Nie mehr Schnupfen: Serumerfinder Rudolf Valenta im Interview

Rudolf Valenta hat einen Impfstoff gegen Schnupfen zum Patent angemeldet.
  • Rudolf Valenta hat einen Impfstoff gegen Schnupfen zum Patent angemeldet.
  • Foto: MedUni Wien/Matern
  • hochgeladen von Maria-Theresia Klenner

Wann ist Ihnen die Idee zu einer Schnupfenimpfung gekommen?
RUDOLF VALENTA:
Das war ein Zufall. Ich bin im AKH als Experte für Allergien tätig. Wir haben festgestellt, dass ein Rhinovirus - sprich Schnupfen - starke Asthmaanfälle bei Kindern auslösen kann. Also wurden Blutproben von asthmakranken Kindern genommen und einem Antikörpertest unterzogen. Dieser konnte allerdings nur zeigen, dass ein Rhinovirus da ist und so mussten viele Populationen durchgetest werden.

Und wie haben Sie sich aus dieser Erkenntnis das Serum gegen Rhinoviren entwickelt?
Wir haben herausgefunden, dass während einer Infektion Antikörper gegen die falsche Stelle binden und damit nicht die Kontaktstellen des Virus mit den Zellen blockieren. Wir können nun mit diesem Impfstoff Antikörper gegen diese Kontaktstellen abblocken. Ähnlich ist es bei den HIV- und Hepatitis B-Viren. Auch hier kann jetzt wieder etwas in der Forschung weitergehen, wir sind dran.

Wer sind wir?
Ich arbeite mit vier jungen, tüchtigen Ärztinnen im Christian Doppler Labor zusammen. Frauen dominieren die Forschung in unserem Labor.

Wie lange haben Sie geforscht, bis Sie das Serum zum Patent anwenden konnten?
Lange. Bereits 2009 gab es unsere erste Publikation zu dem Thema.

Wie lange wird es dauern, bis der Impfstoff auf dem Markt ist?
Sicher sechs bis acht Jahre, da er jetzt durch die hochkomplizerten europäische Zulassungen muss.

Gibt es vergleichbare Seren auf der Welt oder findet jetzt ein Wettlauf mit anderen Forschern und Pharmafirmen statt?
Es gibt eine Impfung in den USA, die allerdings nicht ganz so effizient ist wie geplant. Ich kann mir vorstellen, dass unsere Forschungen dort nicht so gerne gesehen werden. Riesengroße Pharmafirmen hätten allerdings schon seit Jahrzehnten gerne ein wirksames Patent gegen Schnupfen. Es ist aber nicht so, dass Pharmafirmen heutzutage relativ forschen. Häufig werden Patente, die in der Grundlagenforschung entwickelt wurden, einfach eingekauft. Die Pharmakonzerne investieren dann in die Vermarktung des Produkts. Aber bahnbrechende Erfolge passieren immer in der Grundlagenforschung.

Kann Österreich international mithalten?
Absolut. Auch in der Allergieforschung ist es so, dass wir in der Weltspitze sind. Und das AKH ist das Flaggschiff der Medizin in Österreich. Ich bin sehr glücklich, hier arbeiten zu dürfen.

Zahlt das AKH oder der Staat Ihre Forschungen?
Nein, die Mittel für Grundlagenforschung sind zurückgeschnitzten worden. Wir müssen selbst Förderungen einreichen. Das ist sehr schwierig und zeitintensiv. Die beste Förderung kommt vom Wissenschaftsfonds FWF.

Werden Sie jetzt aus Kostengründen an einen Kozern verkaufen?
Nein, mein Team und ich möchten so weit wie möglich selber kommen. Zwei Österreicher haben vor einigen Monaten die Firma "Viravaxx" gegründet, die unsere Forschungen unterstützen.

Ist es nicht übertrieben, sich gegen Schnupfen impfen zu lassen? Das ist doch nur eine Erkältungskrankheit.
Ein Schnupfen ist nicht so schlimm, da gebe ich Ihnen Recht. Aber bei asthmakranken Kindern löst er schwere Asthmaanfälle aus, die mit Beatmung auf der Intensivstation enden können. Diese schweren Anfälle bleiben dann aus. Für diese massiven Atemwegserkrankungen ist der Impfstoff gedacht, wobei: Wenn man bedenkt, dass Arbeiter und Angestellte jedes Jahr 10 bis 15 Tage im Krankenstand sind, dann ist der Impfstoff natürlich auch für Arbeitgeber interessant.

Aber mit Schnupfen geht niemand in Krankenstand.
Schnupfen ist der Anfang für andere Erkältungserkrankungen, derer es eine große Palette gibt. Wenn man wieder gesund ist, sagt man `Das war eine Grippe´, aber es wurde keine konkrete Dignose mit Blutabnahme gestellt.

Haben Sie Anfeindungen von Impfgegnern erhalten?
Nein und ich kann mir auch nicht vorstellen, dass jemand so dumm ist und diesen Impfstoff kritisiert.

Wie wird die Impfung in der Praxis aussehen? Handelt es sich um eine Grundimmunisierung?
Nein, man muss den Antikörperspiegel mit einer bis zwei Impfungen im Jahr hoch halten. Ist aber nicht so schlimm, da es sich um subkutane Spritzen handelt. Es wird also nicht in den Muskel gespritzt.

Autor:

Maria-Theresia Klenner aus Hietzing

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