12.09.2016, 09:12 Uhr

Kleingartenverein Trazerberg: Weißfichte darf weiterleben

Seit 70 Jahren wächst die Fichte am Trazerberg, nun darf sie das weiterhin tun.

Posse im Kleingarten: Eine Fichte wurde zum Tod verurteilt, dann aber in letzter Minute gerettet.

HIETZING. Sieben Jahrzehnte lang konnte die Fichte im Garten der Familie Rogelböck im Kleingartenverein Trazerberg in Ober St. Veit ungehindert in den Himmel wachsen. Etwa 20 Meter hoch ist sie in dieser Zeit geworden. Fest verwurzelt in der Erde steht sie da, verstärkt mit einigen Eisenteilen, die ein ehemaliger Pächter des Gartens rund um den Baum eingegraben hat.

Seit 1987 ist Elfriede Rogelböck nun die Pächterin. Aus gesundheitlichen Gründen hat sie sich entschieden, den Garten an ihren Enkelsohn weiterzugeben. "Leider wollte der Vorstand der Kleingartenanlage, dass wir im Zuge der Übergabe die Fichte fällen. Leicht ist uns das nicht gefallen", erzählt die 75-Jährige.

Baum absolut gesund

Es gibt einen Passus in den Statuten des Vereins, der besagt, dass alle Nadelbäume über fünf Meter abgeschnitten werden müssen. "Auch ich habe drei riesige Fichten bei der Übernahme meines Gartens fällen müssen, habe das aber bis heute nicht bereut", so Harald Schillinger, Obmann des Kleingartenvereins Trazerberg. Besagten Passus hat der Landesverband der Kleingartenvereine bereits vor vielen Jahre gestrichen. Am Trazerberg gibt es ihn jedoch aus Sicherheitsgründen noch. Denn Nachbarn befürchten, dass der Baum umfallen könnte.

Ein Gutachten aus dem vergangenen Jahr bezweifelt das aber: Die Weißfichte sei gesund und gefährde niemanden. Ein Baumsachverständiger befand, dass der Baum noch 20, 30 Jahre leben wird. Auch das von der Familie schweren Herzens mit der Fällung beauftragte Unternehmen weist in seinem Kostenvoranschlag darauf hin, dass es sich um einen "absolut gesunden Baum" handle.

Fällung untersagt

Nun konnte das Ehepaar Rogelböck dem Unternehmen doch noch absagen. Denn eine Chance gab es noch: Sie fragten wenige Tage vor der Fällung beim Wiener Landesverband der Kleingärtner nach. Vorher war dies wegen der Urlaubszeit nicht möglich gewesen. Dieser befand: Der Baum bleibt stehen, der Passus gilt nicht.

Trazerberg-Obmann Schillinger befindet sich gerade auf Urlaub und ist von dem Urteil alles andere als begeistert. Er fürchtet um die Sicherheit der Kleingärtner: "Wenn der Baum doch fallen sollte, sind im schlimmsten Fall vier Häuser davon betroffen. Ganz zu schweigen von den Personen, die zu Schaden kommen könnten. Ich will diese Verantwortung nicht übernehmen", so der Obmann. Diese Last hat nun ohnehin der Landesverband der Kleingärtner auf sich geladen.
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