Bezirksgericht Hollabrunn
Arbeitgeber ist für Tod verantwortlich - Berufung angemeldet

Fahrlässige Tötung endete mit Geldstrafe.
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Ein 62-Jähriger Hilfsarbeiter stürzte vom Dach, obwohl er es nicht betreten hätte sollen. Das Seil war zu lang. Chef kassierte dafür einen Schuldspruch mit Geldstrafe.

NIEDERFLADNITZ. Einem 62-Jährigen wird die fahrlässige Tötung nach einem Arbeitsunfall zur Last gelegt. Der Beschuldigte bestritt die Vorwürfe. Sein Verteidiger Farid Rifaad plädierte auf nicht schuldig.

Was geschah auf der Baustelle

Die Firma des Angeklagten war mit der Errichtung einer Blitzschutzanlage an einer Halle in Niederfladnitz betraut. Drei seiner Beschäftigten arbeiteten schon Tage zuvor auf der Baustelle als das spätere Opfer eines Morgens als Hilfsarbeiter dazukam. "Alle Mitarbeiter haben die Arbeiten am Boden oder bis zum Dach zu verrichten. Das habe ich telefonisch angeordnet", so der Beschuldigte, der sich beim Unfall noch nicht auf der Baustelle befand. Doch der Pensionist war zu eifrig und stieg, ohne die Einwilligung anderer Mitarbeiter aufs Dach, durchbrach die Platten und stürzte siebeneinhalb Meter in die Tiefe. Für ihn kam jede Hilfe zu spät.

Keiner durfte aufs Dach

"Er wollte arbeiten, weil ihm fad war. Ich sagte ihm telefonisch, er dürfe nicht aufs Dach steigen", so der Chef. Das bestätigten auch alle drei Zeugen. "Im Auto befinden sich immer Sicherheitsmaterialien, wie etwa Gurte, Seile und Zubehör in ausreichender Menge. Er dürfte sich diese ohne unser Wissen genommen haben, aber das Seil war zu lang", so der 51-jährige Zeuge. Und zwar gleich doppelt so lang, wie das Dach hoch ist.

"Es war viel zu rutschig, um überhaupt Arbeiten am Dach durchzuführen. Ich weiß nicht, warum er aufs Dach stieg", betonte der 39-jährige Arbeiter. Auch der dritte Zeuge bestätigte, dass keiner aufs Dach darf, bevor nicht der Chef vor Ort gewesen wäre.

Seil war zu lang

Für den Sachverständige Robert Scherz wären Dachleitern das erforderliche Minimum gewesen, denn von außen war nicht ersichtlich, ob die Platten durchbruchsicher seien. Zudem hätte er einen Seilschlitten verwenden müssen, um das Seil zu kürzen.

"Zu diesem tragischen Unfall kam es, weil das Opfer die technische Unterweisung nicht eingehalten hat. Wenn Arbeiten am Boden durchzuführen sind, brauch ich auch das Dach nicht sichern. Kein Verschulden trifft meinen Mandanten", hielt Rifaat sein Schlussplädoyer.

Geldstrafe für Chef

Das sah Richter Erhard Neubauer anders: "Der Angeklagte ist schuldig als Verantwortlicher, er habe keine Aufsichtsperson ernannt, es gab keine Sicherheitsmaßnahmen am Dach und keine geeignete persönliche Schutzausrüstung." Und verurteilte ihn zu einer Geldstrafe von 4.140 Euro. Der Angeklagte erbat drei Tage Bedenkzeit.

Berufung eingelegt

Gegen das Urteil des Bezirksgerichtes meldete der Rechtsanwalt des Angeklagten Farid Rifaat Berufung wegen Nichtigkeit, Schuld und Strafe an: "Meines Erachtens, trifft den Angeklagten kein wie immer geartetes Verschulden am tödlichen Vorfall."

Fahrlässige Tötung endete mit Geldstrafe.
Der Verteidiger des Angeklagten Dr. Farid Rifaat
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