03.11.2017, 09:08 Uhr

Der Strukturwandel im Bezirk!

Drei Generationen in einem Betrieb: Franz und Gertraud, Ewald und Cornelia Schönhofer mit ihren Kindern, die fleißig mithelfen. Foto: jm

Kleine landwirtschaftliche Betriebe sind in den letzten 30 Jahren um 95 Prozent zurückgegangen.

BEZIRK (jm). In drei Jahrzehnten haben sich Strukturen in unserem Bezirk gewaltig verändert. Am stärksten fällt der Rückgang an Betrieben im landwirtschaftlichen Bereich auf. Da hat es laut Statistischem Zentralamt bei der Zahl der kleinen Betriebe (= bis zu 10 ha) einen Schwund von 95 Prozent gegeben. BBK-Obmann Fritz Schechtner hält dem eine qualitative Aufwärtsentwicklung, speziell im Weinbau, entgegen: „Ein deutlicher Trend ist hinsichtlich Qualitätssteigerung und Verbesserung der Vermarktung im Weinbausektor zu verzeichnen“, so Schechtner. Durchschnittsgröße verdoppelt
War vor dreißig Jahren ein landwirtschaftlicher Betrieb 28 Hektar groß, so liegt heute die Durchschnittsgröße bei 59 Hektar. Die großen Betriebe (= bis zu 80 ha) haben die kleinen dazugepachtet und um 139 Prozent zugenommen.

Beispiel Zellerndorf

Wir besuchten einen landwirtschaftlichen Betrieb in Zellerndorf, den Ewald und Cornelia Schönhofer bereits in der fünften Generation führen. Er ist einer von sieben Haupterwerbsbetrieben, die es in Zellerndorf noch gibt.
Im Nebenerwerb werden 13 Betriebe weitergeführt. Vor dreißig Jahren gab es hier 40 Bauernhöfe, die aber wesentlich kleiner waren. „Als mein Vater den Betrieb führte, hatten wir etwa 20 Hektar, davon fünf Hektar Weingärten. Heute hat unser Betrieb eine Größe von 68 Hektar, davon sind 18 Hektar Weingärten“, so Ewald Schönhofer. Sohn Alexander (14) besucht die vierjährige Weinbaufachschule in Krems und will einmal Winzer werden.

Eigene Wehr für jede Gemeinde

Eine wichtige Position in der Infrastruktur nehmen die Feuerwehren ein. Christian Schwayer war 15 Jahre Kommandant der FF Zellerndorf. Er ist überzeugt, dass jede kleine Gemeinde eine eigene Wehr braucht: „Bei Ausrückungen setzt sich das 9er-Team manchmal aus verschiedenen Katastralgemeinden zusammen und es geht sich an Werktagen mit Selbstständigen, Landwirten oder Schichtarbeitern gerade noch aus“, so Schwayer.
Die Nachwuchswerbung gestaltet sich für die Silberhelme nicht einfach, weil auch Sport- oder Musikvereine Kinder und Jugendliche anwerben. Zudem ist die Schülerzahl in vielen Gemeinden in den dreißig Jahren auf fast die Hälfte gesunken und wird auch so schnell nicht mehr dramatisch steigen.

Engpässe an Werktagen

Kulturelle Aktivitäten an Werktagen wie etwa Chor oder Blasmusik bei Begräbnissen mussten in vielen Gemeinden aus Personalmangel eingestellt werden. Wo dies noch möglich ist, helfen sich MusikerInnen aus verschiedenen Gemeinden überregional aus.

Zur Sache:

Der Strukturwandel der letzten 30 Jahre hat den Bezirk stark verändert:
• Der Bezirk Hollabrunn hat eine Fläche von 1.011 km² mit einer Bevölkerungsdichte von 50 Einwohnern je km².
• Landwirtschaftliche Nutzfläche: 67.400 ha, davon ca. 59.400 ha Ackerland, 7.300 ha Weingärten, 21.000 ha sind Wald.
• Laut Agrarstrukturerhebung 2010 gibt es im Bezirk 2.264 land- und forstwirtschaftliche Betriebe.
• Die durchschnittliche Betriebsgröße betrug vor 30 Jahren 28 Hektar, heute liegt sie bei 59 Hektar.
Quellen: Statistik Austria, Bezirksbauernkammer Hollabrunn
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