Schulpolitik
Wundermittel Time-out-Klassen?

Pädagogen wünschen sich nicht Time-out-Klassen, sondern mehr Schulsozialarbeiter vor Ort.
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Bildungsminister Faßmann will für Problemschüler Klassen mit speziellem Lehrpersonal einrichten.

BEZIRK (jm). Auslöser für die geplante Schaffung von Time-out-Klassen waren die dokumentierten Gewaltexzesse an zwei Wiener HTL. Die Bezirksblätter befragten Pädagogen und Politiker, inwieweit derartige Klassen eine Lösung für Problemschüler in unserem Bezirk sind.

Gegen Time-out-Klassen

Erwin Kraus leitet die Allgemeine Sonderschule und die Polytechnische Schule in Hollabrunn. „Wenn Schüler aus disziplinären Gründen in der Klasse nicht tragbar sind, kommen sie in eine Cooldown-Klasse. Dort werden sie in kleinen Gruppen von einer ausgebildeten Schulsozialarbeiterin betreut. Ich bin sehr froh, dass wir diese an unseren Schulen haben, wir würden sie für mehr Stunden als bisher brauchen.“ Was Kraus absolut ablehnt, ist die geplante Einrichtung von Time-out-Klassen an höheren Schulen. Der Pädagoge würde Jugendlichen, die grob gegen die Schulordnung verstoßen, die Tür weisen, denn „du bist ja freiwillig hier“, begründet Kraus seine Null-Toleranz-Haltung.
Dem pflichtet auch der Guntersdorfer Bürgermeister Roland Weber bei: „Für Schüler, die ihre Schulpflicht erfüllt haben, sollte es keine Time-out-Klassen geben. Wenn sie dort disziplinär nicht entsprechen, dann sollen sie entlassen werden.“ Anmerkung einer Lehrlingsmutter: „Wenn ein Lehrling die Arbeit verweigert und frech gegenüber seinem Chef ist, wird ihn dieser fristlos entlassen.“

Mehr Schulsozialarbeiter

Auch die Göllersdorfer NMS-Direktorin Maria Graf sieht in den geplanten Time-out-Klassen nicht die Lösung der anstehenden disziplinären Probleme an ihrer Schule. „Wir würden eine Schulsozialarbeiterin im Haus brauchen, die für Schüler in schwierigen Situationen da ist. Und das muss kurzfristig möglich sein“, so Graf. Sie beschreibt Standardsituationen aus dem Schulalltag. „Ein Kind erlebt in der Familie Gewalt, Streit oder Scheidung. Es stört den Unterricht, der Lehrer muss sich nur um den Problemschüler kümmern, ein regulärer Unterricht ist nicht möglich.“ Das Jobprofil des Lehrers ist aber allemal noch das Unterrichten. Landtagsabgeordneter Georg Ecker dazu: „Zur Lösung disziplinärer Problemsituationen sollte das Netz der Schulsozialarbeiter flächendeckend ausgebaut werden.“

Zweifel an Durchführbarkeit

Im Gespräch mit Pädagogen, die sich als Betreuungslehrer für Problemschüler auch unbezahlt in ihren Freistunden zur Verfügung gestellt haben, klingen starke Zweifel an der Sinnhaftigkeit und Durchführbarkeit des Time-out-Klassen-Projektes durch. Gibt es geeignete Räumlichkeiten? Gibt es geschultes Personal? Und vor allem: Welcher Pädagoge wird sich für so einen Job melden?

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