Aus der Sicht eines Frauenarztes
In den eigenen vier Wänden ist man sicher

Sabine Mayer erwartet ihr zweites Kind und achtet auf den richtigen Abstand!
  • Sabine Mayer erwartet ihr zweites Kind und achtet auf den richtigen Abstand!
  • Foto: Hundegger
  • hochgeladen von Alexandra Goll

Abstand halten, keine E-Card, oft Händewaschen in der Ordination. Hollabrunner Frauenarzt klärt viele Fragen, die gerade jetzt Schwangere betreffen.

HOLLABRUNN (ag). In der Ordination des aus Krems stammenden Frauenarzt Robert Hundegger in Hollabrunn wird für jeden Gegenstand eine Zwischenablage verwendet. Es gibt dadurch keinen direkten Hautkontakt mit den Händen von PatientInnen. Der Abstand der Stühle im Wartezimmer wurde vergrößert. Auf Empfehlung der Ärztekammer stecken wir aus hygienischen Gründen keine e-card. Wir waschen uns nach jeder Konsultation die Hände.

1.) Müssen Schwangere jetzt zu den Mutterkindpassuntersuchungen kommen und Wartezeiten in Kauf nehmen
?
Eine schwangere Frau freut sich üblicherweise, das heranwachsende Leben im Ultraschall zu verfolgen. Keine Frau muß eine Untersuchung machen, mein Team und ich bieten aber alle Mutter-Kind-Pass–Untersuchungen in vollem Umfang an. In meiner Ordination ist der orale Glukosetoleranztest (OGTT) nach telefonischer Voranmeldung möglich. Schade ist, dass meine Patientinnen derzeit keine Begleitperson in die Ordination mitnehmen können.
Da wir derzeit nur 2 bis 3 Patientinnen pro Stunde terminisieren, ist kaum mit längeren Wartezeiten zu rechnen. Ob es bei einem Verzicht auf eine Untersuchung zu Einbußen beim Karenzgeld kommen kann liegt bei der Sozialversicherung.

2.) Welche Gefahren könnten im Fall einer Ansteckung auf Schwangere zukommen?
Für das COVID-19 gibt es meines Wissens noch keine exakten Daten. Ähnliche Viren zeigen eine drei Mal höhere Wahrscheinlichkeit, dass die werdende Mutter zu beatmen sein wird. Lungenversagen, Nierenversagen, Gerinnungsstörungen, Lungenentzündungen und Verläufe mit Sepsis sind bekannt. Auch die Rate an Kaiserschnitten ist erhöht. Daher gilt: Die eigenen vier Wände nur verlassen, wenn es medizinisch notwendig oder sonst unaufschiebbar ist. In den eigenen vier Wänden sind alle schwangeren Frauen sicher. Nach heutigem Wissen kann das COVID-19 nur von einem Menschen in die eigenen vier Wände eingeschleppt werden.

3.) Könnte eine Ansteckung auch für das Ungeborene gefährlich sein?
Die Rate an Frühgeburten und an intrauterinem Fruchttod (=versterben des ungeborenen Kindes im Leib der Mutter) ist bei dem COVID-19 ähnlichen Viren deutlich höher als bei gesunden werdenden Müttern. Eine Übertragung auf das ungeborene Kind ist vor der Geburt unwahrscheinlich. Wie sich diese Kinder nach der Geburt entwickeln, wissen wir in 15 – 20 Jahren. Dann sind diese Kinder erwachsen geworden.

4.) Wie schützen sich Schwangere am besten vor einer Ansteckung?
Der einzige wirksame Schutz ist, mit dem Virus nicht in Kontakt zu kommen: Das heißt, zu Hause zu bleiben und wenn man das eigene Haus verlässt, ausnahmslos zu allen anderen Menschen einen Sicherheitsabstand von am besten minimal zwei Metern einzuhalten.
Liebe Schwangere, verzichtet zum Schutz des ungeborenen Lebens auf jeden Kontakt zu Menschen, die nicht mit Euch im selben Haushalt leben!
Wer COVID-19 verharmlost hat sich nicht informiert oder es schlicht und einfach nicht verstanden!!!

