26.03.2017, 15:55 Uhr

In 35 Minuten per Bahn vom Pulkautal nach Wien: Eine Chance für die Region

Zwei Pulkautaltrams treffen sich am früheren Bahnhof Haugsdorf [Fotomontage]

35 Minuten per Bahn vom Pulkautal nach Wien - so lautet die Vision. Folgend vorgestelltes Konzept soll die Jahrzehnte geprägt von wirtschaftlichem Ruin, Arbeitsplatzmangel und einer völlig verfehlten Verkehrspolitik im Pulkautal beenden.

Die Pulkautalbahn. Herrschte auf der eingleisigen Normalspurstrecke vor 50 Jahren noch reger Bahnverkehr, ist sie heute nur noch ein Schatten ihrer selbst. Der Personenverkehr auf der von Zellerndorf durch das Pulkautal bis nach Laa/Thaya verlaufenden Strecke wurde im Jahr 1988 eingestellt, auch Güterzüge verkehren nur mehr selten. Die zunehmende Motorisierung und die individualverkehrszentrierte Verkehrspolitik des Landes Niederösterreich sind zwei wesentliche Faktoren, die zur Einstellung des Personenverkehrs auf der Pulkautalbahn geführt haben.

Unterdurchschnittliche Entwicklung

Mit der zunehmenden Beschneidung des öffentlichen Verkehrs und der durch das Automobil flexibleren Bevölkerung einher ging auch der wirtschaftliche Abschwung in der Region. Die Verlagerung von Arbeitsplätzen in Gebiete außerhalb des Pulkautals führte zu einer Welle an Betriebsschließungen. Darunter litt auch das Bruttoregionalprodukt (BRP) des nördlichen Weinviertels, das mit 20.200 € im Jahr 2014 deutlich geringer als in allen übrigen Regionen Österreichs war. Seit Jahrzehnten hält das nördliche Weinviertel in dieser Wertung die rote Laterne inne. Besorgniserregend sollte jedoch sein, dass die Lücke zum übrigen Österreich stets weiter auseinanderklafft (allein in den letzten 15 Jahren um weitere 1.000 €).

Der Mangel an Arbeit und die wirtschaftlich schlechte Lage in der Region führte auch zur stetigen Abnahme der Einwohnerzahl. Seit 1951 hat sich die Bevölkerung im Pulkautal beinahe halbiert, Jahre mit einer positiven Bilanz bilden die Ausnahme. Vor allem die starke Überalterung der im Pulkautal lebenden Menschen ist Hauptgrund für einen kontinuierlichen Rückgang der Einwohnerzahl.

Öffentlicher Verkehr als Allheilmittel

Die einfach klingende, jedoch schwer umzusetzende, langfristige Lösung für all diese Probleme heißt: qualitativ hochwertiger öffentlicher Verkehr. Schnelle Verbindungen ins Stadtzentrum führen zur verstärkten Ansiedelung auch in peripheren Gebieten, die vor allem durch günstige Mieten und ihre ruhige Lage locken. Bevölkerungswachstum führt folglich auch zu einer höheren Nachfrage an lokaler Nahversorgung und zu weiterem Angebot an Arbeitsplätzen. Folglich profitiert auch die regionale Wertschöpfung und der Tourismus im als Weinbauregion bekannten Pulkautal.

Herzstück des Konzeptes für den öffentlichen Verkehr ist die Reaktivierung der Pulkautalbahn, die eine Verbindung zu den für die Region wichtigen Städten Retz und Laa/Thaya bietet. Je ein bis zwei Halte pro Ortschaft und eine Fahrzeit zwischen den beiden Endbahnhöfen von 38 Minuten soll die Bahn in der Region zu einem attraktiven Verkehrsmittel machen. Durch die häufigen Halte eignen sich Straßenbahngarnituren, die als Pulkautaltram bezeichnet werden sollen (siehe Abbildungen), bestens für den Einsatz auf der Trasse.

Da für Pendler nach Wien jedoch große Umwege entlang der Pulkautalbahn vonnöten sein würden, ist neben den Bahnhöfen Retz und Laa/Thaya ein dritter Umstiegsknoten Richtung Wien erforderlich. Geeignet wäre dafür die freie Fläche zwischen den Gemeinden Alberndorf und Haugsdorf. Ausgehend vom gleichnamigen Bahnhof Alberndorf-Haugsdorf sollen Cityjets der ÖBB mit einer Höchstgeschwindigkeit von 160 km/h über Kalladorf, Hetzmannsdorf-Wullersdorf, Aspersdorf und Hollabrunn Fahrzeiten von bis zu 35 Minuten nach Wien garantieren.

Die von Retz kommenden Regionalzüge sollen abgeändert über Grund und Schöngrabern in die Bezirkshauptstadt Hollabrunn und folglich weiter nach Wien geführt werden (siehe Netzplan).

Schwere Umsetzbarkeit

Entworfenes Konzept kann und wird dem Pulkautal langfristig ein stabiles
Bevölkerungswachstum, eine verstärkte Ansiedelung von Betrieben und eine höhere Wertschöpfung garantieren. Größte Hürde bei Umsetzung dürfte jedoch gerade die Politik selbst darstellen. Die aktuell im Amt befindlichen Verantwortlichen müssten hohe Investitionen vornehmen, würden aber von den gesetzten Maßnahmen zu Ende ihrer Amtszeit kaum die Früchte ernten können. Ihre Bilanz würde somit eher negativ ausfallen, potenzielle Wähler könnten sich von der entsprechenden Partei abwenden. Die nachfolgenden Vertreter hingegen könnten ohne jegliche Investitionen bereits von den Maßnahmen der Vorgänger profitieren und somit eine deutlich positive Bilanz vorweisen. Ziel muss es sein, diese Haltung zu beenden, jedoch auch den Wähler dafür zu sensibilisieren, dass die Früchte der Arbeit der Politik erst Jahrzehnte später geerntet werden können und Politkarrieren am Tag des Amtsabtritts kaum reliabel beurteilt werden können.


Die gesamte Ausarbeitung zum Konzept können Sie unter
pulkautaltram.wordpress.com bzw. direkt unter diesem Link abrufen.
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Rudolf Sauerzapf aus Hollabrunn | 30.03.2017 | 14:13   Melden
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Philipp Graf aus Hollabrunn | 31.03.2017 | 11:35   Melden
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