Österreich lebensbedrohlich geworden war. "Ich hatte Angst davor, die Straße zu überqueren, aber ich ging mit meinem 14-jährigen Bruder über den Atlantik", erklärte er einst.

Bis auf den letzten Platz war der Karl-Rahner-Saal mit prominenten Gästen gefüllt. Trotzdem stellten die beiden Diskutanten, die auf Einladung des Kulturvereins Hietzing mit Journalistin Conny Bischofberger diskutierten, in puncto Prominenz alle anderen locker in den Schatten. Schließlich kommt es nicht allzu oft vor, dass ein Nobelpreisträger und ein Altbundespräsident vor Publikum aufeinandertreffen. Eric Kandel ist Psychiater, Physiologe, Neurowissenschaftler und Biochemiker. Im Jahr 2000 wurde ihm für seine Entdeckungen im Bereich des Nervensystems der Nobelpreis verliehen. Heinz Fischer war Nationalratsabgeordneter, Wissenschaftsminister sowie Erster und Zweiter Nationalratspräsident. Von 2004 bis 2016 war er Bundespräsident der Republik Österreich.

Wie konnte es zum Nationalsozialismus kommen? Heinz Fischer erwähnte den Ersten Weltkrieg ebenso wie die darauf folgende Arbeitslosigkeit, die Hungersnot und die Grippeepidemie, die zu einem Gefühl der Hoffnungslosigkeit führten, als Gründe dafür. "Dann kam Hitler und erklärte, alle Probleme mit einem Schlag lösen zu können. Der Gruppendynamik, die daraus entstand, konnten sich viele nicht entziehen."

Ein Gespür für die Menschen

Eric Kandel stellte sich damals die Frage, wie es möglich sei, dass "Menschen an einem Tag Mozart hören und am nächsten Tag Juden schlagen können". Letztlich sei diese Frage der Antrieb für seine Karriere als Neurophysiologe gewesen, wie er erklärte. Dabei kam er auch zu bahnbrechenden Erkenntnissen im Bereich des konditionierten Lernens. Auf die bz-Frage, wie man eine Gesellschaft konditionieren könne, damit sich die Ereignisse der späten 1930er-Jahre nicht wiederholen können, antwortete Nobelpreisträger Kandel: "Ein Gespür für die Menschen und ihre Einflüsse auf die Demokratie muss man haben und sich auch bewahren."

Auf die Frage Conny Bischofbergers, wie es ihm in den USA ergangen sei, antwortete Eric Kandel: "In Amerika habe ich ein gutes Leben gehabt, denn ich habe dort meine Frau getroffen." Die in seiner Nähe sitzende Sozialmedizinerin Denise Kandel dankte es ihm mit zärtlichem Blick. Der Nobelpreisträger ergänzte, dass es "das Wichtigste ist, einen guten Partner zu haben. Meine Frau hat immer mehr Vertrauen in mich gehabt als ich selbst." Während Eric Kandel im Anschluss noch Bücher signierte und für Fragen zur Verfügung stand, hatte es Heinz Fischer auffallend eilig. Warum? "Charly Blecha feiert heute seinen 85. Geburtstag. Da darf er nicht fehlen", schmunzelte eine Vertraute.

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