06.11.2017, 15:39 Uhr

Gemeinsam gegen Leerstand im Matznerviertel

Tapezierermeister Karl Meckel von der Plattform "Lebenswertes Matznerviertel" zeigt uns die heruntergekommene Auslage eines leerstehenden Friseur-Geschäftes in der Linzerstraße.
Matznerviertel: Grätzelinitiative und Gebietsbetreuung setzen sich für Verbesserungen ein.

PENZING. Leerstände sind in vielen Gegenden Wiens ein Problem – auch im Matznerviertel. Wie die Situation aktuell ist und welche Gegenmaßnahmen von Bewohnern und Stadtverwaltung gesetzt werden, hat sich die bz angesehen.

Denn Fakt ist: Das Grätzel verändert sich. Auf der einen Seite werden nach dem Abriss einiger Kasernen und Fabriken große, neue Wohnkomplexe gebaut. Auf der anderen Seite kommt es in Straßen, in denen die Modernisierung noch nicht Einzug gehalten hat, verstärkt zu leeren Gassenlokalen. Aber im Bezirk ist man nicht untätig: Die Plattform "Lebenswertes Matznerviertel" ist ein Zusammenschluss engagierter Bewohner, die das Matznerviertel – auch für Geschäftsleute – wieder interessanter machen wollen. Angestrebt wird von der Initiative ein gutes und respektvolles Mit- und Nebeneinander aller Bewohner. So kümmert sich die Plattform etwa um Urban-Gardening-Beete. Auch begrünte Platzerl vor Wohnhäusern zu schaffen, ist eines ihrer Ziele.

"Keine Gefahr im Verzug"

Tapezierermeister Karl Meckel, der seit 35 Jahren sein Geschäft in der Linzer Straße 62 betreibt, ist Teil der Plattform. Von dem verbreiterten Gehsteig mit Grün und den Sitzgelegenheiten vor seinem Schaufenster ist er begeistert. Er spricht aber auch von "einigen Leerständen, wo sich schon seit Jahren nichts tut". Ein Beispiel dafür ist das aufgelassene Friseurgeschäft in der Linzer Straße 83: "Die Auslage ist seit Jahren unverändert und zieht illegale Plakatierer und Sprayer an. Der Eigentümer unternimmt nichts."

Ein altbekanntes Problem, denn wenn es um private Flächen oder Gebäude geht, sind Politik und Stadtverwaltung oft machtlos. So auch beim ehemaligen Hotel Gloriette gleich ums Eck: Nach zwei Jahrzehnten Leerstand und dem angeblichen Verkauf an chinesische Investoren herrscht weiter Unklarheit über das weitere Schicksal des vierstöckigen Gebäudes aus der Gründerzeit. Immerhin ist die Fassade jetzt nicht mehr einsturzgefährdet. Auf bz-Anfrage heißt es von der Baupolizei: "Solange keine Gefahr im Verzug besteht, sind uns bei privaten Häusern die Hände gebunden."

Was sich schon oft als Königsweg für die Neunutzung von Lokalen bewährt hat, ist die Herstellung von Kontakten – eine Spezialität der Gebietsbetreuung: Diese stellt Interessenten an leer stehenden Lokalen Grundbuchsauszüge zur Verfügung und hilft so weiter. Auch das Konsortium "Kreative Räume", das bereits auf mehr als 400 erfolgreiche Projekte zurückblicken kann, wird jetzt aktiv. Im Matznerviertel befinde man sich in der Planungsphase und schon 2018 sollen "Wiederbelebungsmaßnahmen" starten. Also Grund zum Optimismus im Grätzel.

Veranstaltung zum Thema:

Am 8. November wird in der Gebietsbetreuung-Außenstelle „vorOrt“ in der Linzerstraße 61 die Ausstellung „Penzing wächst!“ durch Stadtrat Michael Ludwig und Bezirksvorsteherin Andrea Kalchbrenner eröffnet: Gezeigt wird, wie Penzingerinnen und Penzinger wohnen und ihre Nachbarschaft gestalten. Dauer: bis 7. Dezember zu den „vorOrt“-Öffnungszeiten.
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