Hollabrunn baut weiter Wohnungen
In Gefahr: Angst um die Gerichtsberg-Kellergasse

Hier werden künftig Reihenhäuser errichtet.
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  • Foto: Liste Scharinger
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Durch den Verkauf eines Grundstücks der Stadtgemeinde Hollabrunn an einen Wohnbauträger sieht die Liste Scharinger das Hollabrunner Kulturgut - Gerichtsbergkellergasse - und den Altbaumbestand in Gefahr. Nun ruft Bürgermeister Alfred Babinsky zu mehr Sachlichkeit auf.

Sollen Reihenhäuser so nahe an der Kellergasse und der Bahnstrecke gebaut werden?

HOLLABRUNN. Im September 2020 beschloss der Gemeinderat die Umwidmung dieser Fläche zwischen Gerichtsbergkellergasse und Sonnleitenweg auf Bauland. Bereits damals sprach sich die Liste Scharinger dagegen aus. Mit der Juni Sitzung wurde der Tausch mit einem Grundstück neben dem Freibad, das die Gemeinde bereits für Parkplätze pachtete, mit der Bau-, Wohn- und Siedlungsgenossenschaft "HEIM" besiegelt. Dort hätte die "HEIM" ein mehrgeschoßiges Wohnhaus errichten wollen. "Der Wohnblock war schon eingereicht und mit diesem Tausch konnten wir die Parkplatz-Fläche behalten. Für uns ist dies Fläche ein wichtiges Entwicklungsgebiet für unsere Sport- und Freizeitanlagen", denkt Bürgermeister Babinsky angesichts des anhaltenden Zuzugs an den weiteren Ausbau der Lebensqualität in Hollabrunn.

Reihenhäuser geplant

Bereits im Vorjahr veräußerte die obere Nachbarin im Sonnleitenweg ein Grundstück an eine Wohnbaugenossenschaft, die aktuell an der Einreichung eines Projektes mit neun Reihenhäuser arbeitet. Auch die "HEIM" wird am ehemaligen Gemeindegrundstück maximal sieben Reihenhäuser errichten. "Aufgrund der Bausperre für über eingeschossige Gebäude sind hier nur Reihenhäuser möglich", ist Babinsky überzeugt. Der Bedarf sei vorhanden, weiß Liegenschaftsstadtrat Günter Schnötzinger: „Reihenhäuser kombinieren den Traum vom Eigenheim ideal mit geringstmöglichem Flächenbedarf.“

Kellergassenflair in Gefahr

"Wir vermissen den Respekt gegenüber unserer Kulturgüter. Während in anderen Gemeinden mit viel Einsatz Kellergassen gefördert und saniert werden, scheinen diese in Hollabrunn durch kurzsichtig gedachte Pläne gefährdet", so empfindet Andreas Fischer, Gemeinderat der Liste Scharinger, diese Vorgehensweise.

Verschandelung ist übertrieben

Hier kontert der Stadtchef, dass die Kellergasse in keinster Weise beeinflusst wird: "Ich erinnere noch einmal, dass die Reihenhäuser nicht in der Kellergasse gebaut werden. Das als eine Verschandelung des Kulturguts zu bezeichnen halte ich völlig übertrieben und sehr hochgespielt. Auch auf der Seite des Kellerplatzls wird auf unserem veräußerten Grundstück kein Baum umgeschnitten werden, denn die Widmung als Emissionsabschirmung lässt da überhaupt keinen Interpretationsspielraum offen“, erläutert Babinsky, der auch hier keine extreme Bodenversiegelung sieht, weil Reihenhäuser und kein Wohnblock errichtet werden soll.

Hollabrunn wächst zu schnell

Auch die Grünen Hollabrunn setzten sich für den Erhalt von Grünflächen ein: "Neben dem idyllischen Kellerplatzl hat eine Reihenhausanlage nichts verloren“, sagt Grünen-Gemeinderat Georg Ecker. Hollabrunn wird in den nächsten vier Jahren um bis zu 3.400 Einwohner wachsen. „Es ist fraglich, ob unsere Infrastruktur dafür ausgelegt ist. Schon jetzt gibt es vor allem am Morgen regelmäßig Verkehrsstaus, diese Probleme werden noch größer werden. Es gibt aber kein Konzept, wie damit umgegangen wird“, sagt Ecker. Auch die soziale Infrastruktur und Versorgung könnte dem steigenden Zuzug nicht gewachsen sein. „Wir fordern eine klare Strategie, bevor in neuen Hauruck-Aktionen wertvolle Grundstücke aus dem Gemeindeeigentum verkauft werden“, sagt Ecker.

Lärmmessung ohne Zugverkehr

Auch die Sinnhaftigkeit der Schaffung von Wohnungen in unmittelbarer Nähe zur Nordwestbahn ist zu hinterfragen. Die für die damalig erfolgte Umwidmung erforderlichen Lärmmessungen wurden nachweisbar während der Streckensperre im Sommer 2020 erstellt – zu diesem Zeitpunkt fuhren keine Züge auf der Strecke. Bei normalem Betrieb der Bahnstrecke würde ein derartiges Projekt gar nicht genehmigt werden. "Das ist eine Lüge, denn sonst hätte die Abteilung Raumordnung vom Land keiner Umwidmung zugestimmt. Wir haben allerdings eine Freigabe erhalten und brauch mich jetzt darum nicht mehr kümmern", entgegnet Bürgermeister Babinsky. Mit der Recherche der Bezirksblätter konnte die Lüge allerdings widerrufen werden, denn laut Gutachten erfolgte am 22. und 23. Juli 2020 die Schalluntersuchung und die totale Zugsperre zwischen Retz und Stockerau lief von 18. Juli bis 6. September.

Rückabwicklung des Kaufes

Stadtrat Wolfgang Scharinger fordert zum Erhalt des Naherholungsgebietes und des Erscheinungsbildes der Kellergasse die Rückabwicklung des Kaufes sowie die Rückumwidmung: "Alles ist möglich, sobald noch nicht gebaut wurde und ist nur eine Frage des Geldes." Um auf die Wichtigkeit in dieser Sache hinzuweisen wandte sich die Bürgerliste auch mit einem Brief und der Bitte um Unterstützung an Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner. Das wird Bürgermeister Alfred Babinsky auf Nachfrage der Bezirksblätter nicht tun: "Wir ziehen das jetzt durch, weil durch den Flächentausch eine gute Lösung für alle gefunden wurde."

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