24.05.2017, 08:00 Uhr

"Ein blutsaugender Parasit" – Varroamilbe tötet Bienenvölker

Der Präsident des NÖ Imkerverbandes, Johann Gruscher, hält in ganz NÖ Kurse ab, um das Bienensterben zu reduzieren. Foto: Josef Messirek

Nicht der Frost, sondern die Varroamilbe ist schuld an den enormen Ausfällen ganzer Bienenvölker.

BEZIRK (jm). Bis zu 40 Prozent der Bienenvölker in Niederösterreich und so auch im Bezirk Hollabrunn haben den vergangenen Winter nicht überlebt.

Johann Gruscher (Peigarten), der Präsident des NÖ Imkerverbandes: "Das Bienensterben wird hauptsächlich durch die Varroamilbe verursacht. Sie ist ein Parasit, der Bienenblut saugt und ist vergleichbar mit einer Zecke." Der Schädling ist seit 1986 in Österreich bekannt und wird vom Imkerverband systematisch und flächendeckend bekämpft.

Gruscher: "Alle Imker müssen an zweitägigen Schulungen teilnehmen, wo ihnen theoretisches Wissen und ebenso die praktische Durchführung vermittelt wird. Nur wer an den Kursen teilnimmt, bekommt Förderungen." Er selbst hat 180 Bienenvölker und ist als einer der vier Kursleiter in ganz NÖ unterwegs. "Weil ich stets dahinter war, konnte ich den Schaden auf ca. 15 Prozent eingrenzen", so der Bienenfachmann.

Bio-Imker Walter Böck aus Zellerndorf musste nur einen Verlust von zehn Prozent hinnehmen. "Das ist ein durchschnittlicher Wert der letzten Jahre. Heuer ist der Ausfall eher auf die Königin zurückzuführen", so Böck.

Ziel: Varroaresistente Bienen

Der Österreichische Imkerverband will nun eine Stiftung gründen, um selbst Mittel für die Forschung zu bekommen. Aber noch ist das Ziel, Varroaresistente Bienen zu züchten, bloßes Wunschdenken.

Maßnahmen setzen

Bienenfreundliche Maßnahmen kann aber jeder Gartenbesitzer setzen: Den Rasen seltener mähen, damit Klee und andere Pflanzen zur Blüte kommen können, Blumenwiese statt Rasen, Blütenhecke statt Thujengrün. "Wenn schon in der Landwirtschaft gespritzt werden muss, so außerhalb der Flugzeit der Bienen, also gegen Abend", wünscht sich Gruscher.

Diagnose und Bekämpfung

Johann Gruscher ist auch Obmann-Stv. von „Biene Österreich“, die Informationen und Kursangebote für die Imker ganzjährig bereithält. Die Varroamilbe bedroht die Bienenvölker von Januar bis Dezember.

"Weil keine Bekämpfungsmaßnahme frei von Nebenwirkungen ist, muss der Imker den Spagat von rechtzeitiger Behandlung und möglichst geringer Belastung der Bienen schaffen", so der "Bienenpapst".

Diagnose, Aufzeichnungen und Meldungen gemäß VIS (Veterinärinformationssys-tem) sind entscheidend für eine wirksame Schädlingsbekämpfung. Als "Tierarzneimittel" ist neben der bisher verwendeten Ameisensäure seit Februar auch Oxalsäure zugelassen.
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