5.) Welche Vorsichtsmaßnahmen treffen Sie für sich und Ihre Patientinnen in Ihrer Ordination?
Ich bespreche mit allen Patientinnen die Untersuchungstermine vorab telefonisch. Dann wissen die Damen darüber Bescheid, dass wir derzeit die e-card nicht stecken und für alle Gegenstände ausnahmslos eine Zwischenablage verwenden. Damit ist ein Kontakt der Hände ausgeschlossen. Ich messe bei allen Patientinnen die Körpertemperatur. Auch haben wir die Einrichtung so umgestaltet, dass wir einen Sicherheitsabstand von zwei bis etwa sieben Metern einhalten können. Ein Mindestabstand von einem Meter wird niemals unterschritten. Auch führe ich alle Tätigkeiten, welche mit der Gefahr einer Infektion verbunden sein können, ausnahmslos selbst durch. Meine Assistentinnen unterstützen mich nach Kräften. Ich bin auf Corina Schuh und Julia Landrichter sehr stolz. Alleine würde ich es nicht schaffen, den Betrieb meiner Ordination aufrecht zu erhalten.
Benötigt jemand lediglich ein Rezept, wird diese Bestellung von meinen Assistentinnen telefonisch entgegengenommen. Ich bereite dann das Rezept zu. Das fertige Rezept wird in einem Kuvert auf einem Tischchen vor der Eingangstüre deponiert und kann jederzeit abgeholt werden, ohne in die Ordination eintreten zu müssen.

6.) Nehmen Sie auch Patientinnen zur Kontrolle an?
Es finden derzeit nur medizinisch indizierte Untersuchungen statt. Bei akuten Beschwerden bzw. nach einer Operation und für eine Verlaufskontrolle im Rahmen des Mutter-Kind-Passes sind eine Beratung und Untersuchung durch den Facharzt natürlich auch indiziert und notwendig.

7.) Warum dürfen jetzt in vielen Spitälern Väter bei der Geburt nicht dabei sein, auch wenn sie gesund sind?
Es ist leider möglich, dass ein beschwerdefreier Mensch bis zu zwei Wochen nach einem unwissentlichen Kontakt mit COVID-19 dieses Virus an alle Menschen überträgt, mit welchen er sich auf engem Raum gemeinsam aufhält. Würde das an einer geburtshilflichen Abteilung geschehen, müsste diese Abteilung unter Quarantäne gesetzt werden. Weil diese Seuche leider so unberechenbar geworden ist, sind derartige Vorsichtsmaßnahmen immer wieder notwendig.

8.) Wie sieht Ihr Dienst im Mistelbacher Krankenhaus aus? Können Sie allgemein die Stimmung im Krankenhaus/bei den Medizinern beschreiben?
Ich bin immer freitags im Landesklinikum Mistelbach aktiv. Das wichtigste ist, dass alle Patienten die Infrastruktur der Krankenhäuser entlasten. Das heißt, die ersten Anlaufstellen sind der Hausarzt und der Facharzt. Erst mit einer Überweisung soll man das Landesklinikum aufsuchen. Ausgenommen davon sind natürlich Unfälle und akute Erkrankungen.

9.) Was sind die größten Unterschiede zu „vor Corona“?
Die Unsicherheit im Umgang mit erkrankten Menschen, der Diagnose bzw. der Erkrankung selbst und mit den unberechenbaren und unabsehbaren Folgen einer Infektion. Der Verlauf ist unberechenbar, auch bei jungen gesunden Menschen. Niemand kann vorhersagen, ob sich jeder Einzelne von einer Infektion wieder erholen wird können oder ob ein grausamer Tod bevorsteht. Auch weiß niemand, wie es den Menschen, die sich jetzt von einer Infektion wieder erholen können, in 10 Jahren gehen wird. Folgeschäden an Lunge, Herz, Nieren und anderen Organsystemen kann niemand ausschließen.

