Hollabrunn
Wald ist in größter Not

Arno Klien zeigt einen Blitzeinschlag in eine Eiche.
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  • Arno Klien zeigt einen Blitzeinschlag in eine Eiche.
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Große Ratlosigkeit herrscht derzeit bei Experten über die Wälder, so auch des Hollabrunner Waldes.

HOLLABRUNN (ag). Dieser ist zur Zeit der größte zusammenhängende Eichenmischwald in Österreich und birgt zahlreiche Schätze aus der Tier- und Pflanzenwelt.

Die Grüne Lunge des Weinviertels

Wegen seiner Größe und Bedeutung für das regionale Klima im waldarmen Weinviertel, handelt es sich hier um „die grüne Lunge des Weinviertels".
Arno Klien, ehemaliger Geografie-Professor an den Hollabrunner Schulen, gründete vor mehr als zehn Jahren den Verein "Freunde des Hollabrunner Waldes". Zeit seines Lebens engagiert er sich für die "grüne Lunge" sowie Fauna und Flora und spricht über die derzeit größte Not des Waldes aufgrund von Trockenheit und daraus resultierenden Schädlingen. "Der Wald stand noch nie unter einer so großen Bedrängnis seit der letzten Eiszeit. Nicht nur die Klimaerwärmung sondern auch die Niederschlagsarmut in unserer Region, haben gravierende Auswirkungen. Sünden aus der Vergangenheit, wie Monokultur und das Einbringen der Fichte, zeigen sich jetzt. Chancen haben bei uns wahrscheinlich nur mehr Tiefwurzler, wie Kirsche, Ahorn, Schwarznuss, denn auch vor der Eiche machen Schädlinge nicht halt. Auch Douglasien sind nicht der Weisheit letzter Schluss", erklärte Arno Klien, der maßgeblich an der Errichtung des Fitness-Parcours im Kirchenwald beteiligt war.

Kommassierung und Gewässerregulierung

Er kritisiert auch die überschießende Kommassierung samt Regulierung der Gewässer, die den regionalen Wasserhaushalt negativ beeinflusst haben. Mit starker Verzögerung zeigt sich dieser Schritt nun in den trockenen Flächen. Wasser sollte im Raum gehalten werden, etwa in Retentionsbecken á la Nexenhof.

Nach Eschensterben kommen nun Fichten und Kiefern dran

"Ich war selbst erst kürzlich beim Jagdsteig im Kirchenwald und musste mit Entsetzen feststellen, dass nach dem Eschensterben nun die Fichten und Kiefern dran sind, aber auch Eichen sind vor Schädlingen nicht gefeit. Eschenwurzeln faulen ab, die daneben stehende Kirsche bleibt gesund. Auch bei einer Buche sah ich Flechten, wo keiner weiß warum. Eingriffe in die Natur sind nicht sofort wirksam, sondern zeigen sich erst mit enormer Verzögerung. Diese Veränderungen, samt der industrialisierten Landwirtschaft, beeinflussen auch das Verschwinden von Insekten, Faltern, Vögeln und Niederwild; es fehlen die Altbäume, Böschungen und strukturierte Waldränder", ist der Geograph bestürzt.

Aufforstung Schweden

Arno Klien beschrieb das Programm der Aufforstung in Schweden. Dort müssen für jeden entnommenen Baum drei junge Bäume nachgepflanzt werden. Das Problem bei uns ist allerdings der fehlende Niederschlag. Ausgleichsflächen sind rar.

Palmöl ist der stille Klimakiller

In der tropischen Regenwaldzone wird immer noch rücksichtlos abgeholzt. Palmöl ist so gut wie überall drinnen. "Monokulturen bedeuten einen gewaltigen Verlust an Diversität. Der wetterwirksame Klimamotor, der sich in den tropischen Breiten befindet, ist empfindlich gestört", ist sich Klien sicher.

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