09.01.2018, 15:09 Uhr

Lockerwiese Hietzing: Wohnstraße oder Rennstrecke?

Erich Fadi sorgt sich um die Sicherheit seiner Kinder

Wohnstraßen sind grundsätzlich für Autos tabu, aber nicht immer halten sich alle Autofahrer daran. Immer öfter geraten so Kinder in Gefahr. Einen besonders schwierigen Fall gibt es in der Siedlung Lockerwiese.

HIETZING. Erich Fadi wohnt mit seiner Familie in der Camillianergasse. In Steinwurfnähe von seinem Hauseingang liegt die Grünfläche der Friedrich-Julius-Bieber-Anlage samt Ballspielplatz. Über die Idylle wachen die weithin sichtbaren Türme der Kirche am Gelände des KH Hietzing. Seit zwei Jahren sind zur Freude der Kinder alle Straßenzüge in der Siedlung Lockerwiese Wohnstraßen, denn dort gilt für Autos laut Gesetz Schrittgeschwindigkeit - also maximal 5-6 km/h -, dazu ist die Durchfahrt für Nicht-Anrainer verboten. Doch der Frieden wird getrübt: Immer wieder fahren Autos mit weit über 50 km/h durch die Wohnstraßen, berichtet Erich Fadi, der um die Sicherheit seiner Kinder besorgt ist. Ärztin Dr. Andrea Berger-Kernmayer, vor deren Küchenfenster in der Seelosgasse unlängst eine mobile Tempoanzeige aufgestellt war, berichtet uns sogar von "Fahrgeschwindigkeiten bis 70 km/h".

Schleuderunfall statt Tempelhüpfen

Einer der Raser kam aufgrund weit überhöhter Geschwindigkeit sogar ins Schleudern und touchierte mehrere parkende Autos, bevor er unmittelbar vor Herrn Fadis Haustür zum Stehen kam, wie er uns beim Lokalaugenschein auf einem Foto zeigt. Seilspringen und Tempelhüpfen auf der Fahrbahn sind für seine Kinder daher Tabu - obwohl der Gesetzgeber bei Wohnstraßen genau das vorsieht -, denn Herr Fadi hat schon ein unsicheres Gefühl, wenn seine Kinder alleine auf den Gehsteig hinaus wollen. In der mit den Mißständen konfrontierten Bezirksvorstehung bezweifelt man die behaupteten Geschwindigkeits-Übertretungen: Laut BV Silke Kobald (ÖVP) ergaben die Messungen der in der Seelosgasse aufgestellten mobilen Tempoanzeige insgesamt vier Autos mit über 50 km/h in einem Monat: "Das können aber auch Einsatzfahrzeuge gewesen sein." Jedenfalls sei die Politik zuerst mit Temporeduktions-Schwellen und schließlich Wohnstraßen „am Ende ihrer Möglichkeiten angelangt“ - und spielt den Ball an die Polizei weiter. Diese hat mit Schwerpunktkontrollen in den letzten Monaten zwar durchaus einige Schnellfahrer bestraft, kann jedoch natürlich auch nicht täglich vor Ort sein.

Informationsmangel bei Autofahrern

Herr Fadi macht auch den geringen Informationsstand der Autofahrer für das Chaos vor seiner Haustür mitverantwortlich: „Kaum ein Autofahrer weiß, dass der Fahrzeugverkehr in Wohnstraßen grundsätzlich verboten ist. Ausnahmen gelten nur für Fahrräder, Müllabfuhr, Einsatzfahrzeuge – und das Zu- und Abfahren.“ Eine rasche, billige und vor allem effektive Lösung für das Raser-Problem wüsste Erich Fadi: Indem man die Camillianergasse mittels "zueinander laufenden Einbahnen" bis zur Ranzenhofergasse für durchfahrende Autofahrer unattraktiv macht: "Für uns Anrainer würde sich nichts ändern, durchzufahren wäre dann aber unmöglich." Ihm ist es schlussendlich egal, wer vor seiner Haustür für Ordnung sorgt. Aufgeben wird er aber nicht – bis er seine Kinder eines Tages mit gutem Gefühl alleine hinaus auf die Wohnstraße lassen kann. 
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