Abbiege-System für LKW
Wenn ein „Piep" Leben rettet: Abbiege-Systeme für LKW

Direkt vor den Lkw kann der Fahrer etwa vorbeigehende Personen nicht sehen.
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  • Direkt vor den Lkw kann der Fahrer etwa vorbeigehende Personen nicht sehen.
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BEZIRK (ag). Ein 9-Jähriger ist auf dem Weg zur Schule. Ein LKW-Fahrer biegt in eine Straße ein, die der Bub im selben Moment auf dem Zebrastreifen quert. Doch der Tote Winkel macht ihn für den LKW-Fahrer unsichtbar. Und kostet ihn sein Leben. Diese Szene hat sich vor Kurzem in Wien abgespielt. Seitdem fordern unter anderem Eltern, Politiker und die Volksanwaltschaft den verpflichtenden Einbau von Abbiege-Assistenten. 1.200 Euro, die Leben retten können.

Die Bezirksblätter Hollabrunn befragten einen Lkw-Fahrer, der bereits seit mehr als 30 Jahren fast tagtäglich mit schwerem Gefährt unterwegs ist. Reinhard Narrenhofer sitzt im Führerhaus auf etwa 2,5 Meter Höhe und achtet beim Fahren sehr auf Sicherheit und konzentriert zu fahren, kennt aber die Gefahren: "Auf der linken Seite sieht man ganz gut runter, aber direkt vor dem LKW und auf der rechten Seite ist die Sicht problematisch. Klar, haben wir verschiedene Spiegel und Assistenzsysteme, doch das Problem sind die Fußgänger, die absolut nicht schauen oder vielleicht auch noch mit Kopfhörern und den Blick auf das Handy gerichtet, die Straße queren oder schnell vorne noch vorbeirennen!"
Wir testeten diesen Blick direkt vor den Lkw und waren erstaunt, dass hier Personen tatsächlich "unsichtbar" sind. Der routinierte Lkw-Fahrer hat selbst noch keinen derartigen Zwischenfall erlebt, erzählte uns aber von einem Erlebnis: "Erst kürzlich fuhr in der Stadt Hollabrunn der Notarzt mit Blaulicht und eine junge Fußgängerin mit Kopfhörer und Handy ging seelenruhig über den Zebrastreifen, ohne zu schauen oder die Sirene zu hören. Das Problem sind auch Radfahrer und vor allem bei Dunkelheit ohne Licht." Er selbst ist nicht für die generelle Einführung eines Abbiegeassistenzsystems, weil sich dann sowohl Lkw-Fahrer als auch Fußgänger noch mehr in Sicherheit wiegen und noch weniger achtsam sind.

Roman Heiden ist Obmann des Elternvereins der NMS Hollabrunn und Vater  zweier Söhne. Er denkt, dass ein zu viel an hochtechnisierten Sicherheitssystemen die Lkw-Fahrer überfordern könnten: "In einem neuen Lkw ist so viel Technik drinnen, dass Fahrer überfordert werden. Abgesehen davon, dass der Vorfall in Wien sehr tragisch ist und der Familie mein Mitgefühl gilt, muss ich schon sagen, dass Kinder im Straßenverkehr in den letzten Jahren viel unachtsamer geworden sind, sie fühlen sich am Schutzweg sicher und schauen gar nicht mehr so, wie sie es eigentlich in der ersten Klasse Volksschule gelernt haben."

Thomas Bauer von den Hollabrunner Stadtwerken sieht für eine generelle Aufrüstung der Lkws derzeit noch kein Handlungsbedarf: "Grundsätzlich muss man schon nachdenken, Sicherheitsmaßnahmen zu setzen. Den Preis für eine Aufrüstung finde ich jetzt auch nicht so dramatisch."

Von Seiten der Polizei sind alle Maßnahmen zur Erhöhung der Verkehrssicherheit zu begrüßen. "Auch wenn durch ein Abbiegeassistenzsystem nur ein Menschenleben gerettet werden kann, wäre es sinnvoll. Im Bezirk passieren zum Glück derartige Unfälle äußerst selten", so Bezirkspolizeikommandant Major Eduard Widhalm. Er kann sich an einen Vorfall am 28.8.2008 erinnern, bei dem eine Fußgängerin in Ziersdorf vor einem Lkw die Straße überquert hat, in dem Moment der Lkw die Fahrt bei der Kreuzung fortsetzen wollte und die Frau übersah. "Hier hätte allerdings dieses System auch nicht reagiert, weil die Person direkt vor dem Lkw ging", so Widhalm. Auch 2004 passierte ein Unfall mit einem Lkw und einem Fußgänger. Dieser wollte damals links abbiegen und erfasste die Person. "Wichtig wäre den Kindern wirklich verstärkt zu erklären, Blickkontakt mit den Autofahrern zu halten und auch wenn sie über einen Schutzweg gehen zu schauen. Auch wenn Fußgänger im Recht sind, sind sie gegenüber einem Fahrzeug der schwächere Verkehrsteilnehmer. Was hab ich davon im Recht zu sein, wenn ich dann schwer verletzt bin."

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