10.) Wo sehen Sie noch Verbesserungsbedarf, wenn es um das Einhalten der vorgeschriebenen Maßnahmen geht, Stichwort Sicherheitsabstand?
Den allergrößten Verbesserungsbedarf sehe ich beim Einkaufen und beim Zahlvorgang an der Tankstelle. Im Krankenhaus sind alle sensibilisiert und achten sehr auf die Einhaltung eines Mindestabstandes von einem Meter, der für Arbeitsstätten gesetzlich vorgeschrieben ist. Jeder von uns hat eine Vorbildwirkung und sollte mit gutem Beispiel vorangehen: Ich habe jeder meiner Assistentinnen einen Gliedermaßstab (= „Zollstock“) geschenkt, damit sie ein Gefühl für den richtigen Mindestabstand bekommen.
Jeder, der einkaufen geht, möge ein Maßband mitnehmen und den selbst gewählten Abstand zu allen anderen Menschen kontrollieren, denn: Der ausgestreckte Arm eines großen Erwachsenen hat eine Länge von rund 70 cm. Und das ist viel zu wenig!

11.) Sind die aktuellen Maßnahmen der Regierung aus Ihrer Sicht ausreichend, um die Ausbreitung von Covid-19 zumindest zu verlangsamen?
Würden die aktuellen Maßnahmen der Regierung von allen Teilen der Bevölkerung eingehalten und umgesetzt werden (vor allem der Sicherheitsabstand), wäre es ein guter Anfang. Ich fürchte, es werden noch drastische Nachschärfungen notwendig sein.
Meine Lieben, seid bitte sehr sehr vorsichtig: Der „übliche“ Abstand, den Ihr auf der Straße zum Fahrzeug vor Euch wählt, ist derzeit ein guter Abstand von Mensch zu Mensch beim Einkaufen und am Arbeitsplatz, um der Seuche Corona auszuweichen.

Z U S A M M E N F A S S U N G:

Der Sicherheitsabstand ist meines Erachtens der wichtigste Schutz vor einer Infektion mit dieser Seuche. Wir alle können COVID-19 nur ausweichen. Den direkten Zweikampf gegen diese Seuche werden wir in einer Vielzahl der Fälle verlieren, wie die traurigen Bilder aus Italien zeigen. Hat man Symptome einer Infektion mit COVID-19, darf man auf keinen Fall eine Ordination aufsuchen. Dann muss man zu Hause bleiben und 1450 anrufen.

Erlebnis beim Einkauf

Beim Einkauf nach dem Ende der Ordination dann das: Nach dem Ende der Ordination kaufe ich selbst destilliertes Wasser für den Sterilisator, lasse Abstand bei der Kassa - und werde flugs von einer Seniorin überholt, während ein Kind an mir vorbeiläuft und ruft „Mutti, Mutti, komm` her, ich muss dir etwas zeigen“. Alle Hygienemaßnahmen in der Ordination sind dadurch mit einem Schlag zunichte gemacht!Spielen Sie mit Ihren Kindern „Baumeister“: Suchen Sie Ihr Werkzeug, nehmen Sie einen Zollstock und ein Maßband zur Hand, schätzen Sie gemeinsam mit Ihren Kindern durch eine Markierung auf dem Fußboden, wie lang wohl ein Meter in Wirklichkeit ist. Und dann messen Sie nach. Und beim nächsten Einkauf nehmen Sie den Zollstock und das Maßband mit.
Und denken Sie bitte daran: Die KassiererInnen im Supermarkt, die PflegerInnen, die LKW-FahrerInnen, die ÄrztInnen und alle, die durch einen unglücklichen Kontakt mit COVID-19 ausfallen, fallen nicht nur für Sie, sondern für uns alle aus!

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